ÖBB Geschäftsbericht 2024 – Gesamtbericht
Konzernlagebericht 64 Absatz und Vertrieb Risiken ergeben sich durch mögliche Nachfrageschwankungen und damit einhergehend mit geringeren Reisendenzahlen oder Transportmengen. Im Portfolio der Marktgesellschaften finden sich entsprechende Preis-, Mengen- und Qualitätsrisiken. Zur Minderung tragen die Beobachtung und Analyse des Kund:innenverhaltens sowie gezielte Anpassung des Angebots bei. Sowohl durch die Erweiterung des Unternehmensportfolios als auch durch entsprechende Neuangebote werden die Chancen erhöht, neue Märkte und Kunden:innen hinzuzugewinnen oder das Marktpotenzial bestehender Gruppen weiter auszuschöpfen. Den Risiken aus der Abhängigkeit von einzelnen Großkunden oder Branchen wird durch verstärkte Kund:innenbindung und Beobachtung der Marktlage entgegengewirkt. Personal, Führung und Organisation Der Fachkräftemangel in Österreich führt im Personalbereich zu dem Risiko, dass es durch die fehlende Verfügbarkeit von bestimmten Mitarbeiter:innengruppen – wie Verschieber:in oder Buslenker:in – oder eine erhöhte Fluktuation zu Engpässen kommt. Die ÖBB haben verschiedene Maßnahmen gesetzt, um dieser gesellschaftlichen Entwicklung entgegenzuwirken. So wurden diese Berufsgruppen auf die Mangelberufsliste gesetzt. Zudem haben die ÖBB ihr Employer-Branding, die Arbeitgeberwerbung und das Recruiting verbessert. Das soll den Generationenwechsel besser aussteuern. Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklung einzelner Entlohnungsbestandteile führen zu möglichen Risiken in Hinblick auf die Gehaltssumme. Das Beobachten der Sachverhalte, das Führen von Verhandlungen und gegebenenfalls die juristische Begleitung verringern das Risikopotenzial. Recht und Haftung Dem Risiko von Verstößen gegen (verbands)straf- und kartellrechtliche Bestimmungen und den daraus möglicherweise resultierenden Geld- und Freiheitsstrafen wirkt die Anwendung des Code of Conduct entgegen. Dieser regelt die ethischen Grundsätze und allgemeinen Prinzipien, an denen das wirtschaftliche Handeln des Konzerns ausgerichtet ist. Ergänzend dazu wirken die Tätigkeit des Compliance-Office sowie die entsprechenden Schulungsmaßnahmen risikomindernd. Das bestehende Compliance-Management-System ist vor allem in diesem Risikofeld ein wesentlicher Teil des Risikofrüherkennungs- und Überwachungssystems. Ergänzend behandeln die verantwortlichen Rechtsabteilungen Risiken aus der laufenden Geschäftstätigkeit, hinsichtlich Kartellrecht werden sie durch die Expertise der Compliance unterstützt. Diese Maßnahmen dienen in weiterer Folge auch der Risikovermeidung und somit auch der Schadensabwehr beziehungsweise Schadensreduktion. Dynamische Entwicklungen von Rechtsvorschriften und Regelwerken können z. B. durch neue technische oder organisatorische Vorgaben zu erhöhten Systemkosten führen. Das gilt sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Dementsprechend sorgfältig werden die Entwicklungen verfolgt und auf mögliche Auswirkungen hin untersucht, um frühzeitig reagieren zu können. Das Management von rechtlichen Risiken und Haftungsrisiken wird sowohl durch präventive Maßnahmen als auch durch zielgerichtete Bearbeitung drohender Risiken sichergestellt. Mit der Einführung von Kontroll- und Berichtssystemen wurden Vorsorgemaßnahmen getroffen, ebenso mit der Erlassung allgemeiner Verhaltensanweisungen durch den Code of Conduct. Entsprechende Schulungen, die Sensibilisierung aller Mitarbeiter:innen und Verantwortungsträger:innen sowie die Schaffung klarer Verantwortlichkeitsbereiche dienen ebenfalls der Risikominimierung. Risiken und Chancen, die sich aus laufenden Verfahren ergeben, werden im Chancen- und Risikomanagement abgebildet und durch die sachgerechte Begleitung durch die zuständigen Rechtsabteilungen reduziert. Einkauf und Beschaffung Möglichen Teuerungen bei Traktionsleistung, Infrastrukturleistung, Fahrzeugen oder Mieten sind potenzielle Risiken für den Einkauf. Eine Minderung der Risikolage wird erreicht durch eine Beobachtung und Analyse der Märkte – daraus lassen sich wiederum punktuelle Beschaffungs- und Vertriebsentscheidungen in Kombination mit entsprechenden Vertragsgestaltungen ableiten. Begleitend zur Preisthematik finden sich eingeschränkte Verfügbarkeiten (beispielsweise von Ersatzteilen) im Risikoportfolio. Diese Risiken werden durch intensive Kontakte mit Lieferanten und Dienstleistern sowie möglichen Alternativen in der Beschaffung gemindert. Im Energiesektor besteht ein Lieferausfallsrisiko für Strom, das durch ein internes Limitsystem – ein Monitoring der Handelspartner – und durch die Streuung auf ein breiteres Anbieterportfolio reduziert wird. | LB27
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