railaxed - HERBST 2023

ein, nein und nochmals nein. Certamente no! Wer mit einem Italiener über die geeignete Unterkunft an der Küste Liguriens diskutiert, muss mit Leidenschaft rechnen. Ich will in der Hafenstadt La Spezia oder in einem der Dörfer der Cinque Terre wohnen, er besteht auf Levanto. Mit Nachdruck und ent- sprechender Gestik. Glücklicherweise kann sich Enrico durchsetzen, der passionierte Reiseguide verfügt immerhin über jahr- zehntelange Erfahrung. Also steige ich – aus Wien anreisend – in Levanto aus dem ÖBB Nightjet. Gemütlichkeit ist das Stichwort, denn in dem kleinen Küstendorf lässt sich niemand stressen. Und nein, nein und nochmals nein: Levanto gehört nicht direkt zu den Cinque Terre. Trotzdem kann ich es wärmstens empfehlen, sich hier um eine Unterkunft zu bemühen oder auf das benachbarte Bonassola auszuweichen. Hier geht es ruhig und gemächlich zu, das Sport- und Freizeitangebot ist groß, die Strände sind flach und selten überfüllt, ein idealer Startpunkt für Erkundungstouren, aber auch ein Rückzugsort zum Relaxen. Strände, Surfspots und Schönheit Levanto ist reich an kulturellen Attraktionen – und die kulinarische Szene ist ein wahres Fest für Gourmets. Sehr spezielle Pizza aus Kicher- erbsenmehl verkoste ich im mehrfach preis- gekrönten „La Picea“ und spüle sie mit dem lokalen Craftbier „Bira de Zena“ hinunter. Auch andere Spezialitäten wie Focaccia und Panissa sollte man probiert haben, detto das berühmte ligurische Pesto mit Olivenöl, frischem Basili- kum und Pinienkernen. Im „Il laboratorio del Pesto“ in der blumengeschmückten kleinen Altstadt kann man diese hohe Kunst sogar selbst erlernen. Im Mörser zerstampfe ich die Zutaten per Hand – zu vorsichtig, wie die Lokalbesitzerin meint. Ich soll an alle Ver- flossenen denken, die mich verärgerten. Heraus kommt eine herrlich wütende und besonders cremige Paste. Zu Fuß oder auf dem Rad – ein Abstecher zur Promenade am Meer, gesäumt von bunten Häusern der Jahrhundertwende, ist Verliebt in die Cinque Terre: Janina an der berühmten „Via dell’Amore“. Handarbeit: In Levanto wird Pesto hergestellt. Profi-Wandern Trekking-Guide Federico Chiodaroli wandert täg- lich in den Bergen über dem Meer von Levanto und kennt auch die schönsten Spots der Cinque Terre. Seine Leidenschaft hat der gebürtige Mailänder in seinem Buch „Via dei Monti o de Pontremolo“ verewigt, das er ganz dem ligurischen Hinter- land gewidmet hat. Die Schönheit der Natur vermittelt er bei der Umweltkommunikations­ gesellschaft „Ecozoica“. Wer mit Federico auf Tour gehen möchte, wendet sich an: itrekitaly.it N Janina Lebiszczak ist Journalistin, Kolumnistin und Autorin aus Wien. Sie schreibt über die Kunst, das Leben zu genießen, Grenzen zu überwinden und den Horizont mit allen Sinnen zu erweitern. danach ein Muss. Die „Villa Agnelli“ – der Name steht über die Landesgrenzen hinaus für die italienische Unternehmerfamilie hinter der Automarke „Fiat“ – befindet sich an einem der schönsten Punkte des Ortes, davor wird spaziert, flaniert, geflirtet, Gelati genossen und der wundervolle Sonnenuntergang bewundert. Doch nicht nur für Romantiker:innen, auch für Sportler:innen hat Levanto einiges zu bieten. Die sanften Wellen und günstigen Windverhältnisse machen das Städtchen zu einem beliebten Ziel für Surfer:innen aller Niveaus, es gibt mehrere Schulen und Verleihstellen, die Kurse und Ausrüstung anbieten. Noch wohler fühlen sich hier nur die Wander-Fans. Levanto ist der perfekte Ausgangspunkt, um die atem- beraubende Landschaft des Nationalparks Cinque Terre per pedes zu erkunden. Die be- liebteste Wanderroute „Sentiero Azzurro“ bietet dabei die schönsten Ausblicke auf das glasklare Meer und die Steilküste. Willkommen im Wanderparadies! Gutes Schuhwerk und ausreichend Wasser sind also heilige Pflicht, das bestätigt auch mein Trekking-Guide Federico. Der hat seinen Job als Ingenieur in Mailand bereits vor Jahren an den Nagel gehängt und widmet sich nun mit ganzer Euphorie dem Wanderparadies der Cinque Terre. Bald stellt sich heraus, dass wir uns einiges vorgenommen haben. Der Anstieg von Levanto ist nicht ohne, und auf halbem Weg treffen wir bereits heillos Überforderte. Was nicht allein der mangelnden Kondition geschuldet ist, es liegt auch an den wenig stabilen Flip-Flops an ihren Füßen. Und die sind verboten, bei Strafe sogar – eine drei- stündige Wanderung ist nun mal eben kein Ausflug zum Strand. Ich trage Turnschuhe Wandern mit Aussicht: Guide Federico kennt die besten Wege. Panoramafoto par excellence: Manarolo ist das älteste Dorf der Cinque Terre. © Illustration: Blagovesta Bakardjieva, carolineseidler.com 14 15 railaxed Herbst 2023

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