ÖBB Geschäftsbericht 2025 – Gesamtbericht
Konzernlagebericht 74 Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft Konzernabschluss | Konzernlagebericht 31 Vor dem Hintergrund der möglichen Beschaffungsstrategien und zur Risikodiversifizierung wurde die Dieselpreisabsicherung für die Österreichische Postbus AG in Höhe von 70 % des jährlichen Treibstoffbedarfs für das Lieferjahr 2026 und in Höhe von 35 % des jährlichen Treibstoffbedarfs für das Lieferjahr 2027 sowie für die ÖBB- Produktion GmbH in Höhe von 60 % des jährlichen Treibstoffbedarfs für das Lieferjahr 2026 und in Höhe von 30 % des jährlichen Treibstoffbedarfs für das Jahr 2027 genehmigt und durchgeführt. Ziel der verfolgten Absicherungspolitik ist es, den Materialaufwand für die Budgetperiode zu stabilisieren sowie eine Minimierung der Ergebnis- und Cashflow-Volatilität zu erreichen – für die Österreichische Postbus AG sowie die ÖBB- ProduktionGmbH und somit für den ÖBB Konzern. Messlatte für den Erfolg der Absicherungsaktivitäten beim Rohstoff Diesel ist der jeweilige Budgetkurs und nicht die Erreichung einer möglichst hohen Kompensation des Einkaufspreises auf Monatsebene. Auf mögliche Auswirkungen der Kriegshandlungen im Nahen Osten wird in Erläuterung 35 zum Konzernabschluss eingegangen. C. Bericht über d ie Forschung und Entwicklung Die Weiterentwicklung des Gesamtsystems von Mobilität, Logistik und Infrastruktur nimmt im ÖBB Konzern eine wichtige Rolle ein. Der ÖBB Konzern als einer der größten Technologieanwender in Österreich bekennt sich dabei zu bedarfsorientierten F&E-Tätigkeiten. Sei sollen eine Steigerung von Produktivität, Kapazität, Qualität und Resilienz des Systems Bahn bewirken und einen positiven Beitrag für den Klimaschutz leisten. Innerhalb des ÖBB Konzerns wird im Bereich Forschung, Technologie und Innovation grundsätzlich in die Bereiche Asset- / Technologieinnovation sowie Produkt- / Serviceinnovation unterschieden. In der konzernweiten integrierten FTI-Strategie werden beide Arten der Innovationen abgebildet. Das betont den der Mehrwert der gesamtheitlichen Betrachtung von Innovation, von Assets der Infrastruktur über Fahrzeugthemen hin bis zur Betriebsführung und Kund:innenorientierung. Dabei erfolgt eine Betrachtung aller Phasen – vom ersten Konzept bis zum Roll-out. Um das Ziel der Weiterentwicklung des Systems Bahn sicherzustellen, beteiligt sich der ÖBB Konzern an zahlreichen nationalen und internationalen F&E-Programmen und -Projekten. So sind die ÖBB beispielsweise seit 2021 Programmpartner in Europe´s Rail Joint Undertaking (EU-Rail) – Europas größtem F&E-Programm für das System Bahn. EU- Rail ist ein auf acht Jahre konzipiertes Programm, an welchem Bahngesellschaften wie die ÖBB gemeinsam mit der Industrie sowie Forschungspartnern und der Europäischen Kommission arbeiten. Ziel des Programms ist es, konkrete Projekte für Kapazitätssteigerungen für Personen- und Gütertransport sowie Forcierung von Digitalisierung und Dekarbonisierung zu entwickeln und umzusetzen. Die Folgen sind Effizienzsteigerung und Kostensenkung, um eine Verkehrsverlagerung auf die Schiene zu erreichen und die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn zu sichern. Diese Projekte (sogenannte Flagship Projects, FP) umfassen beispielsweise: – FP1: Entwicklung eines europaweit einheitlichen Traffic Management Systems (TMS), – FP2: Entwicklungen für den digitalen und automatisierten Bahnbetrieb, – FP3: integrierte Asset-Lösungen für verbesserte Instandhaltung (z. B. Weiterentwicklung des Zuglaufcheckpoints), – FP4: nachhaltige und grüne Lösungen für Fahrzeuge und Infrastruktur, – FP5: Testung der digitalen automatischen Kupplung inklusive der Automatisierung des Verschubs in den Verschubknoten (im Projekt Full Digital Freight Train Operation, FDFTO) und der Lösungen für einen automatisierten und autonomen Verschub sowie – FP6: kostengünstige Infrastrukturlösungen für Regionalbahnen. Ein konzernweiter Schwerpunkt ist die Digitale Automatische Kupplung (DAK), die eine Grundvoraussetzung für die Attraktivierung des Schienengüterverkehrs darstellt und die Kapazität des Systems Bahn insgesamt erhöhen soll. Neben der Beteiligung des ÖBB Konzerns am EU-Rail Flagship Projekt 5 „TRANS4MR” leitet der ÖBB Konzern das „European DAC Delivery Programme” (EDDP). Damit nehmen die ÖBB beim Thema „DAK“ eine gestaltende Rolle in Europa ein. Im Anschluss an die Entwicklungsarbeiten des neuen Kupplungssystems inklusive zusätzlicher Applikationen planen die ÖBB im Jahr 2026 den Einsatz eines innovativen Demonstratorzuges. Ziel ist es, den Einsatz unter realen Betriebsbedingungen auf verschiedenen Strecken und Standorten innerhalb Österreichs zu erproben. Dafür begannen bereits im 3. Quartal 2025 die Vorbereitungen (Umrüstung). Innerhalb des ÖBB Konzerns werden die Arbeiten für die DAK im engen Zusammenspiel der Konzerngesellschaften Rail Cargo Austria AG, ÖBB-Infrastruktur AG, ÖBB-Produktion GmbH und ÖBB-Technische Services-GmbH umgesetzt und in der ÖBB-Holding AG koordiniert. „Rail4Climate“ (R4C) ist ein Programm, das von der ÖBB-Holding AG gemeinsam mit Initiativenpartnern aus Industrie, Wissenschaft und Bedarfsträgern entwickelt wurde. Im Juni 2025 wurden die Zuschläge aus diesem bahnspezifischen, nationalen Innovationsprogramm kommuniziert. Auch wurden im Oktober zwei Projekte mit ÖBB Beteiligung erfolgreich gestartet: So etwa „SARI30“ – selbstfahrender Güterwagen und Weicheninspektion mit Fahrzeug. Der Schwerpunkt des unter Federführung des BMIMI laufenden Programms liegt auf der Überführung europäischer und nationaler Forschungsergebnisse in die konkrete prototypische Erprobung. Das soll unter möglichst realitätsnahen Betriebsbedingungen geschehen – mit dem Zweck, die jeweiligen Technologien möglichst nahe zur Markt- und Roll-out- Reife zu bringen. Für das zweite Halbjahr 2026 werden im Rahmen der zweiten Ausschreibung weitere Zuschläge für Projekte mit ÖBB Beteiligung erwartet. | LB31
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