F&E-Jahresbericht 2024 – ÖBB-Infrastruktur AG
29 Ein Vorteil der Digitalisierung ist die höhere Kapazität und Effizienz bei der Abwicklung der Eisenbahnverkehre. Durch den Einsatz digitaler Stellwerke, moderner Zugbeeinflus sung und hoch automatisierter Traffic-Management-Syste me kann neben der Erhöhung der Sicherheit auch eine effi zientere Nutzung der bestehenden Infrastruktur ermöglicht werden. Der automatisierte Zugbetrieb hilft, Verspätungen zu reduzieren und gleichzeitig Energie zu sparen. Ein weiterer Vorteil ist der Einsatz hoch standardisier ter Lösungen im Bereich der Operational Technology (OT) und die dadurch erzielbaren Performance- und Effizienz steigerungen. Positiv zeigt sich die Standardisierung auch bei der Beschaffung. Sie ermöglicht, dass es zunehmend mehr Lieferanten auf dem Markt gibt und neue, innovative Partner aus der Industrie ihre Leistungen ebenfalls anbieten können. Digitalisierung erlaubt es zudem, Außenelemente zu reduzieren und so den Wartungsaufwand zu senken. Dadurch werden zukünftig vor allem Kosten eingespart sowie die Komplexität in der Fläche verringert. Außerdem tragen Detektionsanlagen entlang unseres Schienennetzes dazu bei, Verschleiß und Defekte an Fahrzeugen oder Män gel bei der Ladungssicherheit frühzeitig zu erkennen, was ein rasches Handeln ermöglicht und zu weniger Ausfällen und betrieblichen Einschränkungen führt. Darauf aufbauend stellt F&E die Vision eines modernen Bahnbetriebs vor: Netzwerke von IoT-Geräten und SWOCS verknüpfen Betrieb und Anlagen, wodurch die Anzahl der Außeneinrichtungen vermindert wird. Edge-Computing integriert die Rechenkapazität für die Anlagenüberwachung direkt ins Netzwerk und verbessert so die Telekommuni kationssysteme, da Störungen seltener auftreten und die Reaktionsfähigkeit im Störungsfall verbessert wird. Die zeit nahe Bereitstellung von Statusangaben der Anlagen schafft zudem eine neue Quelle für Kund:inneninformationen. Digitalisierung und intelligente Systeme eröffnen neue Wege in der Überwachung kritischer Infrastruktur. Besonders bei schwer zugänglichen Bauwerken wie Tunneln gewinnen autonome Roboter an Bedeutung. Sie bieten präzise Diagnosen, effizientere Abläufe und erhöhen die Sicherheit – ein Gewinn für die Gesellschaft. Gemeinsam mit der ÖBB-Infrastruktur AG entwickelt das Linz Center of Mechatronics (LCM) in einem aktuellen Projekt einen autonomen Roboter zur Inspektion von Drainagerohren in Tunneln – bislang eine aufwendige Aufgabe mit Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Früher wurden Tunnel routinemäßig gesperrt, um Rohre zu reinigen – unabhängig vom tatsächlichen Bedarf. Der neue Roboter fährt autonom durch die Rohre, führt präzise Inspektionen bei laufendem Betrieb durch und erkennt mit KI potenzielle Schäden. Die Daten fließen direkt in die Systeme der ÖBB. Die KI-gestützte Analyse ermöglicht bedarfsorientierte Wartung und minimiert Sperrzeiten. Beim wachsenden Tunnelnetz – bald 490 Kilometer – ist das entscheidend. LCM ist in diesem Projekt Partner für intelligente Robotiklösungen. Mit interdisziplinärem Know-how und langjähriger Erfahrung in Mechatronik bietet LCM maßgeschneiderte Hightech-Lösungen. »Gemeinsam gestalten wir die Technologie der Zukunft.« DI DR. ING. JOHANN HOFFELNER, MSC Geschäftsführer, CEO, Linz Center of Mechatronics GmbH Digitalisierung des Systems Bahn VORTEILE. Effizienz, Nachhaltigkeit und Sicher heit steigen, der Wartungsaufwand sinkt und der Lieferantenmarkt wird breiter. Mechatronik mit gesellschaftlichem Mehrwert INSPEKTIONSROBOTIK. Autonomer Roboter sorgt durch präzise Tunnelinspektion und Schadens erkennung für noch mehr Sicherheit. »Wir arbeiten laufend an der Weiterentwicklung der Systeme für den Eisenbahn betrieb.« DI CHRISTIAN SAGMEISTER, Geschäftsbereichsleiter Bahn systeme, ÖBB-Infrastruktur AG
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