ÖBB Geschäftsbericht 2022

45 #RichtungZukunft in die nächste hineingeraten. Deshalb sind wir durchaus ein wenig stolz darauf, dass wir diese Jahre in Summe wirtschaftlich gut bewältigt haben. Wir unterscheiden uns damit auch maß- geblich von anderen Bahnunternehmen in Europa, die mehrere Jahre in Folge negative Ergebnisse ausweisen mussten. Erzielen konnten wir unsere Erfolge übrigens nur, weil unsere Mitar- beiter:innen durch all die Monate eine hervorragende Leistung erbracht haben. Und weil die heimische Politik beginnend mit dem ersten Pandemiejahr dem gesamten Bahnsektor immer auch die notwendige Unterstützung zugestanden hat. SCHIEFER: Wir sind in Österreich einen sehr guten Weg gegan- gen. Der Besteller hat den Sektor Schiene unterstützt, wo es notwendig war, um das Angebot für die Kund:innen aufrecht zu erhalten, und damit die Verlagerung von Personen- und Güterverkehr auf die Schiene forciert. So haben wir trotz der Krisen ein Rekordinvestitionsprogramm in Infrastruktur und Fahrzeugbeschaffungen vorangetrieben. Soweit verstanden. Aber was bedeutet das jetzt im Ausblick für das laufende Geschäftsjahr? SCHIEFER: Wir haben trotz der Heraus- forderungen der letzten Jahre unsere Gesellschaften mit ruhiger Hand ergeb- nisstabil durch die Krise führen können. Das heißt, wir sind wirtschaftlich solide in das laufende Jahr gestartet und sehen diese Stabilität auch für die kommen- den Jahre. Bei der ÖBB-Infrastruktur AG bleibt aber sicher die Energiefrage bis auf Weiteres spannend. Denn auch wenn wir mit großem Nachdruck an eigenen Projekten arbeiten, so wird das natürlich noch einige Zeit dauern, bis wir mit den neuen Anlagen am Netz sein werden. Bis dahin sind wir auf Zukäufe angewiesen, und der Strommarkt ist ja bekanntermaßen noch immer sehr schwer berechenbar. Ähnlich ist das auch bei unseren Infra- strukturausbauplänen. Auch da wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen, wie lange die Inflation so hoch bleibt. Dies hat Auswirkungen auf Bau- und Personalkosten. MATTHÄ: Im Schienengüterverkehr bleibt die Lage sicher auch in diesem Jahr schwierig. Die hohen Energiekosten haben die ohnehin schon schwierigen Wettbewerbsbedingungen gegen- über dem Transport auf der Straße noch einmal verschlechtert. Zudem gibt es aktuell europaweit ein massives Überangebot an Lkw-Kapazitäten, was zu Dumpingpreisen geführt hat. Kurzfristig heißt das aber, dass trotz grundsätzlich steigender Transportportmengen der Lkw momentan überproportional viel vom Markt absaugt. Das ist in doppelter Hinsicht ärgerlich: Einerseits wird dadurch ein wirtschaftlicher Erfolg für das Bahn- system fast unmöglich, andererseits entfernen wir uns damit wieder von den Klimazielen im Verkehr. Deutlich positiver sehe ich demgegenüber die Perspektiven für den Personenverkehr. Da gehe ich davon aus, dass wir 2023 in Österreich einen neu- en Fahrgastrekord erzielen werden. Bleiben wir beim Personenverkehr. Da erwarten Sie ein deutliches Plus oder sogar einen Fahrgastrekord. Aber ist das – Stichwort überfüllte Züge – überhaupt bewältigbar? MATTHÄ: Ja, das schaffen wir! Zugegebenermaßen hatten wir zu Sommerbeginn 2022 Probleme, den Andrang zu bewältigen. Für mich hatte das mehrere Ursachen: Erstens waren wir tatsäch- lich ein wenig überrascht, dass die Nachfrage gleich nach den COVID-Lockdowns so sprunghaft angestiegen ist. Da haben wir Vorstände der ÖBB-Holding AG im Gespräch in der Unternehmenszentrale beim Wiener Hauptbahnhof > »Wir haben unsere Gesellschaften mit ruhiger Hand ergebnis- stabil durch die Krisen führen können.« ARNOLD SCHIEFER

RkJQdWJsaXNoZXIy NTk5ODUz