Geschäftsbericht 2024 – ÖBB-Infrastruktur AG
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 28 C. Bericht über d ie Forschung und Entwicklung Ende 2020 hat die Kommission der Europäischen Union (EU) die neue Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität veröffentlicht. Die Strategie ist Teil des Europäischen Green Deals und zielt auf ein Verkehrssystem ab, welches die verkehrsbedingten Emissionen bis 2050 um 90 % verringert. In diesem Zusammenhang hat das System Bahn als wesentlicher Enabler große Bedeutung. Damit einher geht eine zuverlässig verfügbare Bahninfrastruktur. Damit dies nicht nur im Hier und Jetzt der Fall ist, nimmt die Weiterentwicklung der Bahninfrastruktur mit Blick auf zukünftige Herausforderungen in der ÖBB-Infrastruktur AG eine bedeutende Rolle ein. Dabei bekennt sie sich zu bedarfsorientierten F&E-Tätigkeiten, welche eine Steigerung von Produktivität, Kapazität, Qualität und Resilienz des Systems Bahninfrastruktur bewirken und einen positiven Beitrag zu Klimaschutz leisten. Im Juni 2024 wurde die neue Forschungsstrategie #INFRA.F&E_fit30 als Funktionalstrategie mit Gültigkeit für die gesamte ÖBB-Infrastruktur AG verabschiedet. Diese definiert den strategischen Rahmen für F&E-Projekte und F&E-Initiativen mit einer Perspektive von 2024 bis 2030. Der Fokus liegt dabei auf den Topthemen zur Absicherung der mittel- bis langfristigen Unternehmensziele entlang der Dimensionen Kapazität, Produktivität, Qualität und CO 2 -Neutralität. Sie sorgt aber auch für einen strategiegeleiteten, effizienten Einsatz der F&E-Ressourcen und stellt damit eine strategiegeleitete F&E der ÖBB- Infrastruktur AG sicher. Damit dient sie auch zur Priorisierung und zur Ordnung des F&E-Portfolios. Die zentralen Elemente von #INFRA.F&E_fit30 bilden drei strategische F&E-Ziele sowie sechs wirkungsvolle, strategische F&E-Stoßrichtungen. Diese spannen den Rahmen für konkrete F&E-Initiativen und -Projekte. Mit den strategischen F&E-Stoßrichtungen wird durch Verknüpfung mit dem jeweils erforderlichen Lösungsraum auch deutlich herausgestellt, dass man in Europa mitgestalten will. Und zwar überall dort, wo Harmonisierung und TSI nationalstaatliche Lösungen nicht zulassen. Mit diesem Fokus erfolgt auch die Mitwirkung der ÖBB-Infrastruktur AG an der europäischen Bahnforschungsinitiative „Europe’s Rail Joint Undertaking“ (ERJU), welche 2023 operativ mit dem Start diverser Projekte begonnen hat. Das ERJU setzt mit einem Projektvolumen von rd. 1,2 Mrd. EUR bis 2031 und der Zusammenarbeit von 25 europäischen Partner:innen aus den Bereichen Bahnen, Industrie und Forschung einen wichtigen und europäisch abgestimmten Schritt in Richtung Weiterentwicklung des Systems Bahn und zur Schaffung einer integrierten und interoperablen europäischen Gesamtlösung. Die ÖBB-Infrastruktur AG war auch 2024 an vier großvolumigen Projekten als aktive Partnerin beteiligt: KI- basiertes Traffic Management System (TMS) mit Fokus auf Konflikterkennung und -auflösung in Echtzeit, ETCS Full Moving Block mit Fokus auf Zug zentrierter Logik, Automatisierung Verschub sowie Cost-efficient wayside Assets. National war wie schon in den Jahren zuvor die Top-Initiative „Rail4Future – Resilient Digital Railway Systems to enhance Performance” der Schwerpunkt. Umgesetzt mit Fördermitteln des COMET-Projekte-Programms der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) startete dieses F&E-Vorhaben offiziell im April 2021 und setzte sich zum Ziel, Automatisierung und Digitalisierung im Zusammenhang mit der Errichtung und Betriebsführung der Infrastrukturkomponenten Schiene und Weiche sowie Brücke und Tunnel voranzutreiben. Im Herbst 2024 erfolgte nun der Projektabschluss. In diesem Zusammenhang wurden im Rahmen eines gemeinsamen Abschlussmeetings der in Summe 27 Partner aus Forschung, Industrie und Bahninfrastruktur die Highlights sichtbar gemacht. Dabei konnte ein inhaltlicher Bogen beginnend mit ersten Large-Scale-Simualtionen in einem DigiTwin-Environment über Materialmodelle zum Verschleiß von Oberbau und Weiche, der zerstörungsfreien Messung von Schienenspannungen bis hin zu neuen bruchmechanischen Ansätzen zur Nachweisführung von in die Jahre gekommenen Stahlbrücken und holistischen Nachweiskonzepten für Tunnelschalen gespannt werden. Begleitend zur Erarbeitung der F&E-Strategie #INFRA.F&E_fit30 wurden 2024 auch die F&E-Prozesse überarbeitet und im Frühjahr 2024 im Integrierten Managementsystem der ÖBB-Infrastruktur AG für alle Mitarbeiter:innen barrierefrei zugänglich gemacht. Mit der Verfahrensanweisung „VA F&E-Board“ sind alle Prozessschritte von der Einmeldung von Ideen, Konzepten oder auch Bedarfen für Vorhaben, die Instrumente der Forschung für deren Beantwortung benötigen, bis zu deren Freigabe durch das F&E-Board der ÖBB-Infrastruktur AG zur weiteren Bearbeitung geregelt. Die Verfahrensanweisung „VA F&E-Projekte umsetzen“ ist als Projektmanagement-Handbuch konzipiert, regelt die standardisierte Abwicklung von F&E-Projekten der ÖBB-Infrastruktur AG und definiert dazu auch klar alle Verantwortlichkeiten. Die F&E-Aktivitäten der ÖBB-Infrastruktur AG werden unterstützt durch nationale und europäische Forschungsprogramme. Mit BMK und FFG ist in diesem Zusammenhang eine enge Zusammenarbeit etabliert. Die ÖBB-Infrastruktur AG hat den Jahresbericht retrospektiv zu ihren Forschungsaktivitäten 2022 erstellt und publiziert, um sowohl nach innen als auch nach außen transparent Einblick in aktuelle Forschungsprojekte zu geben. Mit Stichtag 31.12.2024 befanden sich in der ÖBB-Infrastruktur AG 56 teilweise zusammenhängende und übergreifende F&E-Projekte in Bearbeitung. Darin enthalten sind auch jene Einzelprojekte, die im Rahmen der Forschungsinitiativen Verkehrsinfrastrukturforschung VIF, ERJU, Shift2Rail, TARO und Rail4Future verfolgt werden. Das aktuelle Projektportfolio hat ein Gesamtvolumen von rd. 38,8 Mio. EUR (für alle aktuell laufenden Projekte und jeweiligen Laufzeiten bis inkl. 2031 ohne Abzug von Förderungen).
RkJQdWJsaXNoZXIy NTk5ODUz