railaxed - HERBST 2021
Hier hat es schon Kaiserin Sisi gefallen: Das Castello di Miramare vor den Toren der Stadt ist ein Traumschloss auf felsigen Klippen erbaut. musikalischen Darbietungen im Teatro Verdi. Triest ist keine Großstadt, aber eine kosmo- politische Metropole mit Menschen aus allen möglichen Länder, die sich seit über 200 Jahren ein hochkarätiges Opernhaus leis- tet. Es ist kein spektakuläres Gebäude, aber bietet ein tolles Programm und sogar ein eigenes Orchester. Für mich als Fitnesstrai- nerin ist aber auch Sport eine Art von Kultur. Der italienische Fußball hat Kultfaktor – für ein Heimspiel der Unione Triestina muss man zwar ein wenig raus aus dem Stadtzentrum, kann dort aber ausgelassenes Soccer-Fieber mit viel Temperament erleben. Aktuell spielt die US Triestina in der Seria C, ein unter- schätzter Verein mit viel Potenzial und ich juble ihm jedes Mal aus voller Kehle zu. Essen wie Gott in Triest Nun aber zu jenen Themen, die ich beson- ders schätze: das Essen, Trinken und Genie- ßen. Unweit vom Bahnhof befindet sich die Gelateria Zampolli, ich nenne sie San Zam- polli, also heiliger Zampolli – und die Einhei- mischen geben mir recht. Nicht nur gefühlte, sondern gezählte 70 verschiedene Eissorten gibt es dort zur Auswahl. Es ist eine Lebens- aufgabe, sich durchzukosten und Lebens- glück, so man seine Favoriten gefunden hat. Mein Geheimtipp sind die vier „namenlosen“ Sorten – und wenn man im Zampolli mindes- tens 24 Stunden vor Abreise Bescheid gibt, friert der Chef das Eis auf kälter als minus 40 Grad ein. Es hält dann bis Wien – wenn man es im Zug nicht schon aufgefuttert hat. Mei- nen schnellen Kaffee trinke ich am Canale Grande beim Standl gegenüber der Ortho- doxen Kirche, den langsamen genieße ich im „Viezzoli“ in der Via della Cassa di Risparmio. Die Einheimischen versammeln sich ab 7 Uhr morgens rund um den Tresen für ihre Dosis Koffein und gönnen sich kleine Pasticcini dazu. Den „Nero“, so sagt man in Triest zum Espresso, gibt es auf Wunsch „korrigiert” – also mit einem Schluck Grappa dazu, dann heißt er „Corretto“. Derart beflügelt wandere ich gerne von Markt zu Markt, zu meinen Fixpunkten gehören der Bauernmarkt am Kanal vor der Sant’Antonio Kirche und der Fischmarkt Pescheria Grassilli, außerdem findet hinter der Piazza Unità regelmäßig ein toller Flohmarkt statt. Wer alles auf einmal erleben will, der muss an den Hafen. Im „Ea- taly“ gibt es die geballte Ladung an kulina- rischen Köstlichkeiten auf einem Fleck. Drei Stockwerke und 3000 Quadratmeter gefüllt mit den feinsten Spezialitäten, ich bin jedes Mal kurz vor davor, durchzudrehen. Das Motto? „Kaufen, essen und lernen“ – und mit dem kann ich nur zu gut leben. • © Fotos: Ingrid Sontacchi (links oben); Teatro Verdi / Anja Cop; (links unten); Unsplash / Nikola Ristivojevic (Mitte); Adobe Stock / bepsphoto (rechts) „Bis in den November hinein kann man Triest im Freien genießen – abseits der Besucher:innen- ströme.“ Jasmin Pourhassan Anfahrt Schon gesehen? Die ÖBB bieten einen neuen Direktzug von Wien (ab 7:58 Uhr) über Graz (ab 10:39 Uhr) und Ljubljana bis nach Triest. So können Reisende täglich, ohne Umstieg, direkt an die Adriaküste fahren und die wunder- schöne Land- schaft genießen. Retour ab Triest geht’s täglich ab 13:03 Uhr. Nostalgische Gefühle sind vorprogrammiert: Denn damit kehrt auch kaiserliches Flair ein – immer- hin ist es dieselbe Strecke wie die der „k.u.k. privilegierte Südbahn“. 164 Jahre später kann man wieder drei großartige Städ- te in einem Zug genießen. oebb.at/italien 25 railaxed Herbst 2021
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