railaxed - WINTER 2023
Janina Lebiszczak ist Journalistin, Kolumnistin und Autorin aus Wien. Sie schreibt über die Kunst, das Leben zu genießen, Grenzen zu überwinden und den Horizont mit al- len Sinnen zu erweitern. Hohen Tauern schmiegen – und auch Sport- gastein, das Hochplateau am Talschluss, überzeugt. Skifahren, Freeriden, Snowboarden und Langlaufen – ein wahres Eldorado für Brettl-Fans, hier wartet sogar eine der längsten Talabfahrten der Ostalpen: Auf zehn Kilometern geht es von der Schlossalm über 1.000 Höhen- meter hinunter bis nach Bad Hofgastein. Ich bin allerdings nicht sonderlich wintersportlich, dafür umso experimentierfreudiger, und habe mir vorgenommen, alle möglichen Alternativen auszuprobieren, die abseits der Pisten locken. Ich steige todesmutig in den Sitzgurt, lasse mich unter Stoßgebeten sichern und schließlich los. Und siehe da: Die Angst verwandelt sich bereits in den ersten Sekunden in pures Vergnügen. Es soll nicht das einzige bleiben. Denn das nächste Highlight wartet bereits. Oder besser gesagt, es wedelt. Und will nur eines: endlich laufen. Auf vielen Pfoten durch „Little Alaska“ Wer einem sibirischen Husky widerstehen kann, muss ein Herz haben so frostig wie die Tempe- raturen des Gasteiner Winters. Durch seine auffallend blauen Augen und das dichte weißgraue Fell ist er ein wahrer Blickfang, doch vor allem sein Wesen überzeugt: aufmerksam, menschenfreundlich und sanftmütig – solange man ihm das gibt, was er braucht – jede Menge Bewegung im Rudel. Dafür verzichtet er gerne aufs Bellen. Bei meiner Ankunft am Talboden von Sportgastein ist die Luft von freudigem Jaulen aus vielen Schnauzen durch- zogen. Mitten drinnen: Manuela und Arnold Petutschnig sowie Tochter Alina. Sie sind eine Musher-Familie wie aus dem Bilderbuch. (Musher ist der Fachausdruck für Menschen, die Hundeschlittengespanne lenken.) Seit über 20 Jahren widmen sie jede Sekunde ihrer Freizeit den vierzehn Schlittenhunden und deren Nachwuchs. In „Little Alaska“, wie sie die Region gerne nennen, kennt man den Namen: Die Petutschnigs übernehmen unterschiedliche Aufgaben bei der Leitung der internationalen Schlittenhunderennen, die jährlich unter großer zwei- und vierbeiniger Beteiligung aus aller Welt stattfinden. Ausgetragen werden sie in verschiedenen Klassen: Von nur einem Hund mit Langlaufskiern bis zu mehr als acht Hunden am Schlitten. Ein Großteil des Starterfeldes fährt mit Siberian Huskys, aber auch Malamuts, Grönländer und Hounds sind am Start. Die Distanzen betragen je nach Hundeanzahl bis zu 19 Kilometer. In Sportgastein finden Schlittensportler:innen nicht nur optimale Bedingungen vor, sondern dazu noch eine imposante Bergkulisse. Wahrscheinlich steht 2024 deshalb sogar eine Weltmeisterschaft ins Haus. 40 km/h Spitzengeschwindigkeit können Siberian Huskys mit Schlitten erreichen – jedenfalls bei Sprintrennen, 12 Kilometer schaffen sie dabei in einer halben Stunde. Im Husky Camp von Sportgastein Heute aber wird es höchstens semi-professio- nell. Ich darf die Hunde nicht nur ausgiebig streicheln und mit Snacks beglücken, ich darf probieren, was Familie Petutschnig in ihren Workshops allen tierlieben Gästen des Gasteinertals anbietet. Nach einem ersten Beschnuppern geht es zur theoretischen Einführung im Umgang mit dem Schlitten, wobei vor allem das richtige Bremsen zur Herausforderung werden kann. Erst wenn die Trockenübungen sitzen, werden zwei bis drei Hunde angespannt, und ich darf mein kleines Team durch die tief verschneite Landschaft des Talbodens lenken. Auch die Alternative ist verlockend, dazu legt man sich an die Leine (besser gesagt: an den Zuggurt) und geht mit den Fellfreunden auf Wanderschaft. „Die angebotenen Strecken sind nicht sehr lange. Unsere Hunde sind Familienangehörige, dementsprechend sind wir immer dahinter, dass sie nicht gestresst oder gelangweilt sind“, erzählt Manuela. „Sie brauchen viel Action – vor allem, wenn sie es gewohnt sind, an Rennen teilzunehmen. Und sie brauchen ihr Rudel, wir nehmen immer alle mit ins Camp, auch die älteren Tiere.“ Der Effekt, den sie auf Menschen haben, wirkt allerdings wie eine Verjüngungskur, instinktiv scheinen sie zu spüren, was gerade in mir vorgeht. Zum Finale gibt es noch Suppe für mein temporäres Rudel, Huskys brauchen viel Flüssigkeit. Ich ebenfalls, denn gemütliches Rumstehen am Schlitten, das spielt es nicht. Bei Steigungen oder im Tief- schnee hilft man mit und gerät selbst ins Schwitzen. Mein Fazit: Ich bin doch eher Kuschlerin als Musherin. Winterwanderung mit dem wandelnden Naturlexikon Hans Naglmayr ist vor allem Typ Naturbursch, den ehemaligen Nationalpark Ranger und Wanderguide treffe ich an der Bergstation der Graukogelbahn. Bereits im Lift hinauf be- komme ich eine Kostprobe seines geballten Wissens und kann mir bei der Kommunikation mit der ansässigen Vogelwelt das Grinsen nicht verkneifen. Aber tatsächlich: Das wandelnde Naturlexikon ruft, pfeift und gurrt und erhält verlässlich Antwort. Der Graukogel, berühmt für seinen uralten Zirbenbestand – manche Bäume sind 250 bis 300 Jahre alt –, ist sein Husky-Kuscheln ist eine leichte Übung, bei der Bremsprobe am Schlitten (Foto links) muss die WM- erprobte Musherin Manuela helfen. Yoga- Hotspot Im Gasteinertal werden ganz jährig unterschiedliche Yoga- Veranstaltungen angeboten. Im Winter findet man z. B. jeden Freitag bei „Yoga on Snow“ seine innere Balance. Beim „Yoga & Snow Retreat“ von 14.–17.3. lockt die Kombi aus Yoga, Langlauf und Meditation. Beste Aussichten: Das Belle-Époque-Juwel Bad Gastein kann man bei „Flying Waters“ auch aus der Vogelperspektive erleben. 14 15 railaxed Winter 2023 Foto: Salt Yoga Vienna (Foto rechts oben) © Illustration: Blagovesta Bakardjieva, carolineseidler.com
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