Geschäftsbericht 2025 – ÖBB-Infrastruktur AG
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 15 Weiters wird an einemWissenschatbot mit dem Namen AskÖBB gearbeitet, der mit gemanagtemWissen aus Dokumenten und Daten unsere Mitarbeiter:innen bestmöglich unterstützen soll. „Building Information Modeling“ (BIM) ist seit dem 01.01.2024 verbindlich für alle Projekte mit Projektauftrag anzuwenden. Derzeit werden rd. 50 Projekte mit der BIM-Methode abgewickelt. Die Ziele, die mit der Ausrollung von BIM verfolgt werden, sind – die Automatisierung des Datenflusses zwischen den Projektphasen Planung / Bau und Instandhaltung, – die Schaffung einer guten Datenbasis für den digitalen Zwilling der Anlagen und damit verbunden eine leichtere Auffindbarkeit von Anlageninformationen über GIS inkl. Verlinkung von relevanten Dokumenten sowie – die Umsetzung von Effizienzsteigerungen in der Projektabwicklung. Neben BIM gibt es zahlreiche weitere Digitalisierungsvorhaben in der ÖBB-Infrastruktur AG. Um einen gesamthaften Überblick über Daten zu bewahren und diese strukturiert zur Verfügung zu stellen, wurde eine „ÖBB-Infra Datenfabrik“ aufgebaut. Die Datenfabrik hat den Fokus, durch Prozesse, Methodiken und technische Plattformen Daten in einem hohen Reifegrad wiederverwendbar bereitzustellen. Damit sollen in Zukunft unter anderem prädiktive Szenarien im Bereich Maßnahmenplanung und Instandhaltung verbessert und datengetriebene Entscheidungen ermöglicht werden. Ein professionelles Datenmanagement bildet die Basis für ein virtuelles Datenabbild der ÖBB-Infrastruktur AG in einem „Digital Twin“ der ÖBB-Infrastruktur AG, der das Gleis- und Streckennetz sowie darauf installierte Anlagen enthält. Der Digital Twin repräsentiert Daten aus sehr unterschiedlichen Datenquellen der ÖBB. Er schafft ein Ordnungsreferenzsystem, um die unterschiedlichen Sichten wie bauliche Sicht, Instandhaltungssicht oder Betriebssicht auf Daten in einen geografischen und semantischen Zusammenhang zu bringen. Die Daten werden bei der zeitnahen Übernahme aus operativen Geschäftsprozessen bereinigt und aufeinander angepasst (Lösung von Mapping-Problemen und notwendiges Datenqualitätsmonitoring und erforderliche -bereinigungen). Diese gemeinsame Datensicht ist ohne Digital Twin nicht möglich. Der Digital Twin besteht einerseits aus Infrastrukturdaten (Topologie, Topografie) und betrieblichem Stammdatenmanagement (Organisation und harmonisierte gesicherte Bereitstellung aller notwendigen Daten) sowie andererseits aus den Nutzungsmöglichkeiten (Fahrstraßen / Signale / Zugsicherungssysteme) und dynamischen Ereignissen. Weiters kennt der Digital Twin in Zukunft die geplante Nutzung (Produktionsplan) und tatsächliche Nutzung (Zugfahrten, Gleisbelegung, Sperren, Einschränkungen) der Infrastruktur. Durch die Kombination der Daten werden für die ÖBB- Infrastruktur AG zukünftig völlig neue Anwendungen und Erkenntnisse möglich. Diese umfassen beispielsweise eine optimierte Instandhaltung durch datengetriebene Vorhersagen zu Wartungsintervallen und Umfang (Predictive Maintenance), langfristige Kapazitätssimulationen (Planung und Optimierung Netzausbau), kurzfristige, szenariobasierte Kapazitäts- und Fahrplanoptimierung, optimierte Baustellenplanung und Dispositionsunterstützung durch automatische Konflikterkennung und Lösung. Eine weitere Anwendung kann in der Machbarkeitsprüfung des automatisierten Abweichungsmanagements verortet werden. Insofern ist der Digital Twin eine Kernkomponente für zukünftige Digitalisierungsmaßnahmen. Die ÖBB-Infrastruktur AG gestaltet die digitale Transformation des Bahnbetriebs aktiv. Der Ausbau der Zuglaufcheckpoints und das Zugpositionsservice „Greenlight“ ermöglichen eine präzise Ortung und Überwachung von Triebfahrzeugen bzw. Zügen. Rd. 1.600 Fahrzeuge der ÖBB und externer Eisenbahnverkehrsunternehmen sind bereits mit entsprechenden Railpower-Boxen ausgestattet, um das Positionsservice nutzen zu können. Weitere zentrale Vorhaben sind die Umsetzung des europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS und neue Lösungen in der Regionalbahntechnik. Mit dem Programm BFS (Betriebsführungsstrategie) zählt die ÖBB-Infrastruktur AG zu den Vorreitern in Fernsteuerung und Digitalisierung. Ältere Stellwerke werden schrittweise durch moderne elektronische und digitale Systeme ersetzt. Als weitere Initiative umfasst das Programm „Digitaler Bahnbetrieb – Phase 1 (DBB)“ fünf Projekte zur Optimierung der Zugsteuerung. TRAKSYS entwickelt ein System zur präzisen Trassenkonstruktion. PORTHOS digitalisiert die Zugvorbereitung. Die Digitalisierung betrieblicher Prozesse verbessert den Bahnbetrieb durch systemische Unterstützung. Die Adaptive Zuglenkung (AZL) optimiert die Betriebsführung durch automatisierte Empfehlungen. Die App infraDOAS stellt Triebfahrzeugführer:innen fahrtrelevante Informationen bereit. Ziel ist eine höhere Effizienz, Sicherheit und Pünktlichkeit. Leistungsfähige Daten- und Mobilfunknetze sind eine zentrale Voraussetzung für die Digitalisierung. Daher treibt die ÖBB- Infrastruktur AG die Einführung des Future Railway Mobile Communication System (FRMCS) mit Pilotprojekten voran und forciert den Ausbau des öffentlichen Mobilfunks entlang des Streckennetzes. Gleichzeitig wird die Cybersicherheit durch eine gezielte Segmentierung des Datennetzes gestärkt, um die betriebskritische Infrastruktur wirksam zu schützen.
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