ÖBB Geschäftsbericht 2024 – Magazin

Für ein stabiles Morgen 26 MANUELA WALDNER UND ANDREAS MATTHÄ. Bevor wir das Geschäftsjahr 2024 Revue passieren lassen, wagen wir einen Blick in die Zukunft. Wie wird die Bahn im Jahr 2040 aussehen? ANDREAS MATTHÄ: Vieles, was unerreichbar scheint, wird 2040 erreicht sein, die Verkehrswende wird Realität. Die Bahn ist das Rückgrat der europäischen Mobilität – schneller, vernetzter und zuverlässiger als je zuvor. Auf vielen Strecken wird die Bahn das Flugzeug als bevorzugtes Verkehrsmittel ablösen, denn moder- ne Hochgeschwindigkeitszüge überzeugen durch lückenlose digitale Vernetzung und höchste Pünktlichkeit. Im Güterverkehr werden Güterzüge ohne Grenzaufenthalt von den Seehäfen tief ins europäische Hinterland unterwegs sein – effizient, klima- freundlich und planbar. Möglich wird dies durch eine enge europäische Zusammenarbeit und die konsequente Umsetzung des gemeinsamen transeuropäischen Schienennetzes TEN-T. Wie schnell werden wir 2040 unterwegs sein? MATTHÄ: Im Jahr 2040 wird sich die Reisezeit zwischen vielen europäischen Großstädten dank eines weitgehend ausgebau- ten und hochmodernen Schienennetzes deutlich verkürzen. Geschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern werden normal sein. Von Wien nach München beispielsweise wird man nur noch etwa 2,5 Stunden brauchen, heute sind es rund vier. Frau Waldner, welche Schritte sind für diese Vision notwendig? MANUELA WALDNER: Bevor wir diese Reisezeiten fahren kön- nen, müssen wir unsere Infrastruktur „auf Schiene“ bringen. Die Inbetriebnahme der Koralmbahn im Dezember 2025 ist der erste Schritt. Das nächste große Projekt ist der Semmering- Basistunnel, wo wir gerade den finalen Durchschlag gefeiert haben. Und dann haben wir als letztes großes Tunnelprojekt den Brenner-Basistunnel im aktuellen Bauprogramm. Die Verbesse- rung der Mobilität bis 2040 geht für uns aber weit über schnel- lere Bahnverbindungen hinaus. Mobilität beginnt vor der eige- nen Haustür, und das führt uns zu innovativen Konzepten der Mikromobilität. Heutige Sharingangebote wie Postbus Shuttle oder Rail&Drive werden in Zukunft durch autonom fahrende Fahrzeuge ergänzt. Diese digitale Vernetzung wird die Attrakti- vität des öffentlichen Verkehrs im ländlichen Raum steigern. Apropos Digitalisierung: Wie wird sie die Zukunft der ÖBB verändern? WALDNER: Die Digitalisierung wird die ÖBB in den nächsten Jahren grundlegend verändern: Unser Hauptfokus liegt darauf, unsere Infrastruktur und unsere Prozesse digital abzubilden – im sogenannten „Digitalen Zwilling“. Infrastrukturseitig werden neue Bauprojekte virtuell geplant und alle Bau- und Anlagen- details im dazugehörigen Datenmodell hinterlegt. Wenn also beispielsweise im Zuge einer Wartung ein Ersatzteil benötigt wird, kann dieses in Zukunft vor Ort per Tablet bestellt werden. Als Beispiel für den „Digitalen Zwilling“ der Betriebsführung steht unter anderem das Projekt ARP – Automated Resource Planning. Hier geht es darum, unsere Fahrzeugumläufe, Schichtpläne und Wartungsarbeiten integriert zu planen. Das machen wir, damit wir unser fahrendes Personal und unsere Flotten bestmöglich aufeinander abstimmen und so beides optimal einsetzen. Unser Ziel ist es, den Fahrplan 2027 bereits INTERVIEW. CEO Andreas Matthä und CFO Manuela Waldner über die Bahn im Jahr 2040, die großen Herausforderungen des vergangenen Jahres und die Aussichten für die nahe Zukunft. »Das Jahr 2025 wird ein Gamechanger«

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