ÖBB Geschäftsbericht 2025 – Gesamtbericht

Zug um Zug in die Zukunft 16 barrierefreie Mobilitätsdrehscheibe auf dieser begrenzten Fläche zu errichten, war eine logistische Herausforderung. Denn hier befindet sich neben dem Bahnhof auch noch eines von zwei An- lagenservicecentern inklusive Stützpunkt für den Rettungszug, von dem aus die Instandhaltungszüge zur Wartung der Koralmbahn starten. Neues Zeitalter im Bahnverkehr Die Eröffnung der Koralmbahn brachte die größte Fahrplanänderung der ÖBB seit Jahrzehnten. 29 Mal pro Tag geht es von Graz nach Klagenfurt und umge- kehrt. Eine Reise, für die man mit dem Pkw rund eineinhalb Stunden einplanen muss, dauert nun mit der Bahn lediglich 41 Minuten. Auch die Fahrtzeit von Wien nach Klagenfurt verkürzt sich um 45 Mi- nuten auf 3 Stunden 10 Minuten. Und es entsteht ein dichtes Netz an Direkt- verbindungen – zum Beispiel der Stundentakt zwischen Villach und Salzburg. Außerdem gibt es neue, schnellere Verbindungen zwi- schen Graz, Villach, Salzburg und München. Auch Osttirol profitiert: Der Bahnhof Lienz ist mit zwei täglichen Railjet-Verbindungen pro Richtung direkt über die neue Südstrecke mit Wien verbunden. Und nicht nur das südliche Öster- reich rückt mehr ins Zentrum, auch Italien: Triest ist in 6 Stun- den 38 Minuten von Wien aus erreichbar – statt bisher 9 Stunden 18 Mi- nuten, Venedig in 7 Stunden 10 Minuten statt 7 Stunden 40 Minuten. Sobald der Semmering-Basistunnel ab 2030 in Be- trieb geht, schließt sich ein Ring zwischen Wien, Graz, Villach, Salzburg und Linz und bietet damit noch mehr Optionen für den Zugverkehr und Umstiegsmöglich- keiten für die Fahrgäste. Bis dahin war es ein steiniger Weg, und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Durch die Tiefen des Berges Tief unter der Koralpe, zwischen der Steiermark und Kärnten, liegt ein un- erforschter Ort. Welches Gestein hier ruht, das lässt sich auch nach unzähli- gen geologischen Probebohrungen und Analysen nicht restlos bestimmen. Diese Ungewissheit war unter anderen eine der größten Herausforderungen und barg viele Risiken beim Bau der Koralm- bahn. Denn je nach Geologie muss eine eigene Vortriebsart für den Tunnelbau eingesetzt werden – und die kann sich von Meter zu Meter unterscheiden. Der Koralmtunnel bildet das Herz- stück der Strecke. Er führt in einer Tiefe von bis zu 1.200 Metern durch das Berg- massiv der Kor­ alpe, 33 Kilometer Länge machen ihn zum sechst­ längsten Tunnel der Welt. Eine der drei Tunnel- bohrmaschinen, „Mauli 1“, stellte mit über 17 Kilometern kontinuierlichem Vortrieb im steirischen Abschnitt sogar einen Weltrekord auf. Heute erfüllen die zwei parallel ver- laufenden Röhren, die jeweils einen Durchmesser von 10 Metern aufweisen und alle 500 Meter durch Querschläge verbunden sind, höchste Sicherheits- und Technikstandards. Glück auf! Im Jahr 2020 feierte man schließlich den finalen Durchschlag – ein wesentlicher Meilenstein, um den Zeitplan einhal- ten zu können. Dabei lag der Tunnel- ÜBUNGSEINSATZ. Am Bahnhof St. Paul liegt der Stützpunkt für den Rettungszug Noch nie zuvor sind Menschen schneller auf dem Landweg von Graz nach Klagenfurt gereist. Koralmbahn Daten & Fakten 27 Jahre Bauzeit 130 Kilometer Gesamtlänge, 50 davon in 12 Tunneln 33 Kilometer Länge machen den Koralmtunnel zum sechst­ längsten Eisenbahntunnel der Welt 17,1 Kilometer durchgängiger Vortrieb beim Bau des Koralm­ tunnels erzielen einen Weltrekord 100 Brücken entlang der Strecke

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