railaxed - FRÜHLING 2025

ALFRED DORFER Zur Person Der 63-jährige Kabarettist und Schauspieler ist eine Fix- größe in der österreichischen Kabarettszene wie auch im Film und bestens bekannt für seinen bitterbösen Humor – z. B. in „Indien“ und „MA 2412“. Mit „GLEICH“ ist er derzeit auf den Bühnen Österreichs und Deutsch- lands zu sehen, u. a. bei „Intermezzo – das Sommer- fest des Humors“ (1.-12. Juli) in der Wiener Staatsoper. Infos: dorfer.at In Bewegung „ Lachen hat auch eine heilende Wirkung “ Im Interview spricht Kabarettgröße und Wortakrobat Alfred Dorfer über die Vielschichtigkeit des Humors, über die Wiederholungsgefahr politischer Geschehnisse und die Auswirkung sozialer Medien. Interview – Christine Buchinger ktuell ist er mit seinem neuen Programm „GLEICH“ unterwegs. Im Gespräch konnten wir dem Satiriker ein wenig über sein neuestes Kabarettprogramm entlocken – und mit ihm darüber plaudern, wie es entstanden ist. Was erwartet die Besucher:innen? Die Inhalte sind aus dem Leben gegriffen – auch aus meinem. Hotels spielen dabei eine wichtige Rolle, schließlich hat sich bei mir viel auf Reisen abgespielt. Und es gibt eine spitze Bestandsaufnahme der politischen Zustände, allerdings bewusst ganz ohne Tagespolitik. Reisen und Hotelzimmer: Gehört das „zum Job“ und sind Sie eigentlich noch gern unterwegs? Es gehört einfach dazu, weil es ja langweilig wäre, nur an einem Platz zu bleiben, um immer dort zu spielen. Natürlich gibt es auch ge- wisse Dinge, die sich mit dem dau- ernden Reisen abnützen. Trotzdem: Die Freude ist immer noch da! Sie reisen, soweit möglich, gerne im Zug. Wie beschäftigen Sie sich unterwegs? Unterschiedlich: Es gibt Tage, da schaue ich nur beim Fenster hinaus – selbst, wenn ich die Strecke schon sehr gut kenne. Ansonsten versuche ich, zu arbeiten oder zu lesen. Außer, es telefoniert jemand laut neben mir – wobei ich stark befürworten würde, dass bei uns ein generelles Telefonverbot im Zug verhängt wird. Die nachdenklich machenden, stillen Sickerwitze, das laute Pointen-Feuerwerk: „Sammeln“ Sie die unterwegs? Ja, im Alltag und unterwegs ge- nauso. Im Prinzip sind die Antennen immer ausgefahren. Das muss ich mir aber gar nicht selbst verordnen, das geht ganz automatisch. 40 Jahre politische Satire: Wieder- holen sich die Abläufe, die Charak- tere? Kommt zwischendurch auch mal Politikverdrossenheit auf? (Lacht) Ich habe viele Jahre lang satirische Kolumnen geschrieben. Und nach fünf oder sechs Jahren hatte ich schon das Gefühl, es ändern sich nur die Namen. Ja, es wiederholen sich viele Dinge, was zu Politikverdrossenheit führen kann. Aber wir haben das große Geschenk, wählen gehen zu dürfen – im Gegen- satz zu vielen anderen Menschen auf der Welt. Deshalb: Nicht wählen zu gehen, das wäre für mich ein absolutes No-Go. „Auch als geistig kleiner König kann man sich heute ein Königreich schaffen.“ Sprechen Sie da die sozialen Medien an? Ja, sie sind eine gewaltige Gegenbewegung zu den klassischen Medien, weil sie es den Leuten leichter machen, in ihrem eigenen Saft zu schwimmen. Alle können dort sagen, was sie möchten, niemand muss mehr Selbstkritik auf- bringen. Man bewegt sich stets in derselben Blase, wo vieles wieder- gekäut wird. Und das halte ich für ungemein gefährlich. Andererseits: Ohne ginge es auch nicht mehr! Manchmal lacht das Publikum auch, weil es „wehtut“ – oder gerade deshalb? Hinter jedem großen Humor steckt eine ebenso große Traurigkeit. Man kann die Leute natürlich auch ohne diese Doppelgleisigkeit unterhalten. Aber für mich hat Lachen eine heilende Wirkung – sonst würde es nicht auch dort hervorsprudeln, wo es „nicht sein sollte“. • A 65 64 Foto: Moritz Schnell Interview railaxed Frühling 2025

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