ÖBB Geschäftsbericht 2022

Vorstand & Aufsichtsrat 8 Grenzen hinweg. Der eingeschlagene Weg der Internationalisierung ist zu begrüßen, muss aber gleichzeitig mit einem Appell für eine vereinheitlichte europäische Schienenverkehrspolitik verbunden werden. Heute Grundlagen für morgen schaffen Entsprechend positiv ist in diesem Zusammenhang die Unterstützung der österreichischen Verkehrspolitik für das Bahnsystem zu bewerten. Sie anerkennt die Wichtigkeit eines nachhaltigen und leistbaren Verkehrsangebots und unterstützt dieses mit einem Rekordinvestitionsprogramm. 19 Milliarden Euro stehen in den kommenden Jahren für den Ausbau der Bahninfrastruktur und damit zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrsangebots zur Verfügung. Diese Investitionen stärken die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn gegenüber der Straße und sind damit auch eine wichtige Grundlage für einen starken Wirtschaftsstandort und eine nachhaltige Lebensqualität in Österreich. 2028 läuft ein großer Teil der Verkehrsdiensteverträge der ÖBB-Personenverkehr AG aus. Der Druck, wettbewerbsfähig zu sein, wird also weiter steigen. Das gilt für den Personenverkehr, aber schon viel länger für den Postbus und umso mehr für den Güterverkehr der ÖBB. An die 60 Güterverkehrs- unternehmen waren im letzten Jahr auf Österreichs Schienen unterwegs. Trotzdem ist es der Rail Cargo Group gelungen, ein stabiles Ergebnis zu erzielen. Eine starke Leistung angesichts eines geopolitisch wie konjunkturell mehr als herausfordernden Umfelds und einmal mehr eine Bestätigung für die Krisenfestigkeit und Resilienz der ÖBB angesichts von sich kurzfristig radikal verändernden Rahmenbedingungen. Die Digitalisierung, die sich mittlerweile durch sämtliche Arbeitsbereiche der ÖBB und alle Ebenen der Kund:innenbeziehungen zieht, eröffnet große Chancen – bringt aber auch riesige Herausforderungen mit sich, denen sich die ÖBB laufend neu zu stellen haben. Beispielhaft sei hier die neue App SimplyGo! erwähnt, mit der die flexible und spontane Nutzung von Bahn und Bus sowie anderer Öffis so einfach wie noch nie möglich ist. Für die Rail Cargo wird die Digitale Automatische Kupplung (DAK) einen Meilenstein in der Prozessoptimierung darstellen und die harte wie gefährliche Arbeit im Verschub deutlich vereinfachen und vor allem sicherer machen. Nicht zuletzt wird die fortschreitende Digitali- sierung im Bahnbetrieb mehr Trassenkapazität auf der bestehenden Infrastruktur schaffen und damit eine wesentliche Grundlage für die angestrebte Verkehrswende bilden. Fachkräfte sind die größte Herausforderung Die mit Abstand größte Herausforderung für den ÖBB-Konzern wird es sein, die dringend benötigten Fachkräfte zu finden. Die ÖBB sind damit nicht alleine – quer durch alle Branchen stehen Unternehmen vor derselben Aufgabe. Die ÖBB sind jedoch doppelt gefordert. Denn zum einen werden die Aufgaben der ÖBB angesichts von Verkehrswende und hohen Investitionen in den öffentlichen Verkehr weiter wachsen, zum anderen gilt es, eine große Personallücke zu füllen. Mehr als ein Drittel aller Mitar- beiter:innen wird in den nächsten Jahren in Pension gehen. Im Wettbewerb um die besten Talente verfügen die ÖBB über drei große Vorteile: sichere Jobs, eine sinnerfüllte Tätigkeit und eine breite Palette an spannenden Berufen, die durch die Digitalisierung insbesondere für junge Menschen attraktiv sind. Auf diese Qualitäten gilt es aufzubauen, um neue Talente für die ÖBB zu gewinnen. Denn die demografische Entwicklung und der dynamische Arbeitsmarkt machen es umso notwendiger, als Arbeitgeber langfristig attraktiv zu sein. »Das Ziel der ÖBB muss es sein, 100 Prozent der benötigten Energie selbst zu produzieren, das hat uns der Energiemarkt auf dramatische Weise verdeutlicht.«

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