ÖBB Geschäftsbericht 2022
101 Konzernlagebericht Qualität und Kund:innenzufriedenheit Die wichtigsten Zufriedenheitskriterien – wie die Leistungen durch die Mitarbeiter:innen (persönliche Beratung am Schalter / Betreuung bei der Fahrt / Reise), Sicherheit, Sauberkeit sowie Informationen im Regelfall – weisen weiterhin gute bis sehr gute Werte auf. Die Zufriedenheit mit dem Preis-Leistungsverhältnis und der Pünktlichkeit der Bahn konnte sogar noch verbessert werden. Die Kund:innen fühlen sich im Regelfall an den Bahnhöfen und durch die Postbuslenker:innen im Bus gut informiert und betreut. Zufrieden sind die Kund:innen mit dem Fahrkomfort und der Bequemlichkeit sowie der Sauberkeit im Zug und in den Bussen. Die Ergebnisse zeigen trotz der schwierigen Rahmenbedingungen, wie wichtig und erfolgreich das Engagement, der Einsatz und der Service der Kolleg:innen im direkten Kund:innenkontakt sind. Wenngleich sich der Umgang mit der COVID-19-Pandemie im Jahr 2022 entspannt hat, zieht nun dafür die wirtschaftlich und politisch angespannte Lage mit hohen Unsicherheiten, Änderungen im Konsumverhalten und somit auch im Mobilitätsverhalten mit sich. Umso wichtiger bleibt es auch zukünftig für die ÖBB, sich stark auf die Bedürfnisse der Kund:innen zu fokussieren und adaptierte Mobilitätslösungen unter Berücksichtigung krisenbedingter Änderungen im Mobilitätsverhalten anzubieten. Für die ÖBB bleibt es weiterhin entscheidend, gezielt Maßnahmen zur Steigerung der Kund:innenzufriedenheit, Loyalität der Bestandskund:innen und Gewinnung neuer Kund:innen zu setzen. Des Weiteren werden konzernübergreifend Initiativen für die beeinflussbaren Faktoren der Pünktlichkeit gesetzt und kund:innenzentrierte Produkte und Services entwickelt. Im positiven Sinne kann die Krisenzeit als eine aktive Transformation betrachtet werden, in der es gilt, den Mobilitätsmarkt effizient und kundenzentriert zu gestalten. Neue Technologien wie auch neue gesetzliche Regelungen verändern den Markt grundlegend. Durch den Eintritt neuer Mitbewerber sowie durch neue innovative Geschäftsmodelle und den Anstieg der Wettbewerbsintensität ist Mobilität zunehmend als Service zu verstehen. Die ÖBB verstehen sich als treibende Kraft in der Mobilitätswende und sind Teil der Lösung. Die ÖBB bewegen (sich): von der Dampflok über die E-Mobilität zum digitalen Service mit analoger Beförderung. Güterverkehr: Produktionsvolumen prägt den Schienengüterverkehr Die ÖBB sind der bevorzugte Partner der Kund:innen. Mit der End-to-End-Bahnlogistik im europäischen Netzwerk ist die Rail Cargo Group auch für mittelständische Neukund:innen ein attraktiver Partner. Die RCG arbeitet kontinuierlich an der Vereinfachung des Zugangs zum System Schiene – durch Investition in ihr Digitalisierungsprogramm „Cargo1492“ sowie Produkt- und Assetinnovationen. Das RCG- Team gestaltet gemeinsam die Transformation und liefert eine überzeugende und profitable Leistung ab. Produktions- und Mengenentwicklung Der Güterverkehr ist zunehmend von der Ukrainekrise, den steigenden Energiepreisentwicklung und der Drosselungen von Produktionen sowie von Material- und Lieferengpässen betroffen. Zusätzlich werden Logistikströme von einzelnen Störfallen (z. B. OMV) immer wieder unterbrochen. Nichtsdestotrotz konnten seit Beginn der Ukrainekrise auch neue Verkehrsströme organisiert und zusätzliche Mengen u. a. im Containerverkehr, aber auch Getreideverkehre aus der Ukraine transportiert werden. Möglich gemacht haben das ein starkes, kund:innenorientiertes Team und ein ausgeprägtes Netzwerk sowie Flexibilität. Die angespannte Containersituation in beinahe allen europäischen Häfen, im Bahnnetzwerk und auch in den Hinterlandterminals hält weiter an und verursacht Verwerfungen in den maritimen Supply-Chains. Kohle-, Erz-, Koks-Ströme werden aufgrund der Ukrainekrise sowie großflächigen Bahninfrastrukturprojekten in Europa verlagert. Davon sind Mengenentwicklungen und Marktwachstum negativ betroffen. Vor allem Stahlproduzenten suchen nach Alternativen. Diese finden sich vor allem in Australien, Asien und USA, was zu einer Überlastung der europäischen Hafeninfrastruktur führt. Die Mengenentwicklung der rollenden Landstraße wird durch Abnahme des Verlagerungsdrucks, durch Zugauslegungen aufgrund von Baustellen oder durch Blockabfertigung sowie durch den Wegfall der Russland- und Ukraine-Lkw negativ beeinflusst. Ein Trend zur Schiene ist dennoch spürbar. So konnten auch viele Neuverkehre gewonnen werden. Regulatorische Rahmenbedingungen unterstützen bzw. fördern diesen Trend (z. B. Abfallwirtschaftsgesetz Neu). Wachstum ist somit, trotz der wirtschaftlichen Entwicklungen am internationalen, als auch am nationalen Markt möglich. Faktorkostenentwicklung durch Wirtschaftskrise Auch im Güterverkehr führen sowohl massive Kostensteigerungen für Energie, Personal und Material als auch die veränderten Bedingungen am Kapitalmarkt zu einer hohen Belastung für die wirtschaftliche Entwicklung. Die erheblichen Faktorkostenanstiege können nur teilweise durch die Einführung eines Energiepreis-Floaters ausgeglichen werden. Daher muss den massiv steigenden Produktionskosten mittels entsprechender Preisgestaltung gegengesteuert werden. LB42 |
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