ÖBB Geschäftsbericht 2024 – Magazin
27 Der Vorstand der ÖBB-Holding AG im 23. Stock der Unternehmenszentrale im Gespräch über ein erfolgreiches, aber bewegtes Jahr 2024 vollständig in ARP zu planen und abzufahren. Darüber hinaus kommunizieren Fahrzeuge und Systeme des Bahnbetriebs über das Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) zukünftig stärker miteinander. Damit können wir in kürzerer Taktung sicherer auf unserem Netz unterwegs sein. Die Bahn hat auf jeden Fall eine spannende Zukunft vor sich. Herr Matthä, wie erinnern Sie sich an den ersten Tag des Hochwassers und ab wann war Ihnen das Ausmaß klar? MATTHÄ: Dieser Freitag war tatsächlich eine Jahrhundert- katastrophe. Noch nie haben wir so massive Schäden durch extreme Wetterereignisse erlebt. Gleise wurden unterspült, Tunnel überflutet, die Weststrecke wurde großflächig zerstört. Das Paradoxe daran ist, dass ausgerechnet die Bahn als wich- tiges Klimaschutzunternehmen zu einem Opfer der Klimakrise wurde und solche Extremwetter zum neuen „Normal“ werden. Frau Waldner, was haben Sie aus der Krise gelernt? WALDNER: Das Hochwasser hat uns die verwundbaren Punkte im System Eisenbahn gezeigt, unsere Infrastruktur muss wider- standsfähiger werden. Wir müssen den Schutz beim Bauen und Modernisieren neu denken, bestehende Normen gemein- sam mit dem Gesetzgeber überarbeiten und unsere Pro- jekte überprüfen. Derzeit beschäftigt sich eine ÖBB-interne Arbeitsgruppe mit Naturgefahren und der Frage, wie wir die Infrastruktur noch resilienter machen können. Das heißt, wir reagieren nicht nur auf Katastrophen – wir handeln vorsorglich, damit die Bahn auch in Zukunft sicher und zuverlässig bleibt. Herr Matthä, Sie hatten 2024 zum Jahr der Qualität ausgerufen. Wie gut ist das gelungen? MATTHÄ: Unser enormes Wachstum, die vielen Baustellen und eine ambitionierte Planung in Kombination mit fehlendem Roll- material haben uns ein wenig aus der Spur gebracht. Erschwe- rend kam dann noch die Hochwasserkatastrophe hinzu, weshalb wir bei der Pünktlichkeit im Jahresergebnis Luft nach oben ha- ben. Pünktlichkeit ist aber nur ein Qualitätsindikator von vielen. An erster Stelle steht für uns die Sicherheit. Und hier konnten wir die Leistung konstant auf einem guten Niveau halten. Stichwort Pünktlichkeit: Wie pünktlich waren die ÖBB 2024? MATTHÄ: Da treffen Sie einen wunden Punkt, denn das Hochwas- ser hat unsere Pünktlichkeitsstatistik ordentlich durcheinander- gewirbelt. Neben Unwettern sind Verspätungen zu einem Drittel auch Verspätungen aus dem benachbarten Ausland geschuldet. Im Personenverkehr haben wir mit 93,6 Prozent Pünktlichkeit un- ser Ziel von 95,8 Prozent leider nicht ganz erreicht. Im Detail wa- ren 78,2 Prozent der ÖBB Züge im Fernverkehr und 94,3 Prozent der ÖBB Züge im Nahverkehr pünktlich. Berücksichtigt man das > »Es ist wirklich ein Highlight, so viele Fahrgäste verzeichnen zu dürfen – sechs Jahre früher als geplant.« ANDREAS MATTHÄ Für ein stabiles Morgen
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