ÖBB Geschäftsbericht 2024 – Gesamtbericht

Konzernlagebericht 42 Themenmanagement auf internationaler Ebene ÖBB CEO Andreas Matthä führte 2024 bereits in seiner dritten Amtszeit den Vorsitz des Europäischen Eisenbahnverbandes CER. Ein Arbeitsschwerpunkt lag demnach wie auch im letzten Jahr auf der Steuerung der inhaltlichen Arbeit des Verbandes sowie der Koordination der Positionen der rd. 70 europäischen Mitgliedsunternehmen. Im Juni 2024 wurde seitens der Europäischen Kommission der Entwurf der neuen Beihilfeleitlinien für den Landverkehr mit Fokus auf den Güterverkehr präsentiert. Die Europäische Kommission bekennt sich darin zur Notwendigkeit von Investitionsbeihilfen. Sie schlägt gleichzeitig aber neue, für die Schienengüterverkehrsunternehmen problematische Einschränkungen bei den Vorgaben für operative Beihilfen vor. Die ÖBB engagieren sich gemeinsam mit anderen Partnern im CER daher für wesentliche Nachschärfungen hinsichtlich Förderintensität und Administrierbarkeit. Abgeschlossen werden konnte 2024 das Lobbying zum Vorschlag der Kommission „über die Wiederherstellung der Natur“ (Nature Restoration). Vorschläge, die zusätzliche Hürden für den Ausbau von Infrastrukturen gebracht hätten, konnten abgewendet werden. Sowohl der Ausbau der Bahninfrastruktur als auch der von erneuerbaren Energien wurden als Ausnahmen („Projekte im überwiegenden öffentlichen Interesse“) von strikteren Regelungen definiert. Ebenfalls revidiert wurde 2024 die EU-Verordnung zu den transeuropäischen Verkehrsnetzen (TEN-T). Aus Sicht der ÖBB sind dabei sowohl die Einführung einer neuen Netzkategorie „erweitertes Kernnetz” für die europäischen Transportkorridore in diese neue Kategorie als auch die Aufnahme der Pyhrn- und Tauernstrecke positiv hervorzuheben. Ein weiteres wichtiges Dossier auf EU-Ebene beschäftigt sich mit der Verbesserung des Kapazitäts- und Verkehrsmanagements auf europäischer Ebene. Diese neue Verordnung ersetzt Verordnung 913 / 2010 zur Schaffung eines europäischen Schienennetzes für einen wettbewerbsfähigen Güterverkehr. Und sie ändert die Richtlinie 2012 / 34 zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Eisenbahnraums ab. Ihr Fokus ist die Verbesserung von nationalen und europäischen Prozessen, u. a. um mehr Kapazität auf bestehender Bahninfrastruktur zu schaffen. Der Kommissionsvorschlag wurde 2023 veröffentlicht. Aus ÖBB Sicht ist die Orientierung an Sektorinitiativen wie Timetable Redesign (TTR) positiv hervorzuheben. Abhängig von den Verhandlungen zwischen EU-Kommission, EU-Parlament und Rat wird der finale Gesetzestext für Ende 2025 erwartet. Um den Güterverkehr zwischen Asien und Europa zu optimieren, beantragte die Rail Cargo Group im Jahr 2024 die Mitgliedschaft bei der TITR-Allianz. Die Trans-Caspian International Transport Route, auch als „Mittlerer Korridor“ bezeichnet, ist eine internationale Transportkooperation, die als Alternative zur nördlichen Route über Russland dient. Sie verbindet China mit Europa über Zentralasien und die Länder rund um das Kaspische Meer. Marktumfeld Personenverkehr Das Jahr 2024 war das erste Jahr seit 2020, in dem die Wachstumsraten im Personenverkehr nicht mehr von Coronamaßnahmen beeinflusst waren. Dennoch war das Jahr von außergewöhnlichen Entwicklungen geprägt: Im ersten Halbjahr 2024 wuchs der Bahnpersonenverkehr wesentlich stärker als der motorisierte Individualverkehr. Diese Entwicklung wurde von der Hochwasserkatastrophe in Niederösterreich im Herbst gedämpft. Die Folgen dieses Ereignisses haben den Bahnpersonenverkehr im Vergleich zu anderen Verkehrsmodi stark und über Monate hinweg getroffen. Über das Gesamtjahr 2024 ist der Personenverkehr auf Schiene und Straße bei stagnierendemModalanteil ähnlich moderat etwas über 1,5 % gewachsen. Ohne das Hochwasserereignis hätte der Bahnpersonenverkehr sein Wachstum fortgesetzt und weitere Zugewinne beim Modalanteil erreicht. 11 Der Fernverkehr hatte bedingt durch Hochwasser und dessen Folgen mit Einbußen zu kämpfen, lag jedoch 2024 auch bedingt durch die starken Zuwächse in den Vorjahren etwa ein Sechstel über dem Vor-Corona-Niveau. Der vom Hochwasser nicht so stark beeinträchtigte Nahverkehr wuchs hingegen dynamisch im höheren einstelligen Prozentbereich. Der Bahnverkehr profitiert dabei unter anderem vom Klimaticket, dessen Nutzer:innenzahlen noch immer steigen und 2024 die Marke von 300.000 überschritten haben. 12 11 Europäische Kommission, Statistik Austria, ÖBB, ASFINAG, eigene Berechnungen. 12 ÖBB, WESTbahn, bmk, eigene Berechnungen. | LB5

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