ÖBB Geschäftsbericht 2025 – Gesamtbericht
Konzernlagebericht 68 Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft Konzernabschluss | Konzernlagebericht 25 Güterverkehr im Wandel geopolitischer und struktureller Rahmenbedingungen Das Geschäftsjahr 2025 war für die gesamte RCG angesichts geopolitischer Herausforderungen, hoher Energiepreise und der damit verbundenen stark gestiegenen Wettbewerbsintensität mit dem Straßentransport sowie europaweiter Infrastruktur-Engpässe enorm herausfordernd. Marktentwicklung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen Das Jahr war von globalen Unsicherheiten bestimmt. Der anhaltende Zollstreit zwischen den USA und wichtigen Handelspartnern führte zu Verlagerungen in den Lieferketten, sprunghaften Veränderungen im Wettbewerbsumfelds und branchenspezifischen Unsicherheiten bezüglich des Handelsvolumens. Darüber hinaus führte der anhaltende Krieg Russlands gegen die Ukraine zur weiteren Verlagerung von Transportströmen aus China. Einerseits wurde verstärkt auf Seetransporte ausgewichen, andererseits wurden Bahntransporte auf den infrastrukturell deutlich schwierigeren Mittel- und Südkorridor umgelenkt. Erhöhte Transportzeiten und steigende Kosten waren die Folge. Zugleich wirkten hohe Faktorkostensteigerungen und eine gedämpfte industrielle Entwicklung in Europa insgesamt negativ auf die Transportnachfrage sowie insbesondere auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gegenüber der Straße. Diese negativen Entwicklungen spiegeln sich auch in den finanziellen Ergebnissen der meisten Schienengüterverkehrszweige der Staatsbahnen (z. B. DB Cargo, PKP Cargo, CD Cargo) wider. Ein weiterer dämpfender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Bahntransports sind die seit 2024 kontinuierlich steigenden Engpässe in der europäischen Bahninfrastruktur. Geplante Langzeitsperren wie etwa die Tauernsperre in Österreich, aber auch zahlreiche ungeplante bzw. sehr kurzfristig geplante Baustellen entlang der internationalen Bahnkorridore in Deutschland, Italien sowie Ost- und Südosteuropa haben den Schienengüterverkehr 2025 stark unter Druck gebracht. Parallel dazu veränderten Reedereien ihre Tätigkeit mit Fokus auf die Verlängerung ihrer Wertschöpfungstiefe (z. B. Ausbau eigener Produkte, Erweiterung ihres Terminalnetzwerkes) im intermodalen Markt und verstärkten den Wettbewerbsdruck auf traditionelle Anbieter. Ausblick Für 2026 bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Geopolitische Risiken sowie das mehrjährige Programm der Deutschen Bahn zur Infrastruktursanierung durch Gesamtsperren von internationalen Bahnkorridoren und strukturelle Marktverschiebungen werden den Güterverkehr weiter beeinflussen. Gleichzeitig bieten Investitionen in das europäische Bahnnetz und der Trend zu klimafreundlichen Transportlösungen langfristige Chancen – die RCG wird diese aktiv nutzen, um ihre Position als führende Bahnlogistikerin Europas weiter auszubauen. Infrastruktur: Ein attraktives und leistungsfähiges System Bahn unter herausfordernden Bedingungen Das Jahr 2025 war von einem herausfordernden Geschäftsumfeld geprägt. Ursachen sind weiterhin bestehende geopolitische Unsicherheiten, eine sich verschärfende Klimakrise sowie steigende Kosten. Trotzdem behauptet das System Bahn seine Position als attraktives und leistungsstarkes Rückgrat nachhaltiger Mobilität – und treibt als Vorreiter für die Klimaneutralität 2040 den politischen Auftrag des Mobilitätsmasterplans (BMIMI, vormals BMK, 2021) voran. Darüber hinaus fordert auch die Gesellschaft weiterhin attraktive, umweltfreundliche Verkehrslösungen ein, die als stabile Grundversorgung den aktuellen und neuen Nutzer:innen des System Bahn zur Verfügung stehen. Das weiterhin hoch ausgelastete Bahnsystem verdeutlicht die hohe gesellschaftliche und politische Relevanz der Schiene und stellt gleichzeitig das System Bahn vor große Herausforderungen: Einerseits führt die stark steigende Nachfrage zu einer historisch hohen Betriebsleistung und Netzbelastung. Diese wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen, so wächst durch die steigende Zugdichte der Druck, diese Leistung effizient, kosteneffektiv und mit hoher Qualität zu erbringen. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, setzt die ÖBB INFRA in den kommenden Jahren weiter auf ihre Strategie #INFRA.mobilitätswende. Sie soll eine klare strategische Balance zwischen Wachstum, Wirtschaftlichkeit und Qualität ermöglichen. Ziel ist es, den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur so zu gestalten, dass Kapazitäten nachhaltig erweitert und Engpässe abgebaut werden – ohne dabei die Stabilität und Zuverlässigkeit des bestehenden Betriebs zu gefährden. Zur Steigerung und Stabilisierung der Pünktlichkeitsleistung des Bahnsystems wurden zahlreiche Initiativen gestartet. Diese werden in den kommenden Jahren unter maßgeblicher Beteiligung der ÖBB INFRA fortgeführt. | LB25
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