Geschäftsbericht 2025 – ÖBB-Infrastruktur AG

ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 22 Operativer Betrieb Risiken aus höherer Gewalt und Naturgefahren wird mit etablierten Systemen und Programmen begegnet. So ist etwa ein Naturgefahrenmanagement implementiert (inkl. Wetterinformationssystem, Hochwasserinformationssystem, Naturgefahrenhinweiskarte). Neben anderen wetterinduzierten Risiken stellt Hochwasser eine bedeutende Naturgefahr für die Schienenverkehrsinfrastruktur in Österreich dar. Um den Risiken von Hochwasser zu begegnen, wurden bereits zahlreiche Vorsorgemaßnahmen getroffen, die kontinuierlich überprüft und weiter ausgebaut werden – so auch im Kontext des außergewöhnlichen Hochwasserereignisses im September 2024, das einen hohen Schaden verursachte. Als Reaktion wurde ein umfassendes Projekt zur Analyse der Naturgefahrenpotenziale und zur Ableitung bzw. Priorisierung von konkreten Maßnahmen in Verbindung mit einer Erhöhung der Resilienz initiiert, die teilweise bereits in bestehende Regelwerke und Richtlinien integriert wurden bzw. zur Steigerung der Anlagenresilienz bereits baulich umgesetzt wurden. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgte durch die Technische Universität Wien. Die Ergebnisse bilden eine fundierte Grundlage für strategische Weiterentwicklungen und nachgelagerte Projekte, für die im aktuellen Rahmenplan bereits in Form eines Programms finanziell vorgesorgt wurde, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Extremereignissen zu erhöhen. Niederschlagsmengen haben auf die Eigenerzeugung von Bahnstrom mitunter hohen Einfluss – durch ein Trockenjahr kann sich zwischen der Eigenerzeugungsprognose und der tatsächlichen Erzeugung eine nicht unerhebliche Differenz ergeben. Dadurch müssen Mindermengen auf dem Markt gedeckt werden, wobei bei einem Trockenjahr tendenziell auch mit höheren Preisen zu rechnen ist – die Energiepreisentwicklungen und Volatilitäten insbesondere im Jahr 2022 haben gezeigt, dass ein Risikoeintritt mit entsprechend hohen Auswirkungen verbunden sein könnte. Diesem Risiko begegnet man u. a. durch Speicheroptimierung und einer rollierenden Beschaffungsstrategie, um die Auswirkungen im Falle des Risikoeintritts möglichst gering zu halten. Im Zuge der durchgeführten Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse wurden abseits der üblichen jährlichen Niederschlagsvolatilitäten auf lange Sicht keine erheblichen Klimarisiken für die Eigenerzeugung von Bahnstrom identifiziert. Ausfallsrisiken im Bereich sämtlicher Telekommunikationsservices und der wesentlichen Datennetzdienste für den Bahnbetrieb begegnet man mit präventiven Maßnahmen zur Risikoreduktion wie Notfallplänen, Schaffung von Redundanzen oder einer örtlichen Verlagerung der Standorte. Trotz grundsätzlich extrem hoher Ausfallsicherheit der Betriebsführungszentralen können Teil- oder Totalausfälle durch Terrorismus, Sabotage oder Elementarereignisse wie Brand nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Daher ist ein gesamtheitliches Ausfallskonzept für Schlüsselelemente wie Stellwerke, Fernsteuerbereiche, BFZ-Zellen und Kund:inneninformationssysteme Teil der Betriebsführungsstrategie. Um das Risiko eines Umsatzrückgangs und Mehraufwands durch Qualitätsprobleme bei Anlagen zu vermindern, werden als Maßnahme regelmäßige Überprüfungen der Anlagen durchgeführt. Zur Risikominderung von durch ÖBB Mitarbeiter:innen verursachten Unfällen werden laufend Schulungs- und Informationsveranstaltungen organisiert. Das Risiko terroristischer Attacken wird sowohl durch gezielte Maßnahmen und Anweisungen (Verhaltensempfehlungen) als auch durch die enge Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Inneres gemindert. Um auf die Auswirkungen eines Blackouts infrastrukturseitig besser vorbereitet zu sein, wurden einerseits spezifische Störfallkonzepte im Betriebs- und Energiebereich erstellt, andererseits Blackout-Krisenstabsübungen durchgeführt – u. a. wurden Konzepte zur Notstromversorgung und alternative Kommunikationsmittel getestet, um die Betriebsfähigkeit kritischer Anlagen für mehrere Stunden sicherzustellen. Analog dazu wurden auch Cyberangriff-Krisenstabsübungen durchgeführt. Ziel war die Überprüfung von Abläufen, die Identifikation von Schwachstellen sowie die Verbesserung der Koordination zwischen zentralem Krisenstab und regionalen Ereignisstäben. Ergänzend zu den Übungen wurden spezifische weitere Maßnahmen umgesetzt, wie z. B. die Nachrüstung der Stromversorgung für Sicherungsanlagen und Datenwege. Sämtliche Maßnahmen sind in den relevanten Prozessen verankert und werden regelmäßig überwacht, um die Resilienz gegenüber spezifischer Krisenszenarien wie Blackout, Cyberangriffen oder Naturgefahren nachhaltig zu stärken. Ein konzernübergreifendes Projekt zur Blackout-Vorsorge unter Federführung der ÖBB-Infrastruktur AG wurde bereits 2022 initiiert bzw. umgesetzt. Die bestehenden Notfall- und Krisenpläne werden laufend evaluiert und durch jährlich durchgeführte Übungen überprüft. So wurden aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf russische Gaslieferungen bzw. auf ukrainische Gasdurchleitungen unter der Leitung des ÖBB Infrastruktur-Konzerns ein stufenweiser Notfallplan entwickelt (in Hinblick auf einen Gaslieferstopp bzw. einen Energielenkungsfall) und im Oktober 2022 konzernweit in Kraft gesetzt. Zielsetzung ist, dass bei Bedarf durch zielgerichtete Maßnahmen der Bahnverkehr auch mit reduzierter Energieverfügbarkeit aufrechterhalten werden kann.

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