ÖBB Geschäftsbericht 2023
Konzernlagebericht 54 2024 ist mit einer Rückkehr auf den Wachstumspfad zu rechnen – getragen vor allem von einer deutlichen Erholung des Privatkonsums. Dementsprechend sollten Lohnabschlüsse im Bereich der rollierenden Inflation ab 2024 für eine Steigerung der Nettoreallöhne sorgen. Die Industrie, insbesondere die Bauwirtschaft, dürfte jedoch ein weiteres Rezessionsjahr vor sich haben. Im Bereich der Sachgütererzeugung ist frühestens ab der zweiten Jahreshälfte 2024 mit einer Rückkehr auf den Wachstumspfad zu rechnen. 18 Die günstige Arbeitsmarktlage und das Auslaufen der meisten COVID-19-Hilfen verbesserten bereits 2022 die Finanzierungslage des Staatshaushalts. Einnahmenseitig profitierte dieser auch von gestiegenen Steuereinnahmen durch die hohe Inflation. Dämpfend wirkten hingegen die zahlreichen Maßnahmen der öffentlichen Hand zur Abfederung von Energiepreisanstieg und allgemeiner Inflation ebenso wie die gestiegenen Finanzierungskosten durch die Leitzinsentwicklung. Insgesamt wird für 2023 mit einem Rückgang der Staatsneuverschuldung gerechnet – auf ein Niveau unter die Maastricht-Obergrenze von 3,0% des BIP. Dieses Defizit soll vorbehaltlich neuer Inflationsausgleichsmaßnahmen 2024 weiter sinken. 19 Kapitalmärkte und Staatshaushalt Seit 2016 werden die erforderlichen Finanzmittel für die Infrastrukturinvestitionen der ÖBB-Infrastruktur AG durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) am Kapitalmarkt aufgenommen. Die Finanzierungskosten sind daher durch das Zinsniveau von Bundesanleihen bestimmt. Die deutlichen Zinsschritte der EZB der letzten beiden Jahre sind auch an den Anleihenmärkten nicht spurlos vorüber gegangen. So wurde im Oktober 2023 mit 3,6% ein vorläufiger Höchststand der Emissionsrenditen österreichischer Bundesanleihen im Periodendurchschnitt erreicht – bei einer mittleren Laufzeit von knapp zwölf Jahren. Im Gesamtjahr 2023 betrug der Wert 3,1% und hat sich damit im Vergleich zum Periodendurchschnitt 2022 mehr als verdoppelt. Die Entwicklung der durchschnittlichen Renditen aller im Periodenzeitraum im Umlauf befindlichen Anleihen verlief annähernd gleich. Auch hier betrug der Anstieg 2023 im Gesamtjahresmittel 3%, das entspricht einem prozentuellen Anstieg von mehr als 100%. 20 Im vierten Quartal 2023 war eine leichte Entspannung bei den Renditen zu beobachten. Der Höhepunkt dürfte vorläufig überschritten sein. 21 Die Bonität Österreichs bleibt jedenfalls weiterhin hoch, der Ausblick aller maßgeblichen Ratingagenturen steht auf stabil. 22 B.2. Politische und regulatorische Rahmenbedingungen GRI 201-4 Die ÖBB analysieren laufend die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um die für das Unternehmen relevanten Entwicklungen zu identifizieren. Auf Basis dieser Analysen werden Informationen für Entscheidungsträger:innen in- und außerhalb des Unternehmens aufbereitet. Daraus folgend werden Stellungnahmen und Abänderungsanträge für relevante Gesetzesvorhaben in Österreich und auf europäischer Ebene formuliert. Um die Qualität und die Relevanz der Unterlagen sicherzustellen, greifen die verantwortlichen Mitarbeiter:innen sowohl auf die Expertise interner Fachexpert:innen als auch auf das Know-how externer Stakeholder:innen zurück. GRI 2-29 Die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf das Unternehmen konnten im zurückliegenden Jahr überwunden werden. Hingegen stellten die Folgen des Ukrainekriegs den Konzern in mehrerlei Hinsicht erneut vor große Herausforderungen. Einerseits drückten die höheren Energiekosten auf die Deckungsbeiträge einzelner Konzernbereiche. Andererseits gingen – ganz im Gegensatz zu den Personenverkehrstransporten – die Transportmengen im Schienengüterverkehr deutlich zurück. Für beide Bereiche galt es daher, Lösungen zu finden, die die Systemkosten reduzieren und wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen abzuwenden. Unabhängig davon arbeiteten die Mitarbeiter:innen der ÖBB intensiv daran, die ukrainische Bahn dabei zu unterstützen, den überregionalen Bahnverkehr und Gütertransport aufrechtzuerhalten. Ein weiteres Thema – ein „Dauerbrenner” – ist der Klimaschutz mit seinen großen Herausforderungen für Gesellschaft und Wirtschaft. Die ÖBB arbeiteten in diesem Bereich erneut intensiv daran, die Rahmenbedingungen für eine klimafreundlichen Verkehrswende substanziell zu verbessern. Schnellere Genehmigungen für Energieprojekte und den Eisenbahnausbau Ein Meilenstein für Bahninfrastruktur- und Bahnstromprojekte konnte im Zuge der Novellierung des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes (UVP-G 2023) erreicht werden. Künftig können schnellere, vereinfachte und besser strukturierte Genehmigungsverfahren für Energieprojekte und den Eisenbahnausbau angewendet werden. Diese sogenannten Fast-Track-Verfahren beenden die davor aufschiebende Wirkung von Einsprüchen bei Energie- ausbauprojekten durch einzelne Beschwerdeführer:innen. Das wird Bauverfahren künftig deutlich beschleunigen. Entscheidend für die ÖBB ist, dass dieser Ausschluss der aufschiebenden Wirkung auch für Projekte des Eisenbahnausbaus gilt. 18 WIFO. 19 BMF. 20 OeNB. 21 Kurier, Tagesspiegel. 22 OeBFA. | LB9
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