ÖBB Geschäftsbericht 2022
144 Konzernlagebericht Bei sämtlichen Neu- und Ausbauprojekten ist die Berücksichtigung der jeweiligen Roten Listen der gefährdeten Arten zu gewährleisten. Dafür kommen zusätzlich zu den Genehmigungsverfahren, die im Einklang mit Natur- und Artenschutzrecht geplant und umgesetzt werden, auch spezifische, umwelt- und naturschutzbezogene Regelwerke zum Einsatz (Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen, RVS bzw. Richtlinien und Vorschriften für das Eisenbahnwesen, RVE). Im Jahr 2022 wurden 8.340 Gleiskilometer auf eine vorhandene Vegetation kontrolliert (vgl. 2021: + 6,3 %) und bei Bedarf mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Zum Einsatz kamen dabei rd. 1,2 t von Wirkstoffen (Flumioxazin, Flazasulfuron, Iodosulfuron, Diflufenican), 4,2 t weniger als im Vorjahr (vgl. 2021: -78 %). Die große Differenz hängt mit dem Glyphosatausstieg zusammen. Die alternativen Pflanzenschutzmittel werden in viel geringeren Aufwandmengen verwendet. Beim Vergleich der tatsächlich behandelten Gleisfläche und der kontrollierten Gleisfläche wird ersichtlich, dass verglichen mit 2021 1% ௗ weniger kontrollierte Flächen als im Vorjahr auch tatsächlich behandelt werden mussten. Bei der Interpretation der Kennzahlen gilt es zu bedenken, dass sowohl der Pflanzenwuchs auf der Gleisfläche durch unterschiedliche Umweltfaktoren wie beispielsweise Regen oder Hitze beeinflusst werden. Gleiches gilt auch für den Einsatz von Spritzgeräten. Wichtige Kennzahlen auf einen Blick 2021 2022 Menge an eingesetztem Wirkstoff pro Jahr (kg) 5.397 1.168 Auf Vegetation kontrollierte Gleiskilometer (km) 7.847 8.340 Auf Vegetation kontrollierte Fläche (ha) 5.290 5.642 Tatsächlich behandelte Fläche (ha) 1.710 1.775 Behandelter Anteil der kontrollierten Fläche (%) 32 31 Highlights 2022 Im Zuge der Beteiligung der ÖBB-Infrastruktur AG am EU Life – Danube Free Sky, konnten im Jahr 2022 mehr als 22 km Bahnstrecke in für den Vogelschutz hochsensiblen Bereichen mit Isolationskappen ausgerüstet werden. So werden die Vögel vor Stromschlag geschützt. Nachdem bereits 2021 in zwei Kärntner Gemeinden ein Pilotprojekt zur nachhaltigen und naturbelassenen Grünraumbewirtschaftung umgesetzt wurde, konnte 2022 das Projekt „Blühwiese“ österreichweit ausgerollt werden. Insgesamt wurden rund 13.000 m 2 Grünflächen im unmittelbaren Bahnhofsbereich zu Natur- und Insektenoasen umfunktioniert. Bei jeder einzelnen Fläche soll das Optimum für die Natur und die Biodiversität erreicht werden. Dafür wurden die verschiedensten Arten von Blühwiesen angesetzt. Mit Erfolg: die Blühwiesen dienen nicht nur als wichtige Nahrungsquelle für unterschiedliche Bienen- und Insektenarten, sondern sind zugleich Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Vögel und Kleintiere. Ein weiteres Highlight des Jahres 2022 war der Gewinn des IENE Project Awards bei der Konferenz in Cluj / Rumänien. IENE steht für Infrastructure and ecology network Europe und ist eine Institution, die bereits 1996 vom holländischen Ministerium für Transport, öffentliche Bauvorhaben und Wassermanagement ins Leben gerufen wurde. Sie dient als globale Vernetzungs-, Wissens- und Erfahrungsaustauschplattform für sämtliche Akteure des Transportinfrastruktursektors (Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs). Alle zwei Jahre wird eine große, internationale Konferenz organisiert. Beim diesjährigen Event in Cluj konnte die ÖBB-Infrastruktur AG mit der Wildbrücke Aich / Mittlern an der Kärntner Koralmbahn den „project-award“ gewinnen. Die vor Ort errichtete Wildbrücke, besticht durch einen stark reduzierten Materialeinsatz von Bewehrungsstahl (-65%) und Beton (-50%) im Vergleich zu einem konventionellen Rahmentragwerk. Um das zu ermöglichen, kommt weltweit erstmalig eine Freiformschale, mittels pneumatisch aufgeblasener Betonplatten zum Einsatz. Durch den effizienten Materialeinsatz ergibt sich eine Reduktion von Vorläuferemissionen im Ausmaß von 1.300 t CO 2 . Diese Konstruktionsmethode wurde in enger Zusammenarbeit mit der TU Wien und der Projektleitung „2“ der Koralmbahn entwickelt und umgesetzt. Bei diesem Projekt wurden somit die Ziele des Naturschutzes und des Klimaschutzes in vorbildlicher Weise verfolgt und diese Innovation einem internationalen Fachpublikum aus aller Welt präsentiert. Unter aktiver Mitwirkung der ÖBB-Infrastruktur AG konnte 2022 auch das Projekt „Reverse“, welches im Rahmen der Zusammenarbeit im internationalen Dachverband der Eisenbahnen (UIC) betrieben wurde, abgeschlossen werden. Reverse befasste sich mit den negativen, ökologischen Auswirkungen der Bahn auf die Biodiversität und hat dazu zwei Publikationen hervorgebracht. Damit liegen nun erstmals international abgestimmte Leitlinien für Erhalt und Förderung der biologischen Vielfalt im Bahnumfeld vor. Anlässlich des Weltbienentags hat die Rail Cargo Group innerhalb des gesamten Teilkonzerns 20 Bienen-Pakete – jeweils bestehend aus einem ÖBB Bienenhotel und einem ÖBB Schienenhonig – verlost. Über 80 Mitarbeiter:innen haben sich zum Gewinnspiel angemeldet. Pünktlich zum 20.05.2022 kamen die Preise bei den Mitarbeiter:innen in Österreich, Deutschland, Ungarn, Bulgarien und Italien an. | LB85
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