ÖBB Geschäftsbericht 2022
126 Konzernlagebericht Die Umsetzung erfolgt mit sechs Stoßrichtungen im Bereich Mobilität. Dabei soll mittels eines mehrstufigen Elektrifizierungsplans der Elektrifizierungsgrad des ÖBB-Schienennetzes bis 2030 auf 85% und bis 2035 auf 89% angehoben werden, sofern die technologische Weiterentwicklung alternativer Antriebstechnologien nicht zu einer höheren Wirtschaftlichkeit auf diesen Strecken aus Systemsicht führt. Aktuell werden bereits über 90% der ÖBB Verkehrsleistungen auf der Schiene mit Elektrotraktion auf den elektrifizierten Strecken des ÖBB Netzes durchgeführt. Für Nebenstrecken und Verschubbereiche, deren Elektrifizierung aus wirtschaftlichen Gründen nicht darstellbar ist, soll die aktuelle Dieselflotte schrittweise durch alternative Antriebstechnologien ersetzt werden. Aber auch abseits der Schiene wollen die ÖBB sowohl im innerbetrieblichen Verkehr als auch im Busbereich auf alternative Antriebe umsteigen. Speziell bei der Umstellung der Busflotte der Österreichischen Postbus AG hat dies in Abstimmung mit den Auftraggebern der Verkehrsdienstleistungen (Leistungsbesteller) zu erfolgen. Mit der 2018 erfolgten Umstellung auf Strom aus erneuerbaren Quellen wurde ein bedeutender Meilenstein bei der Stoßrichtung Erneuerbare Energie gesetzt. Beim Drehstrom für Betriebsanlagen wie Gebäude, Werkstätten oder Weichenheizungen erfolgte eine Umstellung 2019. Strom aus erneuerbaren Energien ist die zentrale Säule für die Klimafreundlichkeit der Bahn. Allerdings ist damit zu rechnen, dass die Kosten für erneuerbare Energien weiter steigen werden. Um in Zukunft noch unabhängiger vom Markt agieren zu können, soll daher die ÖBB Eigenversorgung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern (Sonne, Wind, Wasser …) weiter erhöht werden. Energie, die nicht verbraucht wird, spart Kosten und CO 2 . Der Schwerpunkt bei der Energieeffizienz im ÖBB-Konzern liegt auf der Optimierung der Betriebsführung von Zügen und beim effizienteren Einsatz von Strom und Diesel. Mit der sechsten und letzten Stoßrichtung im Bereich Mobilität soll die Erhöhung der Auslastung im Verkehr forciert werden. Fahrzeugflotten intelligenter beziehungsweise effizienter zu nutzen, um mehr Personen und Güter in Zügen und Bussen zu befördern, steht hier im Fokus. Die eingesetzten Transportfahrzeuge unter Verwendung der erforderlichen Energieformen optimal auszulasten, ist eine wesentliche Maßnahme für die Klimafreundlichkeit des Verkehrs. Die im Jahr 2021 gestartete Erarbeitung des Dekarbonisierungspfad „Mobilität“ wurde 2022 mit einer Erstfassung Ende des ersten Halbjahres abgeschlossen. Der Stand Juni 2022, mit den bis dahin fixierten Maßnahmen bis 2030 zeigt – ausgehend vom Basisjahr 2019 mit CO 2 eq-Emissionen in Höhe von rd. 222.000 t – erste Einsparungspläne in der Höhe von rd. 71.000 t CO 2 eq-Emissionen. Im Bereich Schiene und innerbetrieblicher Verkehr zeigt der aktuelle Stand des Dekarbonisierungspfades Mobilität eine Reduktion von knapp 70% der THG-Emissionen. In Summe ergibt sich mit dem aktuellen Maßnahmenportfolio eine Reduktion der THG-Emissionen um 32%. Diese definierten Reduktionsmaßnahmen reichen für eine (realistisch leistbare) Dekarbonisierung des Mobilitätsbereichs 2030 noch nicht aus (= Null CO 2 nach Kompensation) – weitere Reduktionsmaßnahmen sind daher erforderlich. Der ÖBB Schienenbereich ist einer Dekarbonisierung 2030 aktuell näher als der Busbereich, der eine schwierigere Ausgangssituation zu bewältigen hat (Abhängigkeit von Leistungsbestellern). Auch fehlen im Busbereich noch geeignete Rahmenbedingungen (z. B. Finanzierungen, technologische Lösungen, …) – aber insbesondere auch Vorgaben durch Besteller bzw. ausschreibende Stellen. Der Dekarbonisierungspfad Mobilität wird jährlich bewertet und um neue Maßnahmen ergänzt. Diese Maßnahmen kommen in weiterer Folge auch dem Klimaaktiv-Pakt des Klimaschutzministeriums (BMK) zugute, bei dem die ÖBB und zehn weitere Großbetriebe seit 2021 teilnehmen. Das gemeinsame Ziel ist es, den CO 2 -Ausstoß bis 2030 gegenüber 2005 mindestens zu halbieren. Highlights 2022 Bei der Umrüstung auf alternative Antriebe hat sich 2022 einiges getan. Im südlichen Weinviertel haben im Sommer 11 E- Busse den Betrieb aufgenommen. In Villach sind die fünf ersten wasserstoffbetriebenen Busse im täglichen Linienverkehr unterwegs. Mit der 2022 gestarteten Ausschreibung zur Neubeschaffung von eHybrid Verschublokomotiven wird auch bei der „last-mile“ im Schienenverkehr zur Umstellung auf alternative Antriebe beigetragen. Auch in den Ausbau erneuerbarer Energien wurde in den vergangenen Jahren einiges investiert, so konnte im Herbst die weltweit erste 16,7-Hz-Prototyp-Windkraftanlage mit circa 3 MW und einer Produktion von 6,75 GWh in Betrieb genommen werden, die direkt in die Oberleitung der Ostbahn (Wien – Budapest) einspeist. Im Bereich der 50 Hz Photovoltaikanlagen wurde das 2020 gestartete Ausbauprogramm konsequent fortgesetzt. Bis Ende 2022 wurde der Anlagenbestand auf insgesamt 23 50-Hz-Anlagen mit einer Jahresstromproduktion von rund 2.600 MWh erhöht. Aber speziell im Bereich Energie war 2022 kein einfaches Jahr, denn die Energiekrise und die dadurch bewirkte Teuerung treffen auch die ÖBB. Umso mehr geht es darum, mit dem wertvollen Gut Energie effizient umzugehen und wo es möglich ist, Energie zu sparen. Neben den schon mittel- u. langfristig laufenden Schwerpunkten des Energieeffizienzprogramms der ÖBB wurden ab September 2022, unter Berücksichtigung der Qualitäts- und Sicherheitsstandards, an allen Standorten unterschiedliche Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs forciert, wie zum Beispiel Reduktion der Raumtemperatur in Büros und Werkstätten – aber auch der Heiztemperatur in Zügen und Bussen und vieles mehr. Diese wurden von einer ÖBB-internen Bewusstseinsbildungs-Kampagne begleitet, die auch Anfang 2023 fortgeführt wird. Zusätzlich dazu haben sich die ÖBB auch auf mögliche Energielenkungsmaßnahmen durch die Bundesregierung vorbereitet. | LB67
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