ÖBB Geschäftsbericht 2025 – Gesamtbericht

33 Zug um Zug in die Zukunft Was ist damit gemeint? Wenn wir die Qualität liefern, die wir uns vorgenommen haben, dann hilft uns das, eine profitable Kosten- struktur zu erreichen – Qualität und Kosten gehen Hand in Hand. Die ÖBB wachsen auch im süddeutschen Raum. Sie haben eine große Ausschreibung rund um Arverio gewonnen. Was war dafür entscheidend und wie passt das in die Gesamtstrategie? WALDNER: Durch die Akquisition von Arverio in Deutsch- land konnten wir unsere Präsenz im deutschen Regionalverkehr aufbauen. Deutschland ist der größte Bahnmarkt Europas und bietet langfristig stabile Verkehrsverträge im Regionalverkehr. Durch Arverio erhalten die ÖBB direkten Zugang zu bestehenden Netzen, Personal und Know-how vor Ort. Darüber hinaus erhielt Arverio Baden-Württemberg im August 2025 den wichtigen Zu- schlag für das Netz 35b, der fünf Linien und in der finalen Aus- baustufe bis zu 10,3 Millionen Zugkilometer pro Jahr bringt. Dies ist ein Beweis für den Erfolg von Arverio in Deutschland und stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die strategi- sche Position der ÖBB auf dem europäischen Mobilitätsmarkt. Auch in Österreich arbeiten die ÖBB täglich an ihrer Modernisierung. Wie schreitet die Digitalisierung voran? WALDNER: Automatisierung, Digitalisierung und KI sind längst in unserem Arbeitsalltag angekommen. Wir sehen sie als Hebel, um Komplexität zu reduzieren, Effizienz zu steigern und unser Unter- nehmen zukunftsfit aufzustellen. So haben wir nach intensiver Vorbereitung etwas sehr Großes geschafft, nämlich die Cloud- Migration unseres ERP-Systems. Unser Anspruch ist es, techno- logisch am Puls der Zeit zu sein und sämtliche Cloud-Funktionalitäten nutzen zu können. Ein zweites Beispiel ist die Digitalisierung des Zugfahrtmanagements – etwa indem wir die Buchfahrpläne, die unterjährig zehnmal aktualisiert werden, digital zu den Kolleg:innen auf die Fahr- zeuge bringen. Das vereinfacht Abläufe und senkt zudem Kosten. Mit Blick in die weitere Zukunft schauen wir uns Use-Cases für autonomes Fahren an. Und wir beschäftigen uns mit dem Einsatz von KI im Bereich der Predictive Maintainance. Trotz Sparkurs – die ÖBB wachsen und haben pensionsbedingte Abgänge. Heißt: Die ÖBB suchen auch dieses Jahr wieder 4.100 neue Mitarbeiter:innen? MATTHÄ: Um den Personalbedarf zu decken setzen wir neben klassischen Recruitinginstrumenten auch auf innovative Ansätze über soziale Medien oder etwa das konzerninterne Jobanbah- ner:innen-Programm. Dass diese Maß- nahmen wirken, zeigt sich deutlich: Im Jahr 2025 verzeichneten wir einen Rekord von 140.000 Bewerbungen, 20.000 mehr als im Jahr davor. Wir haben uns in den vergangenen Jahren zum viertbeliebtes- ten Arbeitgeber hochgearbeitet – das zeigt natürlich die Strahl- kraft der ÖBB und freut uns ganz besonders. 2026 sehen viele als ein Jahr der großen Veränderungen. Wo stehen die ÖBB am Ende dieses Jahres? Können Sie uns da eine erste Einschätzung geben? WALDNER: Ziel ist eine Trendumkehr im Güterverkehr. Das kann nur gelingen, wenn sich die Wirtschaft wieder erholt und wir uns voll auf die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit fokussieren. MATTHÄ: Dafür setzen wir uns klare Prioritäten: Wir stemmen durch die neue Koralmbahn eine der größten Fahrplanaus- weitungen unserer Geschichte. Im Sinne unseres obersten Anspruchs, die Kund:innen zufriedenzustellen, muss sich das be- trieblich im heurigen Jahr gut einspielen. Parallel dazu gilt es, die Basis für ein gesundes Wachstum zu sichern. Das heißt, dass wir unsere internen Kosten und Prozesse auf Vordermann bringen und unseren Expansionskurs fortsetzen. Vielen Dank für dieses Gespräch! die Herausforderungen der kontinuierlichen Veränderung proaktiv anzugehen Nachgefragt Die ÖBB Vorstände im Video-Interview finden Sie online unter bericht.oebb.at

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