ÖBB Geschäftsbericht 2025 – Gesamtbericht

Zug um Zug in die Zukunft 32 Was würde ein weiterer Rückgang des Güterverkehrs auf der Schiene für die Klimaziele bedeuten? WALDNER: In den letzten Jahrzehnten ist der Transportmarkt in Österreich auf der Straße jedes Jahr um durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr gewachsen – der Schienengüterverkehr hat in der gleichen Zeit nur um circa 1,3 Prozent jährlich zu- gelegt. Wenn es so weitergeht, sind die Klimaziele also nicht erreichbar. Wir hätten mit dem Schienengüterverkehr einen großen Hebel für die Reduktion klimaschädlicher Emissionen in der Hand: Der Transportsektor ist für rund 10 Prozent der gesamten CO₂-Emissionen verantwortlich, wobei Transporte auf der Schiene im Vergleich zur Straße rund 30-mal weniger CO₂ verursachen. Dieses Potenzial kann aber nur dann wirksam werden, wenn wir die tatsächlichen Kosten der unterschiedli- chen Verkehrsträger berücksichtigen: Denn die externen, volks- wirtschaftlichen Kosten von Lkw-Transporten – etwa durch Staus, Lärm, Unfälle oder Umweltbelastungen – sind rund sechsmal so hoch wie jene der Bahn. Diese Kosten werden aber größtenteils von der Allgemeinheit getragen. Österreich muss sparen. Müssen auch die ÖBB kürzertreten? WALDNER: Es ist kein Geheimnis, dass überall gespart werden muss, auch die ÖBB haben im Rahmen der Budgetkonsolidie- rung des Bundes eine Reduzierung der Infrastrukturinvestitio- nen von 3 Milliarden Euro bis 2030 zu stemmen. Sie haben 2025 ein Programm zur Steigerung der Wettbe­ werbsfähigkeit mit dem Namen „Compete“ definiert. Was dürfen wir uns darunter vorstellen und wozu dient es? WALDNER: Das ist korrekt. Die generell schlechte Wirtschafts­ lage und der steigende Wettbewerb machen es auch in unserem Haus notwendig, dass wir unsere operativen Kosten reduzieren. Konkret um 300 Millionen Euro jährlich, mit dem Ziel, ein attraktiver und wettbewerbsfähiger Player auf dem europäischen Mobilitätsmarkt zu sein. Wir verschlanken Ab- läufe, reduzieren Kosten, digitalisieren Prozesse und halten gleichzeitig Qualität sowie Zuverlässigkeit hoch. Es ist gut und vernünftig, dass wir jetzt interne Kosten, Strukturen und Pro- zesse entsprechend fit für die Zukunft machen. Stichwort Wettbewerbsfähigkeit: Der Wettbewerb im Personen- und Güterverkehr steigt. Was ist die Strategie der ÖBB, um weiterhin Nummer eins zu bleiben? MATTHÄ: Wir stehen heute schon in weiten Bereichen in Konkur- renz zu anderen Mitbewerbern oder auch anderen Verkehrsträ- gern. Wichtig ist, dass wir erstens unsere Fahrgäste noch klarer im Fokus haben. Um auch zukünftig konkurrenzfähig zu bleiben, konzentrieren wir uns darüber hinaus auf Qualität, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit – unsere Kernleistungen, die nicht zur Dis- kussion stehen dürfen. Im Personenverkehr haben wir bis 2030 ein Investitionspaket in Höhe von rund 6,1 Milliarden Euro am Laufen – für über 330 neue, moderne Züge. Und wir bieten als einziges Mobilitätsunternehmen österreichweit ein dichtes Netz und abgestimmte Anschlüsse an den integrierten Taktfahrplan. WALDNER: Schauen wir der Realität ins Auge. Wir sind im Wett- bewerb mit anderen Schienengüterverkehrsunternehmen, aber besonders macht uns der Lkw Konkurrenz. Die Straße produziert um 60 Prozent der Kosten, die auf der Schiene anfallen. Nur über den Preis können wir im Wettbewerb hier nicht gewinnen. Wir müssen also mehr anbieten: flexiblere Lösungen, internatio- nale Standortpräsenz und effiziente Verbindungen wie unsere TransFERs direkt von und zu den großen internationalen Wirt- schaftszentren und Häfen. Im Januar 2026 haben wir daher zwei neue konventionelle TransFER-Verbindungen implementiert, näm- lich Duisburg – Rotterdam und Salzburg – Offenbach. Und wir müssen an den Stellschrauben drehen, die wir selbst in der Hand haben. Äußere Rahmenbedingungen können wir nur zum Teil beeinflussen. Unser Credo lautet: wettbewerbsfähige Qualität. »Automatisierung, Digitali­ sierung und KI sind längst in unserem Arbeitsalltag angekommen.« MANUELA WALDNER, CFO DAS VORSTANDSTEAM DER ÖBB-HOLDING AG im konstruktiven Dialog, um

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