Geschäftsbericht 2024 – ÖBB-Infrastruktur AG
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 17 Das Programm Digitaler Bahnbetrieb – Phase 1 (DBB) der ÖBB Infrastruktur AG umfasst fünf Projekte zur Optimierung der Zugsteuerung. Das Trassenkonstruktionssystem (TRAKSYS) entwickelt ein neues System zur präzisen Trassenkonstruktion. Die Digitalisierung der Zugvorbereitung (PORTHOS) modernisiert die Planung der Disposition von Zugvorbereitungsleistungen, reduziert manuelle Tätigkeiten und Medienbrüche. Die Digitalisierung betrieblicher Prozesse zielt darauf ab, den Bahnbetrieb durch moderne Technologien und systemische Unterstützung weiterzuentwickeln. Die Adaptive Zuglenkung (AZL) optimiert die Betriebsführung durch Geschwindigkeitsempfehlungen und automatisierte Konfliktlösungen. Das „Driver Operational Assistant System“ (infraDOAS) ist eine Visualisierungs-App für Triebfahrzeugführer:innen, um fahrtrelevante Informationen bereitzustellen. Diese Projekte zielen darauf ab, die Effizienz, Sicherheit und Pünktlichkeit im Bahnbetrieb zu steigern. Die ÖBB-Infrastruktur AG evaluiert den Einsatz von Artifical Intelligence (AI) im Bahnbetrieb. Dabei werden sämtliche Anwendungsfälle von der Bestellung einer Trasse über deren Konstruktion und Planung bis hin zur Abwicklung der Zugfahrt betrachtet. Für den konkreten Fall der Verkehrslenkung wurde bereits ein erster Prototyp in Form eines Advisory- Systems für Fahrdienstleiter:innen entwickelt. Dieses unterstützt mithilfe von künstlicher Intelligenz bei Dispositionsentscheidungen und schätzt deren Auswirkung auf das Verkehrsgeschehen ab. Um eine Effizienzsteigerung im Bereich der Anlagenbereitstellung zu realisieren, setzt die ÖBB-Infrastruktur AG auf das Thema „Building Information Modeling“ (BIM). BIM ist eine objektorientierte, informationsbasierte Planungsmethode und verknüpft dreidimensionale Konstruktionen mit weiteren Informationen wie Produkteigenschaften, Kosten, Bauablauf, betreiberrelevante Details etc. So werden digitale Modelle „intelligent“. Seit 2016 arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG an der Weiterentwicklung und Integration von BIM in die Projektabwicklung. Erste Projekte werden seit 2018 mit BIM umgesetzt (z. B. Tunnelkette Granitztal). Da internationale Standards für BIM im Bereich Infrastruktur bislang noch fehlten, arbeitete die ÖBB-Infrastruktur AG in den letzten Jahren gemeinsam mit anderen Infrastrukturbetreibern aus der ganzen Welt aktiv bei der Standardentwicklung – dem sogenannten IFC-Rail-Projekt von buildingSMART International – mit. Dieser neue Standard IFC 4.3 wurde im Berichtsjahr (konkret im April 2024) als ISO-Norm 16739 herausgegeben. Sobald die Implementierung dieses Standards in die Softwareprodukte für die BIM-Methodik abgeschlossen ist, kann der Informations- und Datenaustausch beim digitalen Planen, Bauen und Betreiben von Infrastrukturprojekten endlich effizienter gestaltet werden. Die nötigen IT-Projekte zur Automatisierung des Datenflusses zwischen den Projektphasen Planung / Bau und der späteren Instandhaltung wurden Ende 2024 gestartet. Unabhängig von der Herausgabe der ISO 16739 wurde BIM mit 01.01.2024 als neuer Standard für komplexe Projekte ausgerollt. Das bedeutet, dass ab 01.01.2024 neu beauftragte, komplexe Projekte grundsätzlich mit BIM abgewickelt werden müssen. Neben BIM gibt es zahlreiche weitere Digitalisierungsvorhaben in der ÖBB-Infrastruktur AG. Um einen gesamthaften Überblick über Daten zu bewahren und diese strukturiert zur Verfügung zu stellen, wurde eine „ÖBB-Infra Datenfabrik” aufgebaut. Die Datenfabrik hat den Fokus durch Prozesse, Methodiken und technische Plattformen Daten in einem hohen Reifegrad wiederverwendbar bereitzustellen. Damit sollen in Zukunft unter anderem prediktive Szenarien im Bereich Maßnahmenplanung und Instandhaltung verbessert und datengetriebene Entscheidungen ermöglicht werden. Ein professionelles Datenmanagement bildet die Basis für ein virtuelles Datenabbild der ÖBB-Infrastruktur AG in einem „Digital Twin ÖBB-Infrastruktur”, der das Gleis- und Streckennetz sowie darauf installierte Anlagen enthält. Im Bereich des „Digitalen Arbeitsplatzes” ist die Umsetzung von zwei für die digitale Transformation notwendigen Konzernprojekten (Digital Reach und Microsoft-365-Roll-out) bereits erfolgreich abgeschlossen. Aufgrund der Veränderungen durch die Pandemie auf das Arbeitsleben wurden viele digitale Möglichkeiten geschaffen, remote und digital zusammenzuarbeiten. Diese Projekte bilden die Grundlage der Digitalisierung der operativen Einheiten mit mobilen digitalen Services. Dabei wurden im ÖBB Infrastruktur-Konzern rd. 8.500 Mitarbeiter:innen zum ersten Mal mit einem persönlichen IT-User ausgestattet. Dadurch kann jede:r Mitarbeiter:in im Digital Reach somit in- und außerhalb der Arbeitszeit auf die digitalen Services (z. B. Microsoft 365, HR-Portal, Intranet mobil) zugreifen. Weiters wurde zur Umsetzung des modernen, digitalen Arbeitsplatzes im Rahmen des strategischen Konzernprojektes „Microsoft 365“ ein Roll-out der Cloudlösung Microsoft 365 in nichtbetriebskritischen Bereichen des ÖBB Infrastruktur-Konzerns durchgeführt.
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