ÖBB Geschäftsbericht 2023

163 Konzern- lagebericht Sicherheitsstrategie mit konkreten Zielen Übergeordnetes Ziel des ÖBB-Konzerns ist es, nachhaltig zu den sichersten Bahnen in Europa zu gehören. Damit dies gelingt, wurden ambitionierte strategische Sicherheitsziele für den ÖBB-Konzern definiert, die im Jahr 2023 bis zum Zieljahr 2030 erweitert wurden. Als Grundlage für den Erhalt des ohnehin schon hohen Sicherheitsniveaus wird ein grundsätzliches Verschlechterungsverbot (Mehrjahresbetrachtung) und darüber hinaus ein kontinuierliches Verbesserungsgebot eingeführt. Als Anspannungsgrad wurde für die betriebliche Sicherheit, die Arbeitssicherheit sowie für die öffentliche Sicherheit eine kontinuierliche, jährliche Verbesserung um 2% vereinbart. Zur gezielten Steuerung der Sicherheit wird ab 2024 der Fokus noch stärker auf die Vorläufer gelegt, also jene Ereignisse, die beispielsweise zu einem Zugzusammenstoß, einer Zugentgleisung bzw. zu einem Arbeitsunfall führen. Ein risikoorientiertes und auf die Geschäftstätigkeit des jeweiligen Teilkonzerns bzw. der Gesellschaft ausgerichtetes KPI-Set bildet die Grundlage für eine strategische und transparente Steuerung der Sicherheit im ÖBB-Konzern. Die Zielsetzungen im Bereich der Vorläufer sollen die Entwicklungen in den jeweiligen Bereichen widerspiegeln und zu erwartende Technologiesprünge entsprechend berücksichtigen. Für eine wesentliche Verringerung der Vorfälle und Unfälle ist es erforderlich, konzernweit verstärkt auf nachhaltige Verbesserungsmaßnahmen nach Unfällen und Beinaheunfällen zu setzen. Dafür sind detaillierte Fehleranalysen durchzuführen und die Datengrundlagen weiter zu verbessern. Darüber hinaus gilt es, die Meldekultur – das Lernen aus Fehlern – und somit die Sicherheitskultur als Teil der Unternehmenskultur weiterzuentwickeln. Hierbei werden rund um den Unternehmenswert „Sicherheit leben“ und dessen Verhaltensstandards sowie Schlüsselelemente Tools, Trainings und Kampagnen entwickelt. Sie sollen die Sicherheitskultur und damit verbunden auch die Sicherheitsperformance nachhaltig absichern und verbessern. Beispielsweise werden in der internen Kampagne der Rail Cargo Group neue Verhaltensstandards, Behaviour-based Safety und regelbasiertes Arbeiten thematisiert. Business Continuity Management Die ÖBB stehen vor der täglichen Herausforderung, Leistungen sicher, effizient und schnell zu erbringen. Der anhaltende Trend hin zu einer klimafreundlichen Mobilitätswende stellt die Leistungserbringung der ÖBB in das Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit. Ständig steigende Kundenanforderungen und allgemeine Trends machen vor den ÖBB ebenso wenig Halt wie technologische, soziale, natürliche oder ökonomische Bedrohungslagen. Prozess-, Ressourcen- und Leistungsausfälle von Seiten der ÖBB werden medial gerne aufgenommen und verarbeitet. Diesem Umstand wird nun Rechnung getragen und durch die Einführung eines Business Continuity Management Systems (BCM) entgegengewirkt. Damit steigert der Konzern seine Resilienz gegenüber unerwünschten Ereignissen. Auf Basis identifizierter kritischer Prozesse und Ressourcen sollen Rückfall-Ebenen aufgebaut sowie Vorbeugungs- und Umgehungsmaßnahmen entwickelt werden. Damit Ausfälle und Störungen das Kerngeschäft weitgehend unbeeinträchtigt lassen. Zu den potenziellen Störungslagen zählen Ausfälle auf allen Ebenen der Produktionsprozesse, die auf den Geschäftsbetrieb existenzbedrohliche Auswirkungen haben können – beispielsweise IT-Ausfälle, Naturereignisse, technische Probleme oder akute Ressourcen-Engpässe. 2023 wurde anhand eines Pilotprojekts ein Vorschlag für eine konzernweite BCM-Methodik erarbeitet und diese im Rahmen eines Proof of Concept (PoC) erprobt. Dem ÖBB-Konzern ist es wichtig, BCM nicht in Bürokratie ausarten zu lassen. Vielmehr soll es schnelle Einstufungen der betriebs- und unternehmenskritischen Prozesse vornehmen, um effektive Maßnahmen ableiten zu können. Die konzernweite Weiterentwicklung und Umsetzung des BCM wird mit 2024 gestartet. Ausblick 2024 Im Bereich der betrieblichen Sicherheit soll die Warn-App weiterentwickelt werden, um die Signalüberfahrungen weiter zu reduzieren. Gleichzeitig soll noch intensiver an der Reduktion von Vorfällen im Verschubbereich gearbeitet werden. Gleiches gilt für Vorläuferereignisse, die Zugunfälle begünstigen. Neben einem konsequenten Ausbau von Technologie sowie einer wirkungsvollen Weiterentwicklung von Prozessen und Verfahren steht die Erhöhung des Sicherheitsbewusstseins der Mitarbeiter:innen im ÖBB-Konzern im Fokus. Dafür wird im Jahr 2024 das Thema „Aufmerksam sein“ als Teil des Unternehmenswertes „Sicherheit leben“ verstärkt in die Sicherheitskampagne aufgenommen. Auch sollen Gefährdungspotenziale rechtzeitig erkannt und Unfälle proaktiv vermieden werden. Dafür wird ab 2023 / 2024 das Thema „Beinaheunfälle erfassen und analysieren“ konzernweit forciert. Auch die Verbesserung der Lage rund um die Übergriffe auf Mitarbeiter:innen soll im Fokus der Maßnahmensetzung stehen. In der Informationssicherheit werden Projekte umgesetzt, die den Reifegrad der Informationssicherheit weiter erhöhen. Durch das konzernweit vereinbarte „Target Operating Model“ werden weitere zusätzliche Mitarbeiter:innen intern aufgenommen. Zusätzlich werden die internen Ressourcen durch externes Know-how verstärkt unterstützt, um den geänderten rechtlichen und faktischen Rahmenbedingungen bestmöglich begegnen zu können. GRI 403-2, 403-4 LB118 |

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