railaxed - HERBST 2023
CAROLINE PETERS Zur Person Ob im Burgtheater, im TV oder auf der großen Leiwand, ihre temporeichen, klugen Abbilder menschlicher Motive machen sie zu einer gefragten Schauspielerin und wurden vielfach ausgezeichnet – u. a. zweimal mit dem „Nestroy“, dem „Adolf-Grimme-Preis“, dem „Bayerischen Fernseh- preis“ sowie dem „Deutschen Schauspielpreis“. 2020 spielte sie die Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen. Sie lebt in Berlin und Wien. In Bewegung Nicht erreichbar zu sein, bedeutet Luxus Im Herbst brilliert die Schauspielerin in „Wie kommen wir da wieder raus?“, dem zweiten Teil des Kinohits „Womit haben wir das verdient?“. Wir sprachen mit der Wahl-Wienerin über lange Zugfahrten und nachhaltige Erkenntnisse. Interview – Janina Lebiszczak ir erwischen sie rechtzeitig, gerade hat sie sich es in der Bahn gemütlich gemacht. Gut für uns, denn Caroline Peters ist viel beschäftigt. Die Schauspielerin nutzt die Pausen zwischen Dreharbeiten, Bühne und Promotion bevorzugt nicht fürs Arbeiten, sondern zum Abschal- ten. Ein „bewegtes“ Gespräch geht sich trotzdem noch aus. Wohin sind Sie gerade unterwegs? Ich sitze im Zug nach Berlin auf dem Weg zu einer Filmpremiere. Und tatsächlich ist die Bahn mein bevorzugtes Verkehrsmittel. Warum? Man hat bei längeren Strecken fast einen Tag nur für sich selbst. Und den nutze ich zum Entspannen, zum Träumen. Ich schau’ aus dem Fenster, ich esse im Speisewagen und genieße es sogar, wenn der Handyempfang nicht immer einwandfrei ist. Dann bin ich nicht in Versuchung, doch zu ar- beiten. Nicht erreichbar zu sein, be- deutet Luxus. Außerdem lese ich gerne – momentan „Was der Tag bringt“, David Schalkos aktuellen Roman über den Zwangsmüßiggang im Lockdown. Gutes Stichwort: Bald kommt die Fortsetzung von „Womit haben wir das verdient?“ in die Kinos. Dieses Mal wird innerhalb der kunter bunten Patchworkfamilie an neuen Fronten gekämpft. Eine davon: Der Vater organisiert Corona-Demos ... Ja, diese Zeit hat Familien, wenn nicht die ganze Gesellschaft, gespalten. Heute kann man glücklicherweise über manches auch lachen. Zum Bei- spiel über die kruden Verschwörungs- theorien. Ich fand es erstaunlich, dass Echsenmenschen hinter dem ganzen Chaos stecken sollten. Und dass Angela Merkel eine Kannibalin sei. Da kann man sich schon mal fragen: „Wie kommen wir da wieder raus?“ Auch der Feminismus kommt nicht zu kurz – so fühlt sich die Filmtochter mit ihrer Geschlechts identität nicht mehr wohl. Die junge Generation schafft sich neue Bilder von Gleichberechtigung, hat andere Vorstellungen von der Zu- kunft. Das ist völlig normal, auch wir haben für unsere Ziele gekämpft. Die Welt ist immer in Bewegung. Aller- dings glaube ich, dass wir Frauen von- einander lernen sollten. Feminismus ist ein generationsübergreifendes Projekt. Zurück zum Reisen: Wo ent spannen Sie am liebsten? Österreich ist für mich eher zum Arbeitsland geworden, leider. Dabei gibt es so viele schöne Orte. Ich be- mühe mich, sie trotzdem zu sehen und mache viele Ausflüge, etwa nach Linz zur „Ars Electronica“. Oder nach Bad Gastein. Auch der Weissensee in Kärnten ist wunderbar. Oder das Strombad Kritzendorf bei Wien. Im Herbst werde ich eine längere Arbeits- pause einlegen, da geht sich sicherlich das eine oder andere aus. Und ich habe angefangen, Boule zu spielen, das entspannt ungemein. Und wie kommen Sie in Wien von A nach B? Die Öffis sind toll, aber ich wohne in der Innenstadt. Da ist alles, was man braucht, ein gutes Rad. Letzte Frage: Haben Sie durch die Vielfalt Ihrer Rollen viel über sich selbst gelernt? Nein, nichts. Aber ich habe durch meine Arbeit und das Leben generell gelernt, dass man sich ständig weiter- entwickelt. Dass vieles nur eine Phase ist. Und Pläne zwar Sicherheit geben, aber selten funktionieren. • W 81 80 Interview railaxed Herbst 2023 Foto: Rafaela Pröll
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