ÖBB Geschäftsbericht 2022
die unglaubliche Reiselust der Menschen nach den Jahren der Pandemie unterschätzt und diesen Fehler machen wir sicher kein weiteres Mal. Und wir haben natürlich auch in der Abwicklung dazugelernt: Wir kommunizieren heute klarer, dass es für einen fixen Sitzplatz eine Reservierung braucht, und welche Züge weniger stark frequentiert und welche eben voll sind. Zudem erweitern wir ständig unsere Flotte. Also: Ja, wir sind vorbereitet und wir werden das schaffen. Kurze Nachfrage: Welchen Anteil hat eigentlich das Klima- ticket am Bahnboom? MATTHÄ: Das Klimaticket wurde bisher über zweihunderttausend Mal verkauft und ist ein super Erfolg, um den uns heute schon einige Nachbarländer beneiden. Es macht Bahnfahren einfacher und damit attraktiver. Und natürlich bringt es uns und allen an- deren beteiligten Verkehrsunternehmen zusätzliche Fahrgäste. Und wie geht’s beim Nightjet weiter? MATTHÄ: Auch der Nightjet ist ein großer Erfolg! Wir sind mit dem Projekt moderat gestartet und fahren heute 25 euro- päische Metropolen an. Das ist schon eine beachtliche Entwick- lung in relativ kurzer Zeit, auf die wir stolz sein dürfen. Aber wir wollen mehr: mehr Destinationen, mehr Verbindungen, mehr Komfort. Deshalb haben wir ja bereits 33 neue Garni- turen bestellt. Noch einmal zum Stichwort Infrastruktur. Herr Schiefer, die Investitionen in das europäische Schienennetz bezie- hungsweise diverse Baustellen könnten laut Herrn Matthä also für das eine oder andere Problem sorgen. Läuft zu- mindest in Österreich alles nach Plan? SCHIEFER: Die europäischen Schienennetze haben teilweise hohen Investitionsbedarf, da in der Vergangenheit von der Substanz gelebt wurde. Auch hier sind wir in Österreich in den letzten Jahren schon einen Sonderweg gegangen, indem wir nicht nur massiv in den Neubau, sondern auch in die Qualität des Bestandsnetzes investiert haben. Die Herausforderung ist nunmehr, das gestiegene Verkehrsaufkommen mit den geplan- ten Baumaßnahmen unter einen Hut zu bringen und so für die Kund:innen Pünktlichkeit und Planbarkeit trotz der Eingriffe ins Schienennetz zu gewährleisten. Wie ist der Stand bei den Großprojekten von der Koralm- bahn bis zum Semmering-Basistunnel? SCHIEFER: Dass der Semmering-Basistunnel später fertig wird als ursprünglich geplant, ist ja mittlerweile allgemein bekannt. Da gilt die alte Tunnelbauerweisheit: „Das Tempo bestimmt letztendlich der Berg“. Aber grundsätzlich laufen alle unsere Infrastrukturprojekte weitestgehend nach Plan. Und die »Bis 2030 wollen wir unseren Energieverbrauch zu 80 Pro- zent durch Eigenversorgung abdecken.« ANDREAS MATTHÄ ANDREAS MATTHÄ. „Das Klimaticket wurde bisher über zweihunderttausend Mal verkauft – ein Erfolg, um den uns einige Nachbarländer beneiden“
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