ÖBB Geschäftsbericht 2025 – Gesamtbericht
75 Konzern- lagebericht Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft Konzernabschluss | Konzernlagebericht 32 Einige Projekthighlights aus dem Bereich Forschung, Technologie und Innovation sowie auch der Open Innovation im ÖBB Konzern im Jahr 2025 sind nachfolgend dargestellt: – Tunnel Drainage Rover (ÖBB-Infrastruktur AG): Aktuell wird ein autonom fahrender Inspektionsroboter für Tunneldrainagen – Tunnel Drainage Rover (TDR) – entwickelt, um die zukünftige Verfügbarkeit von Eisenbahntunneln zu erhöhen, die Drainageinspektion ohne Unterbrechung des Eisenbahnbetriebs zu ermöglichen und den Personalbedarf für die Drainageinspektion und -spülung zu optimieren. Zusätzlich werden Methoden zur automatisierten Versinterungsklassifikation erarbeitet. Diese bewerten per Video- und Scandaten den Versinterungszustand der Drainagerohre. Das wiederum ist die Grundlage für eine bedarfsorientierte Instandhaltung und eine Optimierung von Ressourcen und Tunnelsperren. Das Forschungsprojekt wird im Rahmen des COMET-Förderungsprogramms in Zusammenarbeit mit der Linz Center of Mechatronics GmbH und der Montanuniversität Leoben (Zentrum am Berg) durchgeführt. – SARI30 – Selfpropelled Autonomous Railcar Integration (Rail Cargo Austria AG): In der ersten Projektphase (R4C) wird das Konzept für die Initiative SARI erarbeitet. Dafür soll bei einem bestehenden Kunden die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit von einem (teil)autonomen bzw. hochautomatisierten selbstfahrenden Güterwagen auf der letzten Meile im Sekundärnetzwerk praktisch demonstriert werden. In dieser Projektphase werden 4.000 Lkw-Fahrten pro Jahr auf die Schiene verlagert. – AM2Scale (ÖBB-Technische Services-GmbH): „AM2Scale“ ist ein national gefördertes FFG-Projekt der ÖBB-Technische Services-GmbH. Es treibt die Transformation der Ersatzteilversorgung durch den strategischen Einsatz additiver Fertigungstechnologien gezielt voran. Ziel ist es, die Verfügbarkeit kritischer Komponenten signifikant zu erhöhen und dadurch Stillstandszeiten von Fahrzeugen und Anlagen drastisch zu reduzieren. „AM2Scale“ adressiert zentrale Herausforderungen entlang der gesamten Entwicklungs- und Fertigungskette. So entwickelt das Projekt innovative Lösungen für eine nachhaltige, dezentrale und effiziente Ersatzteilbereitstellung. Im Fokus stehen die intelligente Nutzung von Bauteil-, Prozess- und Lebenszyklusdaten sowie die Integration digitaler Werkzeuge wie Data-Hubs und digitaler Zwillinge. Mit ihrem Einsatz wird die Ausschussrate gesenkt, der CO�-Fußabdruck minimiert und die Wirtschaftlichkeit gesteigert. Durch den klaren Fokus auf industrielle Forschung und Pilotanwendungen im Unternehmensumfeld ebnet „AM2Scale“ den Weg für die Skalierung additiver Fertigung bei Schienenfahrzeugbetreibern und Energieversorgern. Das Projekt leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Instandhaltung. – Autonome Shuttles (Österreichische Postbus AG / ÖBB-Personenverkehr AG): Die Technologie des automatisieren Fahrens bietet viele Chancen für Verkehrssicherheit und öffentlichen Verkehr in abgelegenen Regionen. Zugleich ist es eine mögliche langfristige Antwort auf den drohenden Mangel an Lenker:innen im Busmarkt. Mit dem Projekt „Postbus Autonomous Shuttle Service Transportation“ soll der Reifegrad der Technologie und des Marktes abgetestet werden. Dafür sollen autnome Shuttles in Pilotregionen zum Einsatz kommen. Im Fokus stehen die technologische und wirtschaftliche Skalierungsfähigkeit in einer sich wandelnden (Rechts-)Umgebung. – Digitalisierung im Schienenersatzverkehr (fortan SEV) (Österreichische Postbus AG): Der SEV-Prozess umfasst die Anforderung, die Disposition sowie die Abrechnung. Er wurde bzw. wird aktuell digitalisiert und teilautomatisiert, wodurch Reaktionszeiten erheblich verkürzt werden. Eine zentrale Plattform ermöglicht nun eine effiziente, softwaregestützte Kommunikation zwischen Disponent:innen, Lenker:innen und Subunternehmen, wodurch Telefonketten entfallen. Echtzeittracking der Busse sorgt für volle Transparenz für alle Beteiligten. Zukünftig sollen auch für Fahrgäste aktuelle Ankunfts- und Anschlussinformationen digital bereitstehen. Eine integrierte Navigationslösung mit hinterlegten SEV-Linienführungen unterstützt Lenker:innen bei der Streckenführung. Das reduziert Fehler durch mangelnde Ortskenntnis oder Umleitungen. Durch die Nutzung bestehender Systeme und Geräte wurde eine innovative, kosteneffiziente Lösung geschaffen, die den SEV-Prozess schneller, transparenter und kund:innenfreundlicher macht. Das Schwerpunktthema von ÖBB Open Innovation lautete 2025 „Energy meets Mobility“. Hierbei wurden umfangreiche Validierungs- und Explorationsarbeiten durchgeführt. Ein besonders positives Beispiel für die gelungene Community-Arbeit ist der „Hack4Rail“ – ein gemeinsamer Hackathon der DB, SBB und ÖBB. Das Team „Corporate Venturing“ widmete sich intensiv der Entwicklung eines Einkaufsprozesses, der die Zusammenarbeit mit Start-ups erleichtern soll. Im Bereich Produkt- und Serviceinnovationen wurde „ÖBB Echo“ implementiert – ein Kund:innenpool, der genutzt wird, um wertvolles Feedback zu neuen Produkten und Services einzuholen. Aktuell wird das F&E-Projektportfolio über das konzerninterne FTI-Tool erhoben. Dort kann man mit einfachen Abfragen und entsprechenden Filteroptionen, beispielsweise nach Themenfeld oder nach Teilkonzern, einen Überblick über aktuelle und kürzlich abgeschlossene F&E-Projekte erhalten. Damit werden z. B. die 68 im Jahr 2025 im ÖBB Konzern laufenden F&E-Projekte mit einem Projektvolumen der ÖBB von rd. 87,5 Mio. EUR (über die gesamte Laufzeit) einfach sichtbar gemacht. Dies unterstreicht auch die volkswirtschaftliche Bedeutung der F&E-Tätigkeiten des ÖBB Konzerns. LB32 |
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