ÖBB Geschäftsbericht 2024 – Gesamtbericht

Konzernlagebericht 62 Es ist die Aufgabe der ÖBB, die Mobilität der Kund:innen von der ersten bis zur letzten Meile zu organisieren. Dabei arbeiten die ÖBB mit Gemeinden, Regionen und Städten sowie Unternehmen an nachhaltigen Konzepten für intermodale Mobilität (Mobility as a Service) und setzen diese mit ihnen konsequent um. Die ÖBB halten somit verstärkt an ihrer Rolle als ganzheitlicher Mobilitätsanbieter fest. Insbesondere in suburbanen und ländlichen Gebieten wird das Tür-zu-Tür- Mobilitätsangebot weiter ausgebaut, um den Besitz eines Pkw zunehmend überflüssig zu machen. Über die Plattform „wegfinder” sowie über weitere innovative Mobilitätslösungen wie Leihfahrzeuge und Shuttledienste können Fahrgäste ihre Reisen bequem durchgängig planen und buchen. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Attraktivität der Bahn als umweltfreundliche und praktische Alternative zum Individualverkehr weiter zu steigern. Via Rail Tours ermöglichen die ÖBB Reisebüros und Endkund:innen durch dynamische Reisebausteine eine einfache Buchung in Österreich und Europa. Die Bahnreise (mit den ÖBB, aber auch DB, Trenitalia und SNCF) als nachhaltige und umweltfreundliche Reisemöglichkeit ist dabei immer Bestandteil des Angebots. Eine kontinuierliche Ergänzung des Angebots sowie die Verbesserung des Zugangs zum Service stehen im Mittelpunkt weiterer Aktivitäten für hochwertige Bahnerlebnisprodukte. Güterverkehrsentwicklung geprägt von vielen Einflussfaktoren Im Geschäftsjahr 2024 konnte die RCG trotz eines herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds seine strategische Rolle in der österreichischen und europäischen Logistik weiter stärken. Die anhaltende Nachfrage nach umweltfreundlichen Transportlösungen und das stetige Engagement für einen nachhaltigen Verkehrsmix führten zu einem Wachstum in wesentlichen Bereichen – auch wenn die Ergebnisse durch außergewöhnliche Ereignisse beeinträchtigt wurden. Marktentwicklung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen Das Jahr 2024 war in Europa von bedeutenden wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt. Auf der einen Seite stabilisierte sich die Industrieproduktion in einigen Ländern der EU. Auf der anderen führten geopolitische Spannungen, volatile Energiepreise in Schlüsselindustrien wie z. B. der Automobil- und Maschinenbauindustrie zu großen Unsicherheiten und unterschiedlichen Prognosen betreffend die Entwicklung der Transportvolumina. Besonders betroffen waren internationale Lieferketten, die aufgrund logistischer Engpässe und neuer Handelsbarrieren unter Druck gerieten. Zudem verschärfte der anhaltende Fachkräftemangel in vielen europäischen Ländern die Lage in der Logistikbranche und erschwerte eine reibungslose Abwicklung im Güterverkehr. Gleichzeitig gewinnen intermodale Transportlösungen zunehmend an Bedeutung: Unternehmen setzen verstärkt auf flexible und kombinierte Transporte, die Schiene und Straße verbinden. Dieser Markt bietet der RCG attraktive Wachstumschancen, da intermodale Transporte eine effiziente Nutzung der Schienenkapazitäten ermöglichen und den CO 2 -Ausstoß senken. Operative Entwicklung und Herausforderungen Dank fortlaufender und gezielter Investitionen in die Digitalisierung und Automatisierung wurde die Effizienz im Transport deutlich gesteigert und die stringente Ausrichtung zu einem End-to-End-Bahnlogistiker vorangetrieben. So konnte das Transportvolumen in vielen Bereichen stabil gehalten oder sogar ausgebaut werden, was zu einer hohen Kund:innenzufriedenheit beitrug. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Flexibilisierung des Angebots. Dieses soll es ermöglichen, auf kurzfristige Veränderungen im Markt und die wachsende Nachfrage nach klimafreundlichem Transport besser reagieren zu können. Allerdings brachte das Jahr auch unerwartete Herausforderungen mit sich. Die Hochwasserkatastrophe, die durch intensive Regenfälle in Österreich und angrenzenden Ländern verursacht wurde, führte zu erheblichen Unterbrechungen im Transportnetz. Besonders stark betroffen waren wichtige Knotenpunkte in Österreich. Durch den Einsatz von Notfallplänen und intensiven Einsatz der gesamten ÖBB Teams konnten jedoch schnell alternative Routen geschaffen werden, um kritische Versorgungsketten zu sichern. Dennoch führte das Hochwasser zu zusätzlichen Kosten und temporären Kapazitäts- und damit Umsatzeinbußen. Infolge der Klimakrise ist mit weiteren wetterbedingten Streckensperren und -einschränkungen im In- und Ausland zu rechnen. Diesen Herausforderungen muss sich auch der Güterverkehr verstärkt widmen, um dem Anspruch der Rail Cargo als verlässlicher Bahnlogistiker für die Kund:innen weiterhin gerecht zu werden. | LB25

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