ÖBB Geschäftsbericht 2024 – Gesamtbericht

39 Konzern- lagebericht Konjunkturelle Rahmenbedingungen Wirtschaftsentwicklung Entgegen den ursprünglichen Erwartungen befand sich die österreichische Volkswirtschaft im Jahr 2024 erneut in der Rezession. Nachdem das BIP (real) bereits im Jahr 2023 um 1,0 % gesunken war, betrug der Rückgang 2024 erneut 0,9 %. Zwar war nach dem rasanten Wachstum der Jahre 2021 und 2022 als Folge des Post-COVID-19-Aufschwungs mit einer kurzfristigen Abkühlung der Konjunkturentwicklung zu rechnen. Allerdings erwies sich die Flaute der heimischen Wirtschaft auch im europäischen Vergleich als besonders persistent. So konnte die Eurozone immerhin ein leichtes Wachstum von 0,8 % verzeichnen. Auch in den Staaten Süd- und Osteuropas lag die BIP-Entwicklung 2024 durchwegs zum Teil sogar deutlich im Plus. Deutschland, Europas größte Volkswirtschaft, verharrte hingegen das zweite Jahr in Folge in einer Stagnation. 1 Zudem befindet sich die deutsche Industrie seit 2019 auf einer Talfahrt. Insbesondere die Automobilindustrie hat unter den Folgen einer verfehlten Transformationsstrategie in Bezug auf die Flottenelektrifizierung und dem Konkurrenzdruck chinesischer Produzenten zu kämpfen. 2 Zur wirtschaftlichen Flaute kamen noch die Turbulenzen rund um den Bundeshaushalt in Bezug auf Schuldenbremse und Sondervermögen hinzu. Das strenge, fiskalische Regime engt den Spielraum für wachstumsfördernde Investitionen ein. Deutschland hatte trotz Krise auch 2024 eines der niedrigsten Budgetdefizite in der EU. 3 Wirtschaftsentwicklung in Kernmärkten des ÖBB Konzerns 2023 bis 2025 (Änderungen gegenüber dem Vorjahr in %, real) Bruttoinlandsprodukt Industrieproduktion 2023 2024 2025 2023 2024 2025 Welt 3,3 3,2 3,3 1,9 2,4 3,1 Eurozone 0,5 0,8 1,2 -2,1 -2,8 1,9 Österreich -1,0 -0,9 0,6 0,2 -2,8 1,4 Ungarn -0,8 0,7 2,1 -4,8 -3,4 3,6 Deutschland -0,1 -0,1 0,6 -1,9 -4,5 0,8 Italien 0,8 0,5 0,9 -2,1 -3,1 1,3 Rumänien 2,4 0,8 2,8 -2,5 -1,6 3,2 Tschechien 0,0 1,0 2,8 -0,8 -1,3 2,9 Slowenien 2,4 1,4 2,7 -5,6 2,3 5,3 Bulgarien 2,0 2,2 2,9 -8,3 -3,8 6,3 Kroatien 3,1 3,5 1,8 -0,2 -2,6 2,5 Slowakei 1,6 2,0 1,7 1,5 1,6 3,7 Polen 0,1 2,7 3,3 -2,0 0,7 2,1 Griechenland 2,0 2,0 2,0 2,4 6,0 2,3 Serbien 2,5 3,5 4,5 2,7 - - Quelle: Statistik Austria, Oxford Economics, WIFO, IWF. Die Industrierezession in Deutschland wirkte sich über die engen Verflechtungen der Zulieferindustrie entsprechend auch in Österreich aus. Trotz eines Rückganges von knapp 3,0 % in 2024 verlief die Entwicklung der heimischen Industrieproduktion im europäischen Vergleich und angesichts der allgemein schlechten Stimmung weniger dramatisch als in Deutschland. Anderswo war es bereits im Vorjahr zu teils drastischen Produktionsrückgängen gekommen. Für 2025 wird wieder mit einem leichten Wachstum jenseits von 1,0 % gerechnet, wobei Impulse vor allem vom Export in Märkte außerhalb der EU kommen sollen. 1 IWF, Oxford Economics. 2 Handelsblatt. 3 Handelsblatt. LB2 |

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