Geschäftsbericht 2024 – ÖBB-Infrastruktur AG

ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 29 Auszug aktueller Projekte Die nachfolgend auszugsweise beschriebenen F&E-Initiativen, die sich teilweise aus mehreren, aber in sich zusammenhängenden Einzelprojekten aufbauen, werden im Kontext mit den F&E-Leuchtturminitiativen, die im Zuge der strategischen Forschungsstoßrichtungen erarbeitet wurden, vorgestellt. Komponenten und Materialien Isolierstöße haben in der Gleisfreimeldeanlage eine große Bedeutung. Sie sorgen dafür, dass diese Anlagen zuverlässig und störungsfrei funktionieren. Defekte Isolierstöße können zu fälschlich ausgelösten Rotausleuchtungen führen, die den Bahnbetrieb behindern und den Ablauf erheblich verzögern. Das Forschungsprojekt „Keramischer Isolierstoß“ hat sich die Verbesserung der Isolierstoßperformance zum Ziel gesetzt. Dafür wird an mehreren Schrauben gedreht. Ein möglicher Ansatzpunkt ist die Verbesserung der Isolierzwischenlage. Hierfür werden großteils Kunststoffe verwendet. Sie erbringen jedoch unter Dauerbelastung nicht die Leistung, die benötigt wird. Dies kann zu Ausbrüchen und Überwalzungen führen. Die Verwendung von Zwischenlagen als Sandwichstruktur mit abwechselnd Keramik und Glasfasergewebe soll hier Abhilfe schaffen. Ein Prototyp eines Isolierstoßes dieser neuartigen Sandwichstruktur wurde bereits angefertigt und im Frühjahr 2024 zu Testzwecken eingebaut. Klimaresilienz und Energieeffizienz Die Beurteilung langfristiger Klimatrends auf wissenschaftlicher Basis zur Bewertung von Extremwettereignissen an kritisch exponierten Streckenabschnitten und Infrastrukturen sowie die Abschätzung der Potenziale zur Erzeugung erneuerbarer Energiequellen sind die Ziele von „KlimZug“. Das Projekt testet den Einsatz neuartiger und innovativer Sensorik, um die Prognosequalität von Extremwetterszenarien zu verbessern. Dazu wird die Zahl der ÖBB Messstationen, die mit autarken Messkonzepten für einen möglichen Einsatz in schwer zugänglichem Gelände beziehungsweise ohne vorhandene Strominfrastruktur ausgestattet sind, erhöht. Auch an der Weiterentwicklung des ÖBB Wetterwarnsystems wurde gearbeitet. Hierzu zählen Analysen und Vorhersagen des Waldbrand- und Überflutungsrisikos entlang ausgewählter Bahnstrecken. Beide Modelle wurden entwickelt, mit historischen Daten validiert, implementiert und sind bereits seit 2022 als Prototypen im Einsatz. Die Entwicklung eines innovativen KI-basierten Kürzestfristprognosemodells befindet sich aktuell in der finalen Phase. Im Themenblock der langfristigen Prognosen liegt der Fokus des Projekts darauf, mithilfe des Trackings monatlicher und saisonaler Veränderungen der Einstrahlungs- und Windverhältnisse in Regionen geplanter ÖBB Assets Investitionsentscheidungen zu unterstützen. Zugvorbereitung und Verschub Das Hauptziel des Projekts „DACIO“ (Digital Automatic Coupling in Infrastructure Operations) ist es, die Entwicklungsaktivitäten rund um die Digitale Automatische Kupplung (DAK) für den Eisenbahninfrastrukturbetrieb zu unterstützen. Seit Projektstart im September 2021 wurden zahlreiche Grundlagen wie technische und prozesshafte Beschreibungen, Use-Cases und Konzepte erarbeitet. Das Berufsbild Verschieber:in ist nicht nur vielfältig, sondern umfasst oftmals auch potenziell gefährliche Tätigkeiten. Rollende Waggons, raue Wetterbedingungen und Schichtarbeit sind Faktoren, welche die Arbeit im Verschub erschweren und ein hohes Risiko von Arbeitsunfällen mit sich bringen. Ansätze zur Automatisierung des Verschubs sind vielfältig und ein großer Bestandteil des europäischen Projekts „TRANS4M-R“. Dieses beschäftigt sich mit der Realisierung der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) und den zugehörigen Train-Functions. Allerdings werden noch Jahre vergehen, bis die Ergebnisse im Betrieb flächendeckend realisiert werden können. Ein weiteres Projekt, das sich mit der Automatisierung des Verschubs beschäftigt, ist „TopDrone“. Es wird untersucht, inwieweit Drohnen Spitzenverschieber:innen substituieren können. Das 2023 gestartete Projekt behandelt die Fragestellungen, ob und wie Drohnen im Normalbetrieb des Verschubs eingesetzt werden können. Im Rahmen verschiedener Use-Cases wird erforscht, welchen Mehrwert man dadurch generieren könnte, ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand für Verschubmitarbeiter:innen zu schaffen. Vereinfachte Kontrolle von Fahrzeugen und Beobachtung der Verschubwege sind die wesentlichsten Arbeitsschritte, bei denen eine Drohne potenzielle Unterstützung leisten kann.

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