Geschäftsbericht 2025 – ÖBB-Infrastruktur AG
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 23 Absatz und Vertrieb Risiken bestehen vor allem durch diverse geopolitisch getriebene Unsicherheiten in Bezug auf Konjunkturentwicklung und die damit verbundenen Transportmengen im Güterverkehr (Rückgang der industriellen Produktion), durch verschärften Kostendruck, durch steigenden Wettbewerb bzw. intermodale Konkurrenz (Wettbewerbsfähigkeit ist u. a. abhängig von relativen Kostenstrukturen und kann zu Modal-Split-Verlusten führen) und durch Verfahren in Bezug auf Wege- bzw. Bahnstromnetzentgelte. Ein Großteil der schon Jahre dauernden Verfahren konnte im Jahr 2025 durch eine marktweite Bereinigung eingestellt werden – durch Verhandlung mit bzw. unter Einbeziehung der betroffenen EVU und der Regulierungsbehörde (Schienen-Control-Kommission). Unsicherheiten gibt es auch bezüglich der Auswirkungen von sanierungsbedingten Streckensperren im Schienennetz der Deutschen Bahn, da vor allem die Auswirkungen auf die grenzüberschreitenden Verkehre bzw. auf Terminalleistungen noch nicht vollumfänglich abgeschätzt werden können. Die Beobachtung und Analyse des Kund:innenverhaltens sowie eine gezielte Anpassung des Angebots mindern diese Risiken ebenso wie rollierende Energiebeschaffung, um Kund:innen wettbewerbsfähige Preise bieten zu können. Ab 2026 werden z. B. die Produkte im Bereich Energie an die neuen Bedürfnisse der Reisenden angepasst. Durch diese Maßnahme wird auch die Chance erhöht, neue Kund:innen zu gewinnen und das Marktpotenzial bestehender Kund:innen weiter auszuschöpfen. Personal, Führung und Organisation Unsicherheiten hinsichtlich der Inflationsentwicklung bergen Risiken für die geplanten Gehaltsvalorisierungen, da es zu jährlichen Abweichungen bei Gehaltsabschlüssen kommen kann. Zur Risikominderung wurden bereits verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Ertragssituation und zur Kostenreduktion umgesetzt. Bei anhaltend hoher Inflationsdynamik und entsprechend steigenden Gehaltsvalorisierungen wären jedoch zusätzliche Kompensationsmaßnahmen zur Abfederung der Ergebniseffekte nur noch eingeschränkt möglich. Der generelle Fachkräftemangel in Österreich kann dazu führen, dass es durch die fehlende Verfügbarkeit von bestimmten Mitarbeiter:innengruppen (wie z. B. Verschieber:innen) oder durch eine erhöhte Fluktuation bei Schlüsselkräften zu Engpässen kommt. Zur Minderung des Risikos des Fachkräftemangels setzt die ÖBB-Infrastruktur AG sowie der Gesamtkonzern auf ein Bündel strategischer Maßnahmen. Dazu zählen die gezielte Personalgewinnung und der Ausbau von Ausbildungs- und Qualifizierungsprogrammen für kritische Funktionen wie Verschieber:innen und Fahrdienstleiter:innen. Ergänzend werden Initiativen zur Mitarbeiterbindung umgesetzt, etwa durch flexible Arbeitszeitmodelle, Karrierepfade und Weiterbildungsangebote. Die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen (z. B. im Rahmen der Agenda29 ) trägt zusätzlich dazu bei, den Personalbedarf in sensiblen Bereichen zu reduzieren. Zudem verbessern die ÖBB laufend ihr Employer-Branding. Trotzdem besteht das Risiko, dass durch Nicht- bzw. Teilumsetzung von geplanten Maßnahmen wie z. B. Effizienzsteigerungen, Recruiting und Wissenstransfer Personalmehraufwand entsteht. Um dieses Risiko zu mindern, erfolgt ein umfassendes Monitoring (Tracking von Frühindikatoren wie Time to Hire, Frühfluktuation, Bindungs- / Zufriedenheitsindikatoren, Wissenstransfer-Monitoring etc.). Finanzen / Rechnungswesen Nahezu alle Energie-Absicherungsgeschäfte der ÖBB-Infrastruktur AG gelten gemäß IFRS 9 als Derivat. Der überwiegende Teil der Absicherungsgeschäfte kann unter der Voraussetzung, dass der Bezug garantiert ist, als Cashflow Hedge dargestellt werden, und die Bewertung zum Fair Value ist damit nicht GuV-wirksam (das ist bei rd. 90 % des Portfolios gegeben). Ein kleiner Teil der Planeinkaufsmenge muss aufgrund von Schwankungen der Eigenerzeugung bzw. des tatsächlichen Verbrauchs ergebniswirksam zum Fair Value bewertet werden. Mit hohen Volatilitäten an den Energiemärkten, wie sie bereits 2022 stattgefunden haben, gehen je nach Marktentwicklung entsprechende Bewertungsrisiken / -chancen einher, die als „Bilanzierungsrisiko Strom“ erfasst sind. Recht und Haftung Der Code of Conduct enthält und regelt die ethischen Grundsätze und allgemeinen Prinzipien, an denen das wirtschaftliche Handeln des Konzerns ausgerichtet ist. Durch diesen Kodex wird das Risiko von Kosten durch Strafen bei Verstößen gegen kartellrechtliche Bestimmungen gemindert. Das 2013 eingerichtete Compliance-Team arbeitet vor allem in diesem Risikofeld als Teil eines Risikofrüherkennungs- und Überwachungssystems. Das dient in weiterer Folge auch der Risikovermeidung und somit auch der Schadensabwehr.
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