Geschäftsbericht 2024 – ÖBB-Infrastruktur AG

ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 21 Digitalisierung Damit die Kund:innen auch in Zukunft die Vorteile der Digitalisierung nutzen können, erprobt die ÖBB-Infrastruktur AG schon jetzt zukunftsweisende Stellwerkstechnologien (cloudfähige Lösungen) und setzt im Bereich der Digitalisierung verstärkt auf Kooperationen mit Partnerbahnen (DACH). Smarte Feldelemente, die Auflösung von begrenzten Stellbereichen sowie hardwareunabhängigere Reinvestitionszyklen werden mittel- bis langfristig einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Life-Cycle-Kosten und geringeren Instandhaltungsaufwendungen leisten. Mit der Festlegung und Abnahme der Regionalbahnarchitektur 2026+ wurden im Zuge des Innovationsprogramms „Regionalbahntechnik“ die Weichen zur Attraktivierung von Regionalbahnen gestellt. Durch Bündelung innovativer Technologie für Regionalbahnen wird die Kapazität und Wirtschaftlichkeit dieser Strecken optimiert. Das Programm liefert dabei die Grundlagen für einen gesamthaften Sicherungstechnik- und Telematik-Ausrüstungsstandard auf Regionalbahnen. Die wesentlichen Einsparungspotenziale werden insbesondere durch die innovative Ausgestaltung von Eisenbahnkreuzungen, den Abbau von Systembrüchen (z. B. durch Einsatz von ETCS L2 Only), die Vereinfachung sicherungstechnischer Systeme sowie der Verwendung moderner Mobilfunksysteme erwartet. Das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS Level 2 stellt die Basis jeglicher zukünftigen Automatisierung im sicherheitsrelevanten Bereich des Bahnverkehrs dar. Die ÖBB-Infrastruktur AG verfolgt das Ziel, ETCS Level 2 flächendeckend im starkbelasteten Streckennetz zu implementieren und so die in die Jahre gekommenen punktförmigen Zugbeeinflussungen (PZBs) sukzessive zu ersetzen. Diese Maßnahme trägt zu einer nachhaltigen Verbesserung der bestehenden Sicherheitsleistung bei. Das projektübergreifende Programm Digitaler Bahnbetrieb – Phase 1 (DBB) der ÖBB-Infrastruktur AG wird 2025 fortgesetzt und bündelt die Projekte „Trassenkonstruktionssystem“, „Digitalisierung der Zugvorbereitung“, „Digitalisierung betriebliche Prozesse“, „Adaptive Zuglenkung“ und „Driver Operational Assistant System“. Das Programm DBB verfolgt mit diesen fünf Vorhaben die folgenden übergeordneten Digitalisierungsziele: – Digitalisierung betrieblicher Prozesse kompensiert Pensionswelle und sorgt für gleiche bzw. höhere Qualität – Reduktion von Energie- und Papierbedarf – Ausbau des Angebots und attraktivere, öffentliche Verkehrsmittel – Steigerung der betrieblichen Sicherheit durch digitalere Prozesse = weniger Fehlerpotenzial und aktuellere Information für Mitarbeiter:innen – Umsetzung nationales und EU-Recht – Abbau von Medienbrüchen, dadurch zukünftig eine zentrale Informationsquelle mit einfachem Überblick für Triebfahrzeugführer:innen Im Zuge der Digitalisierung gewinnt auch die Datenerfassung und Datenanalyse von Sensoriken wie etwa von Zuglaufcheckpoints oder Tunnel- und Weichensensorik stark an Bedeutung, da diese zunehmend sowohl als Grundlage für predictive Maintenance-Anwendungen und weiteren Optimierungen hinsichtlich Kostenreduktion als auch zur Erhöhung der Sicherheit und Effizienz dienen. Durch digitalisierte Informationen und Lösungen in der ÖBB-Infrastruktur AG wie z. B. dem ÖBB Infra-InfoHub oder Echtzeitnachrichten können Informationen auch mit anderen Verkehrsinfrastrukturbetreibern vernetzt werden und bilden so die Grundlage für ein multimodales Verkehrsmanagement. Als weiteres wichtiges strategisches Projekt arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG an einer zentralen digitalen Kund:innenplattform, um die EVU-Kund:innen umfassend besser servicieren zu können. Mit dieser Plattform werden die Kund:innenprozesse mit den operativen Abläufen in der ÖBB-Infrastruktur AG verbunden. Für die Digitalisierung des Geschäftsprozesses „Infrastruktur Managen“ wurden die Projekte mit dem Ziel, einen transparenten und standardisierten Datenfluss, einen durchgehenden integrierten digitalen Prozess vom Planen über das Bauen bis zum Betreiben zu schaffen. Dabei werden die lokalen veralteten IT-Tools sowie Medien- und Systembrüche durch eine moderne integrierte IT-Lösung ersetzt. Fokus sind bei diesen Lösungen die durchgehenden Prozesse und der Nutzen für die jeweiligen Mitarbeiter:innen, damit diese zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und in der richtigen Form die richtigen Daten zur Verfügung haben, die sie für ihre Arbeit benötigen, um das Kerngeschäft effizient abzuwickeln. Mit der Digitalisierung von Prozessen wird außerdem die Automatisierung von Abläufen an den Terminals und die automatisierte Abrechnung von Energieverbrauch für EVUs vorbereitet. Die Umsetzung des funktionalen Digitalen Zwillings der ÖBB-Infrastruktur AG wird weiter vorangetrieben, um das Ziel einer datengetriebenen Organisation und Entscheidungsfindung voranzutreiben. Die Daten werden in der notwendigen Qualität und Aktualität bereitgestellt, um diese in die jeweiligen Geschäftsprozesse integrieren zu können. Sensoriken für die einzelnen Objekte des Digitalen Zwillings werden mit den virtuellen Anlagen verknüpft, um zunehmend mehr Wissen und Intelligenz aus den Daten zu schöpfen. Bedarfsgerechte Fachsichten werden bereitgestellt und nach Bedarf miteinander verbunden.

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