ÖBB Geschäftsbericht 2025 – Gesamtbericht
31 Zug um Zug in die Zukunft Holding AG in einem neuen Cityjet Doppelstock, geparkt in der neu errichteten Servicehalle der ÖBB Technische Services in Wien-Floridsdorf 81,6 Prozent, was angesichts der zahlreichen Verspätungen aus den Nachbarländern nicht schlecht ist. Gleichzeitig sehen wir klar, wo es noch Verbesserungsbedarf gibt, im Nahver- kehr lagen wir mit 94,8 Prozent knapp unter unserem Ziel. Auch wenn die ÖBB mit rund 94 Prozent Pünktlichkeit zu den pünktlichsten Bahnen Europas zählen, reicht uns das nicht. Wir wollen hier besser werden. Deshalb investieren wir konsequent in moderne Infrastruktur, neue Züge und bessere Abläufe. Frau Waldner, die Rail Cargo Group hat das Ergebnis der ÖBB 2025 stark beeinflusst. Was ist passiert? Und geht es 2026 in diese Richtung weiter? MANUELA WALDNER: Auch 2025 haben die Auswirkungen der längsten industriellen Rezession den Güterverkehr mitten ins Herz getroffen, denn die Nachfrage nach Gütertransporten blieb schwach. Die Rail Cargo Group (RCG) steht noch mehr im Wettbewerb mit dem Lkw. Wir sehen deutlich, dass bei den Transportarten, die in besonderer Konkurrenz zur Straße stehen – Einzelwagenverkehr und Intermodalverkehre –, die Ergebnis- lücken besonders groß sind. Daher haben wir im Geschäftsjahr 2025 ein Programm zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit aufgesetzt und jeden Bereich genau durchleuchtet. Jetzt geht es an die Umsetzung: Schritt für Schritt muss sich die RCG nachhaltig aus der Krise herausarbeiten. Schlecht laufende Pro- dukte werden eingestellt, bestimmte Transporte wieder selbst abgewickelt und interne Synergien und Effizienzen gehoben. Muss man sich damit abfinden, dass der Güterverkehr auf der Schiene einfach weniger wird, oder gibt es Möglichkeiten, das wieder zu drehen? WALDNER: Wir finden uns sicher nicht damit ab: Unser erklärtes Ziel ist die vermehrte Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Das ist die einzige Möglichkeit, Klimaziele sowie Wirt- schafts- und damit Transportwachstum zu vereinen. Wir sind in Österreich mit 28 Prozent Modalanteil europäischer Musterschü- ler. In Europa liegt der Wert nur bei 18 Prozent. Unser hoher Anteil ist der Effekt von jahrzehntelanger nachhaltiger Verkehrs- politik und einem klaren Bekenntnis zur Verkehrsverlagerung auf die Schiene. Güterverkehr findet aber primär international statt, also können wir nur gemeinsam handeln: Wir setzen uns für ein europaweit einheitliches Schienennetz und faire Rah- menbedingungen ein, die alle Verkehrsträger gleich behandeln. Wir brauchen einheitliche europäische Eisenbahnstandards und langfristige Finanzierungspläne – auch hier sind wir in Öster- reich Vorreiter. Wir setzen daher auf Innovation, Digitalisierung und Erweiterung des Produktportfolios, um neue Märkte zu erschließen und Kunden den Umstieg auf die Schiene leichter zu machen. Ein entscheidender Hebel dabei sind beispielsweise multimodale Logistiklösungen inklusive der ersten und letzten Meile – also vom Werkstor bis zum Gleis. > »Wir investieren konsequent in moderne Infrastruktur, neue Züge und bessere Abläufe.« ANDREAS MATTHÄ, CEO
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