ÖBB Geschäftsbericht 2024 – Gesamtbericht
Hochwasser, wären wir im Fernverkehr um einen guten Prozent- punkt besser. Nichtsdestotrotz werden wir alle Stellschrauben, an denen wir selbst drehen können, in Gang setzen und weiter an der Verbesserung unserer Pünktlichkeit arbeiten. Wie haben sich diese Herausforderungen auf das finanzielle Ergebnis ausgewirkt? WALDNER: Leider hatten wir mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Wir mussten altes Rollmaterial länger einsetzen, weil die neuen Züge wegen Lieferverzögerungen nicht rechtzeitig zur Verfügung standen. Das hat nicht nur zu höheren Produk- tionskosten geführt, sondern auch dazu, dass wir den Fahrplan ausdünnen mussten und Verkehre nicht wie bestellt durchführen konnten. Am meisten getroffen hat diese Verkettung unglück- licher Umstände unsere Fahrgäste, die in überfüllten Zügen standen oder von Zugausfällen betroffen waren. Wir haben eine Vielzahl an Sofortmaßnahmen zur Stabilisierung eingeleitet, wovon unsere Kund:innen rasch profitieren konnten. Zumindest bis das Hochwasser unseren Fahrplan ausgehebelt hat. Und wie haben sich die Rahmenbedingungen im Jahr 2024 auf den Güterverkehr ausgewirkt? WALDNER: Die wirtschaftliche „Großwetterlage“ 2024 war in Österreich und in weiten Teilen Europas eine besondere Heraus- forderung, speziell im Güterverkehr. Die heimische Wirtschaft schrumpft das zweite Jahr in Folge und entsprechend war die Nachfrage nach Schienengütertransporten geringer. Eine schwache Automobil- und Bauindustrie sind weitere Gründe für stagnierende Transportvolumina. Im Kampf um diese Volumina steht die RCG im Wettbewerb mit dem Lkw, der von günstige- ren Produktionsbedingungen profitiert, aber auch mit anderen Güterbahnen. Die Vielzahl an Baustellen wie zum Beispiel die Tauernsperre in Österreich oder die Komplettsperren für die Generalsanierung ausgewählter deutscher Hochleistungs- strecken zwingen den Güterverkehr darüber hinaus in lange Umleitungen, die nicht 1:1 an die Kunden weitergegeben werden können. Im September kam das Hochwasser, das uns buchstäblich die Bilanz verregnet hat. Die Schäden in Österreich und in den Nachbarländern waren enorm. Zu Beginn konnten europaweit mehr als 1.000 unserer Güter- züge nicht fahren. Alles in allem ist es uns dennoch gelungen, die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten und sogar ein leichtes Umsatzwachstum zu erzielen, worauf ich sehr stolz bin. Deutlich besser lief es im Personenverkehr, wo die ÖBB trotz aller Widrigkeiten einen neuen Fahrgastrekord verzeichnen und erstmals die 500-Millionen-Marke überschreiten konnten. Wie war das möglich? MATTHÄ: Es ist wirklich ein Highlight, so viele Fahrgäste verzeich- nen zu dürfen – sechs Jahre früher als geplant. Das Wachstum ist das Ergebnis von attraktiveren Angeboten, kürzeren Reisezei- ten, mehr Verbindungen und modernen Zügen. Zudem hat das Klimaticket den Zugang zur Bahn erleichtert und das Bewusst- sein für die Umwelt gestärkt. 2023 hatte uns der Fernverkehr den Fahrgastrekord beschert, ein Jahr darauf waren es die Fahrgäste im Nahverkehr, die uns mit einem Plus von rund zehn Prozent buchstäblich die Türen eingerannt haben. Aber wenn Bahnboom auf Baustellen trifft, ist das für die Fahrgäste ernüchternd. Was tun Sie dagegen? MATTHÄ: Wir investierten alleine 2024 laut Rahmenplan 3,2 Milliarden Euro in die Modernisierung und den Ausbau der Infrastruktur. Wir wissen, dass Baustellen für unsere Fahrgäste belastend sind. Diese aber aufzuschieben, würde langfristig zu massiven Problemen führen. Deshalb setzen wir verstärkt auf frühzeitige Kommunikation und denken Baustellen und Ersatz- maßnahmen von Anfang an zusammen. Wir müssen auch Prioritäten setzen: Nicht alles kann gleichzeitig passieren – wir achten darauf, unseren Kund:innen nicht zu viele Einschrän- kungen auf einmal zuzumuten. Werfen wir einen Blick in das Jahr 2025. Welche Innovationen können wir von den ÖBB erwarten? MATTHÄ: 2025 wird mit der Eröffnung der Koralmbahn im Dezember ein Gamechanger für die ÖBB. Ein historisches Ereig- »Die Digitalisierung wird die ÖBB in den nächsten Jahren grundlegend verändern.« MANUELA WALDNER MANUELA WALDNER. „Die wirtschaftliche ‚Großwetterlage‘ 2024 war in Österreich und in weiten Teilen Europas eine besondere Herausforderung, speziell im Güterverkehr“
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