ÖBB Geschäftsbericht 2024 – Gesamtbericht

Konzernlagebericht 40 Insgesamt steht die Entwicklung der europäischen Wirtschaft im Zeichen einer Vertrauens- und Wettbewerbskrise. Zwar gingen die Energiepreise und damit die allgemeine Inflation im Laufe des Jahres kontinuierlich zurück. 2024 lag die Inflation im Jahresschnitt 2024 in der Eurozone bei 2,4 % und in Österreich bei 2,9 %. Gleichzeitig war der Preis für Erdgas in Europa im Schnitt weiterhin fünfmal so hoch wie in den USA, was insbesondere energieintensive Sektoren wie Chemie- und Stahlindustrie in Bedrängnis brachte. 4 Auch bei den sogenannten Lohnstückkosten ist die Schere in der Entwicklung zwischen der Eurozone und den USA weiter aufgegangen – Grund sind die deutlichen Reallohnsteigerungen. 5 Dennoch erwies sich der Privatkonsum als überraschendes Sorgenkind, vor allem auch in Österreich. Neben dem höheren Zinsniveau kann diese Entwicklung angesichts des verhaltenen Konjunkturausblicks wohl auch zu einem Gutteil mit einem „Vorsichtssparen“ begründet werden. 6 Entwicklung von Containerumschlag und Inflation Containerumschlag großer Seehäfen Inflation RWI-ISL-Index 2015=100 mntl. in % im Vergleich zu Vorjahresmonat Quelle: investing.com , container-news, finanzen.at . Während die europäische Wirtschaftsentwicklung 2024 also eher verhalten verlief, erwies sich die Weltwirtschaft vergleichsweise resilient gegenüber den multiplen geopolitischen Krisen und klimawandelbedingten Wetterkatastrophen. Große Preisschocks bei Öl und Gas blieben aus. Bei den Seetransportpreisen gab es insbesondere ab der zweiten Jahreshälfte auf gewissen Relationen, vor allem aus Fernost, zwischenzeitlich wieder eine Tendenz nach oben. Niveaus wie in den Zeiten der Lieferkettenkrise der Jahre 2021 und 2022 wurden jedoch bei Weitem nicht erreicht. Global betrachtet waren es vor allem die USA sowie die Schwellenländer Asiens, von denen wesentliche Wachstumsimpulse ausgingen. Auch in China zog das Wachstum im Laufe des Jahres an. Zwar wirkte die weiterhin schwache Binnennachfrage hemmend, jedoch wuchs die Industrieproduktion wieder. Diese Entwicklung war jedoch ausschließlich exportgetrieben. Insbesondere Europa bleibt das Ziel chinesischer Warenexporte, was sich auch in einer Erholung des Hafenumschlags bemerkbar machte. Der Welthandel zeigt sich insgesamt von Krieg und Krisen unbeeindruckt, dennoch lässt sich mittlerweile die geopolitische Fragmentierung in neue Machtblöcke auch statistisch messen. So ist der Handel zwischen den westlich- und chinesisch- / russisch-orientierten Einflusssphären stärker zurückgegangen als innerhalb der jeweiligen Blöcke. 7 Für europäische Unternehmen bedeutet die zunehmende Abkehr vom Prinzip des regelbasierten Multilateralismus, sich in einem zunehmend protektionistischen Umfeld behaupten zu müssen. Beispiele für diese Entwicklung sind die Maßnahmen des sogenannten Inflation Reduction Act in den USA, die Sanktionen des Westens gegen Russland oder die EU-Zölle auf chinesische E-Fahrzeuge. 4 World Bank, Oxford Economics, EC 2024. 5 IWF. 6 WIFO. 7 IWF. ͲϮй Ϭй Ϯй ϰй ϲй ϴй ϭϬй ϭϮй ϭϰй ϮϬϮϬ ϮϬϮϭ ϮϬϮϮ ϮϬϮϯ ϮϬϮϰ PƐƚĞƌƌĞŝĐŚ ƵƌŽnjŽŶĞ *HVDPW +lIHQ RKQH &KLQD &KLQHVLVFKH +lIHQ HXURS 1RUGKlIHQ | LB3

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