Geschäftsbericht 2024 – ÖBB-Infrastruktur AG

ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 16 ETCS – European Train Control System Das ETCS trägt zur Harmonisierung des europäischen Eisenbahnsystems und damit zu einem interoperablen und kostenoptimierten Zugang zum System Bahn bei. So wird die Position des Systems Bahn gegenüber anderen Verkehrsträgern auf lange Sicht gestärkt. Mit der Umsetzung des ETCS-Migrationsplans wird die Sicherstellung der Interoperabilität auf Basis europäischer Vorgaben ermöglicht und gewährleistet. Damit können die gesetzlichen Vorgaben sowohl in technischer als auch in zeitlicher Hinsicht eingehalten werden. Eine enge Koordination mit dem BFS-Programm ist jedenfalls sichergestellt. Damit wird im laufend dichter und komplexer werdenden Bahnbetrieb für die entsprechende Sicherheit, Pünktlichkeit und Qualität gesorgt und die Kund:innenanforderungen werden bestmöglich erfüllt. Durch die im Juli 2023 erfolgte erfolgreiche Übernahme der ETCS-Level-2-Pilotstrecke Linz-Vöcklabruck des ETCS- Migrationsprogramms wurde ein wesentlicher Meilenstein des sich im Plan befindlichen ETCS-Roll-outs erreicht. Mit der Inbetriebnahme des Teilabschnittes der Koralmbahn von St. Paul-Lavanttal bis Klagenfurt zum Fahrplanwechsel wurde im Dezember 2023 auch noch ein Streckenteil nur mit ETCS und ohne Außenlichtsignale für Zugfahrten in Betrieb genommen. Im Zusammenhang mit der Notwendigkeit der Überarbeitung des National Implementation Plan für ERTMS (European Rail Traffic Management System) für die Europäische Kommission im Juni 2024 wurde gemeinsam mit dem BMK eine Strategie für den Rückbau des derzeitigen nationalen Zugsicherungssystems PZB erarbeitet und an die Eisenbahnverkehrsunternehmen kommuniziert. Diese sieht einen Rückbau des Altsystems schrittweise beginnend mit 2032 und den weiteren Ausbau von ETCS anhand dieses Migrationsplans vor. Digitalisierung in der ÖBB-Infrastruktur AG Die ÖBB-Infrastruktur AG setzt Digitalisierung und Automatisierung ein, um die strategischen Ziele der Kapazitätssteigerung und Effizienzsteigerung zu erreichen und Erfolgskriterien wie Pünktlichkeit, Sicherheit und Kund:innenzufriedenheit weiterzuentwickeln. Hierfür wurde im Zuge der INFRA-Mobilitätswende die Stoßrichtung Digitalisierung definiert. Dabei wird interdisziplinär gedacht und Initiativen, die aus der Digitalisierung entstehen, werden im Konzern abgestimmt vorangetrieben. Diese Initiativen realisieren Methoden der Automatisierung und Digitalisierung im System Bahn, um durch mehr Effizienz die Kapazität, die Wirtschaftlichkeit und die Qualität zu verbessern. Vor dem Hintergrund der konkreten Herausforderung, die relevanten Themen mit den vielen Facetten erfolgreich abzuwickeln, werden die notwendigen Prozesse adaptiert und etabliert, und es wird an der Bereitstellung der erforderlichen Fähigkeiten und Ressourcen gearbeitet. Damit wird eine zentrale Voraussetzung für einen erfolgreichen und zielgerichteten Transformationsprozess geschaffen. Die Initiativen im Kontext der Digitalisierung wurden in enger Abstimmung mit den betroffenen Bereichen innerhalb der ÖBB-Infrastruktur AG definiert, denn nur so war es möglich, wesentliche Verbesserungen, die einen direkten Mehrwert in den operativen Bereichen mit sich bringen, zu erzielen. Erste messbare Projekte sind die Zuglaufcheckpoints und das Zugpositionsservice (Projekt „Greenlight”). Letzteres umfasst die präzise Ortung von Zugpositionen im Gleisbereich. Die Greenlight-Softwareplattform empfängt im Sekundentakt Lokalisierungsinformationen, Geschwindigkeit und Empfangsqualitätsinformationen (Mobilfunk und GNSS) von der in Triebfahrzeugen installierten „railpower box”, verarbeitet diese und stellt sie Dritten zur Verfügung. Mittlerweile sind bereits rd. 1.600 Triebfahrzeuge der ÖBB und weiterer Eisenbahnverkehrsunternehmen mit „Greenlight-fähigen Railpower Boxen“ausgestattet worden. Weitere Projekte sind das digitale Stellwerk und die innovative Regionalbahntechnik. Mit dem Programm BFS zählte die ÖBB-Infrastruktur AG schon in der Vergangenheit zu den Vorreitern bei den Themen „Fernsteuerung” und „Digitalisierung” im Bahnbetrieb. Um dies weiter voranzutreiben, werden ältere Stellwerksbauarten sukzessive durch moderne elektronische Stellwerke ersetzt. Die ÖBB-Infrastruktur AG hat im Berichtszeitraum mehrere Kooperationen mit Infrastrukturbetreibern durchgeführt bzw. vertieft, um die internationalen Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung effizient zur Weiterentwicklung des Bahnbetriebs zu nutzen. Hierzu zählt zum Beispiel die Kooperation zwischen SBB und ÖBB- Infrastruktur AG in den Gremien Reference CCS Architecture und Systempillar. Außerdem ist die ÖBB-Infrastruktur AG seit 2019 Mitglied bei EULYNX und Founding-Member bei Europe’s Rail Joint Undertaking, um aktiv die Weiterentwicklung der Stellwerkstechnik voranzutreiben und die Vorteile der Digitalisierung zu verankern.

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