ÖBB Geschäftsbericht 2022
15 #RichtungZukunft LEISTUNGEN AUSLOBEN. Werbeplakat aus dem Jahr 1953 NEUER KOMFORT. Modernes Reisen in den 1960er-Jahren 1945 bis 1955. Die Aufräumarbeiten Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches im Mai 1945 wurde Österreich von den vier alliierten Großmächten in den Grenzen von 1937 wiederhergestellt und in vier Besatzungs- zonen aufgeteilt. Aus Sicht der Bahn lag das Hauptaugenmerk der ersten Wochen und Monate auf der raschen Schaffung einer neuen Organisationsform – vorerst unter dem Titel „Österreichische Staatseisenbahnen“. Aber auch der Betrieb sollte umgehend wieder anlaufen. Eine rasche – oftmals provisorische – Befahrbarmachung zerstörter Streckenabschnitte und die Reparatur von beschädigten Lokomotiven und Wagen wurde vorange- trieben. Mithilfe der Bahn sollten ehestmöglich Lebens- mittel- und Versorgungstransporte für die Bevölkerung durchgeführt und die österreichische Wirtschaft wieder angekurbelt werden. Neben der Wiederherstellung von Strecken, Gebäuden und Fahrzeugen wurden gegen Ende der 1940er-Jahre auch erste Neubauaktivitäten gesetzt. Infolgedessen wurden für die Elektrifizierungsvorhaben leistungsstärkere Lokomotiven auf dem neuesten Stand der Technik sowie moderne Wagen entwickelt und von der Industrie ausgeliefert. 1955 bis 1970. Das Wirtschaftswunder Mit dem Abschluss des Staatsvertrages am 15. Mai 1955 hatte Österreich seine Eigenständigkeit wiedererlangt. Allerdings musste Österreich noch weitere zehn Jahre Reparationszah- lungen, insbesondere an die Sowjetunion, leisten. Hauptanteil davon waren Rohöllieferungen aus dem Weinviertel. Das Öl wurde in Kesselwagen der Bundesbahn in die Sowjetunion transportiert. Ende der Fünfzigerjahre wurde auf den nicht elektrifizier- ten Strecken mit der Traktionsumstellung vom Dampf- zum Dieselbetrieb begonnen. Mit dem allgemeinen Wirtschaftsauf- schwung des Landes nahm aber auch die Konkurrenz durch den rasch wachsenden Straßenverkehr zu. Gütertransporte und Urlaubsfahrten verlagerten sich immer mehr auf die Straße. Um einer möglichen Abnahme im Personenverkehr gegenzu- steuern, wurde 1962 in Wien die erste S-Bahn Österreichs in Betrieb genommen und die Schnellbahnstammstrecke mit den ersten Streckenästen nach Gänsern- dorf und nach Stockerau eröffnet. Das neue Reiseerlebnis wurde mit modernen Triebwagenzügen der Reihen 4030 und 4030-200 abgerundet. Diese ermög- lichten zudem einen raschen Richtungs- wechsel in den Wendebahnhöfen. Auch im Fernverkehr kam es zu Verbesserungen. 1963 konnte endlich die Südbahnstrecke durchgehend bis zur italienischen Grenze elektrisch befahren werden. Das hatte für die Reisen- den mehr Komfort und kürzere Fahrzeiten zur Folge. Hingegen mussten die Strecken in Richtung der Länder hinter dem „Eisernen Vorhang“, also die damalige Tschechoslowakei und Ungarn, aus wirtschaftlichen Gründen redimensioniert werden. 100 Jahre ÖBB: Internetseite, Buch und Ausstellung Das 100-jährige Jubiläum wird ge- bührend gefeiert. Bereits vor dem Sommer wird eine informative In- ternetseite Ende Mai 2023 online gehen ( oebb-history.at ). Darüber hinaus wird Mitte September das Buch Einsteigen, bitte! Eine Bahnreise durch eine bewe- gende Geschichte im Molden Verlag erscheinen. Zeitgleich wird eine Ausstellung starten, welche die 100-jährige Geschichte des Unternehmens zeigt. >
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