Geschäftsbericht 2025 – ÖBB-Infrastruktur AG
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 14 Der Brenner-Basistunnel (BBT) Ende 2025 waren drei Hauptbaulose aktiv, davon zwei auf österreichischem und eines auf italienischem Staatsgebiet. Bereits mehr als 206 km des insgesamt 230 km langen Tunnelsystems sind ausgebrochen. Im Bereich der Hauptröhre West konnte am 22.08.2025 der innerösterreichische Durchbruch gefeiert werden. Am 18.09.2025 gelang mit dem Durchschlag des Erkundungs- und zukünftigen Servicetunnels erstmalig die Herstellung einer unterirdischen Verbindung zwischen Italien und Österreich. Die Planung der bahntechnischen Ausrüstung ist im Gange und wird nach Abschluss der Rohbauarbeiten im Jahr 2027 in die Ausführungsphase übergehen. Migration weiterer Streckenabschnitte in die fünf Betriebsführungszentralen Darüber hinaus wurden im Jahr 2025 die Steuerbereiche der fünf Betriebsführungszentralen (BFZ) wieder deutlich erweitert. So wurden u. a. die Betriebsstellen Rekawinkel, Hutten, Penzing, Sigmundsherberg, Hötzelsdorf-Geras, Imfritz, Göpfritz, Allentsteig, Schwarzenau, Vitis, Pürbach Schrems in die Betriebsführungszentrale (BFZ) Wien Stadlau, die Betriebsstellen Kirchdorf a. d. Krems und Micheldorf in die BFZ Linz, Gröbming, Öblarn, Haus, Braunau und Werfen in die BFZ Salzburg und Messendorf, Scheifling, Arnoldstein, Thörl-Maglern in das BFZ Villach migriert. Damit werden bereits rd. 76 % des Hauptnetzes der ÖBB-Infrastruktur AG von den fünf Betriebsführungszentralen gesteuert. Das BFZ-Ausfallskonzept beschreibt, wie im Störungs- bzw. Ereignisfall schnellstmöglich der Betrieb in hoher Qualität abgewickelt werden kann und die Beeinträchtigungen im nationalen und internationalen Zugverkehr so gering wie möglich gehalten werden können. Das Ausfallkonzept sieht vor, dass die BFZ-Systeme und -Bedienplätze nahtlos von anderen BFZ-Standorten übernommen werden können, was die Betriebsführung im Störfall deutlich erleichtert. In diesem Zusammenhang wurde der Neubau der BFZ Wien Stadlau und die Errichtung von regionalen Ersatzarbeitsplätzen (EAP) in Wörgl und in Spittal mit georedundanter IT-Serverlandschaft geplant und umgesetzt. Die Umsetzung des EAP-Standorts Wels für die BFZ Linz und die BFZ Salzburg wurde im Geschäftsjahr 2025 gestartet und wird voraussichtlich bis 2028 realisiert. ETCS – European Train Control System Das ETCS trägt zur Harmonisierung des europäischen Eisenbahnsystems und damit zu einem interoperablen und kostenoptimierten Zugang zum System Bahn bei. So wird die Position des Systems Bahn gegenüber anderen Verkehrsträgern auf lange Sicht gestärkt. Mit der Umsetzung des ETCS-Migrationsplans wird die Sicherstellung der Interoperabilität auf Basis europäischer Vorgaben ermöglicht und gewährleistet. Damit können die gesetzlichen Vorgaben sowohl in technischer als auch in zeitlicher Hinsicht eingehalten werden. Eine enge Koordination mit dem BFS-Programm ist jedenfalls sichergestellt. Damit wird im laufend dichter und komplexer werdenden Bahnbetrieb für die entsprechende Sicherheit, Pünktlichkeit und Qualität gesorgt und die Kund:innenanforderungen werden bestmöglich erfüllt. Im Zusammenhang mit der Notwendigkeit der Überarbeitung des National Implementation Plan für ERTMS (European Rail Traffic Management System) für die Europäische Kommission im Juni 2024 wurde gemeinsam mit dem BMIMI eine Strategie für den Ausbau des derzeitigen nationalen Zugsicherungssystems PZB erarbeitet und an die Eisenbahnverkehrsunternehmen kommuniziert. Digitalisierung in der ÖBB-Infrastruktur AG Die ÖBB-Infrastruktur AG setzt Digitalisierung und Automatisierung ein, um die strategischen Ziele der Kapazitätssteigerung und Effizienzsteigerung zu erreichen. Erfolgskriterien wie Pünktlichkeit, Sicherheit und Kund:innenzufriedenheit und Erfüllung internationaler Regularien sind die Basiswerte. Hierfür wurde im Zuge der INFRA- Mobilitätswende die Stoßrichtung Digitalisierung definiert. Diese Initiativen realisieren Methoden der Automatisierung und Digitalisierung im System Bahn, um die Kapazität, die Wirtschaftlichkeit und die Qualität durch mehr Effizienz zu verbessern. Um die internationalen Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung effizient zur Weiterentwicklung des Bahnbetriebs zu nutzen, kooperiert die ÖBB-Infrastruktur AG mit der SBB in den Gremien Reference CCS Architecture und Systempillar. Außerdem ist die ÖBB-Infrastruktur AG seit 2019 Mitglied bei EULYNX und Founding-Member bei Europe’s Rail Joint Undertaking, um aktiv die Weiterentwicklung der Stellwerkstechnik voranzutreiben und die Vorteile der Digitalisierung zu verankern. Aufgrund zukünftiger Anforderungen im Bereich Kapazitätsmanagement wird mit RailNetEurope an den Anforderungen aus der Kapazitätsverordnung und den TAF / TAP / TSI Telematics gearbeitet. Die ÖBB-Infrastruktur AG evaluiert den Einsatz von Artificial Intelligence (AI) im Bahnbetrieb. Dabei werden sämtliche Anwendungsfälle von der Bestellung einer Trasse über deren Konstruktion und Planung bis hin zur Abwicklung der Zugfahrt betrachtet. Für den konkreten Fall der Verkehrslenkung wurde bereits ein erster Prototyp in Form eines Advisory- Systems für Fahrdienstleiter:innen entwickelt. Dieses unterstützt mithilfe von künstlicher Intelligenz bei Dispositionsentscheidungen und schätzt deren Auswirkung auf das Verkehrsgeschehen ab.
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