ÖBB Geschäftsbericht 2022

#RichtungZukunft 44 Die Folgen der Pandemie scheinen wir im letzten Jahr endgültig überwunden zu haben. Zumindest deuten die Fahrgastzahlen darauf hin. Täuscht der Eindruck oder ist die Bahn zurück in der Zeit vor COVID-19? ANDREAS MATTHÄ: Für den Personenverkehr stimmt das. Mit dem Ende der Pandemie-Beschränkungen sind die Fahrgastzah- len im Fernverkehr sprunghaft nach oben gegangen. Zwischen Juni und August letzten Jahres haben wir einen wahren Bahn- boom erlebt. Das hat uns im Fernverkehr und im Nachtzug- geschäft teilweise an unsere Kapazitätsgrenzen, manchmal sogar ein Stück darüber hinaus gebracht. Und leider hatte das auch vorübergehend Auswirkungen auf unsere Pünktlichkeit. Spätestens im 4. Quartal haben wir das aber wieder in den Griff bekommen, sodass wir für das laufende Jahr wieder zu unseren Pünktlichkeitszielen, die uns jahrelang an der Spitze der EU gesehen haben, zurückkehren konnten. Beim Güterverkehr und bei der Infrastruktur hatte die Pandemie 2022 tatsächlich nur mehr einen geringen Einfluss auf unser Geschäft, dafür waren wir in diesen beiden Bereichen durch den Ukrainekrieg mit einem neuen Problem konfrontiert. Plötzlich waren gewisse Ver- bindungen nicht mehr verfügbar, Lieferketten waren unterbro- chen und nicht zuletzt hat uns die durch den Krieg ausgelöste Energiekrise in vielen Bereichen massiv gefordert. Trotz des Krieges und seinen Auswirkungen kann sich das Konzernergebnis sehen lassen. Wie ist das zu erklären? ARNOLD SCHIEFER: Der Fahrgastboom hat zu einer deutlichen Ergebnisverbesserung im Bereich des Personenverkehrs ge- führt. Die Umsatzerlöse der ÖBB-Personenverkehr AG bei- spielsweise sind um rund 200 Millionen Euro auf einen neuen Rekordwert angestiegen und der daraus resultierende Gewinn hat sich natürlich positiv auf das Gesamtergebnis des Konzerns ausgewirkt. Und das war auch gut so, denn mit den Einzel- ergebnissen der beiden anderen Teilkonzerne hätten wir als Konzern das letzte Jahr nicht so erfolgreich abschließen kön- nen. Wobei mir wichtig ist, dass das nicht als Kritik an unsere Güterverkehrssparte oder der ÖBB-Infrastruktur AG verstanden wird, denn auf beide Teilkonzerne hatten der angesprochene Krieg und die daraus folgende Energiekrise massive Auswir- kungen. So erklärt sich beispielsweise das negative Ergebnis der Infrastruktur aus den gestiegenen Energiepreisen, die zu deutlichen Mehrkosten beim Energieeinkauf geführt haben und aufgrund von Abnahmeverträgen mit fixer Preisbindung nicht an die Bahnunternehmen weitergegeben werden konnten. Multiple Krisen haben die ÖBB in den letzten Jahren also doch stark beeinflusst? Was erwarten sie für 2023? MATTHÄ: Wir sind seit 2020 mehr oder weniger von einer Krise ANDREAS MATTHÄ UND ARNOLD SCHIEFER. Die » Zwischen Juni und August letzten Jahres haben wir mit so vielen Fahrgästen wie noch nie zuvor einen wahren Bahnboom erlebt.« ANDREAS MATTHÄ INTERVIEW. CEO Andreas Matthä und CFO Arnold Schiefer über Rekorde im Personenverkehr, den angespannten Energiesektor und die mehr als spannende Suche nach neuen Mitarbeiter:innen. »Wir sind einen guten Weg gegangen«

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