railaxed - WINTER 2022

Zukunftsszenario Klimakrise? Keineswegs! Der Extrem- wetter-Sommer dieses Jahr hat einmal mehr bestätigt: Wir stecken mittendrin in der Krise! Handeln, bevor es zu spät ist! Jasmin Duregger (32) ist gebürtige Tirolerin. Sie hat an der FH Krems Umwelt- und Nachhaltig- keitsmanagement studiert und ist für Greenpeace zu den Schwerpunkten Klima und Energie tätig. eispiellose Hitzewellen sind diesen Sommer über den europäischen Kontinent gefegt und haben Flüsse austrocknen lassen, Wälder und Ernten – wie beispielsweise in Italien – zerstört. Anderenorts fielen binnen Minuten sintflutartige Niederschläge vom Himmel wie etwa in Vorarlberg. Und Österreichs Gletscher schmelzen unaufhaltsam. Keine Frage: Die Klimakrise ist ein gegenwärtiges Problem, keine Gefahr erst in der Zukunft. Italien im Ausnahmezustand Bereits seit Jahren wird Italien von einer Hitzewelle und Dürre nach der anderen geplagt. Waldbrände, vertrocknende Flüsse und verdorrte Ernten sind die Zeugen der Erhitzung unseres Planeten. Im Normalfall erfahren die Regionen im Süden Italiens Extremwetterereignisse in den heißen Monaten besonders stark. Im Laufe des Sommers wurde jedoch der Norden Italiens von anhaltender Dürre und starken Hitzewellen heimgesucht. Dabei gilt vor allem die Po-Ebene mitten in Oberitalien als besonders fruchtbare Region mit gemäßigtem Klima. Betroffen war auch der Po selbst, die „Lebensader Norditaliens“: Der Niedrigwasserstand des längsten Flusses Italiens führte dazu, dass größere Mengen an Salzwasser als sonst flussaufwärts drückten. Der von der Adria ausgehende Salzkeil reichte zu Spitzenzeiten über 30 Kilometer in den Flusslauf. Die Versalzung des Flusses be­ einträchtigte die Artenvielfalt des Fluss-­ Ökosystems und damit einhergehend seine B ökologische Funktionsfähigkeit – mit negativen Auswirkungen auf Tier und Mensch. Würde der Fluss in Zukunft aufgrund der niedrigen Wasserzufuhr ganz vertrocknen, droht Nord- italien auf Dauer unter Wasserknappheit zu leiden. Neben den extremen Wetterereignissen lässt sich die starke Trockenheit auch auf die direkte Erderhitzung, also die global erhöhten Temperaturen, zurückführen. Die Gletscher sterben Stumme Zeugen der stetigen Klimaerhitzung sind die Gletscher. Bereits seit Jahrzehnten liefern sie ein eindringliches Warnsignal, denn sie schmelzen in rapidem Tempo. Auch das ist eine direkte Auswirkung der steigenden Temperaturen. Sowohl die veränderten Nieder- schlagsmengen als auch der Temperaturanstieg führen zum vermehrten Abschmelzen des „ewigen Eises“, wie auch der Weltklimarat analysierte. In Österreich führt der Alpenverein über den jährlichen Verlust an Gletschermasse Buch, und auch im letzten Jahr waren die Zahlen wieder erschreckend. Trotz eines schneereichen Winters haben die Gletscher Österreichs weiter an Masse verloren. Green- peace besuchte hierzu den Schlatenkees Gletscher sowohl 2019 als auch 2021 und dokumentierte den besorgniserregenden Rückgang fotografisch. Der Schlatenkees verlor allein im Jahr 2020/2021 rund 55 Meter an Länge und war damit in diesem Jahr der traurige Rekordhalter unter den öster- reichischen Gletschern. Was wir jetzt sehen, ist das Resultat der klimaschädlichen Emissionen, die wir bereits vor Jahrzehnten in die Luft Das Resultat klimaschädlicher Emissionen: Der Schlatenkees Gletscher im Jahr 2019 … … und im Jahr 2021. Der Rückgang des Gletschers ist mehr als offensichtlich und besorgniserregend. Gastkommentar – Jasmin Duregger 42 43 railaxed Winter 2022 Greenpeace Fotos: Aegean_Blue/istock (linke Seite), Mitja Kobal (Rechte Seite) * de.euronews.com/2022/06/27/italien-erlebt-die-schlimmste-durre-seit-70-jahren; cnbc.com/2022/07/05/italy-declared-a-state-of-emergency-because-of-drought-in-the-po-river.html

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