ÖBB Geschäftsbericht 2022

47 #RichtungZukunft Koralmbahn werden wir 2025 eröffnen. Das wird sicher ein nächster Quantensprung für das Bahnfahren in Österreich, insbesondere das Bundesland Kärnten wird von diesem Jahr- hundertprojekt profitieren. Die Fahrzeiten Salzburg – Wien und Klagenfurt – Wien sind dann jedenfalls konkurrenzfähig zum Auto. Ich möchte auf die ÖBB Energieprojekte zurückkommen. Was ist da genau geplant und wie können wir unseren Energiebedarf auch in Zukunft sicher abdecken? MATTHÄ: Wir haben als eine der Konsequenzen aus der Ener- giekrise des letzten Jahres unsere diesbezügliche Planung neu aufgesetzt. Das Ziel ist klar: Wir wollen bis 2030 unseren Bahn- stromverbrauch durch Eigenversorgung, also durch eigene und durch Partnerkraftwerke, zu 80 Prozent abdecken. Wir haben dafür einen Investitionsrahmen von rund einer Milliarde Euro fixiert und sind aktuell dabei, Projekte soweit aufzubereiten, dass sie zügig umgesetzt werden können. Und da sind wir lei- der auch beim schwierigsten Punkt angekommen: der konkre- ten Umsetzung. Denn so sehr auch von allen Seiten der Ausbau gefordert wird, so langwierig sind dann die Genehmigungs- prozesse. Dann lassen wir die Schiene mal kurz hinter uns und wen- den uns – Stichwort Postbus – den anderen Geschäftsfel- dern des Konzerns zu. Wie fällt da ihr Resümee aus? MATTHÄ: Unser Postbus steht seit vielen Jahren in einem sehr harten Ausschreibungswettbewerb in einem voll liberalisierten Markt. Aus unserer Sicht ist das nicht immer sinnvoll. Der Billigstpreis-Wettbe- werb geht letztlich zu Lasten der Quali- tät und der Kund:innen. Das ist sehr schade, denn gerade jetzt würden wir mehr attraktive regionale Busangebote brauchen, damit auch die Menschen in Gebieten abseits der Bahn einfacher auf den öffentlichen Verkehr umsteigen könnten. Hinzu kommt, dass wir – Stichwort beamtete Mitarbeiter:innen – eine andere, historisch gewachsene Personalstruktur haben als unsere Mit- bewerber. Gemessen an diesen Umständen macht unser Post- bus seine Sache wirklich sehr gut! Im letzten Jahr hatten wir auch wieder beinahe 190 Millionen Fahrgäste. Wir sind damit nicht nur das mit Abstand größte Busunternehmen Österreichs, sondern die Tendenz geht wieder nach oben. Wir brauchen in der Fläche den Busverkehr unbedingt. Und zwar sowohl als ein Element der Grundversorgung der Menschen mit hoch- wertigem öffentlichem Verkehr in den Regionen wie auch als Zubringer für die Hauptverkehrsverbindungen auf der Schiene. Und wie laufen die anderen Projekte, allen voran ÖBB 360° mit Rail&Drive, Postbus-Shuttle und Angeboten vom E-Scooter bis zum Bike-Verleih? Ist das bereits ein nen- nenswerter Geschäftsbereich oder stehen wir da noch eher am Anfang? MATTHÄ: Unser Ziel ist es, ein Gesamtmobilitätsanbieter zu sein. Jede Kundin, jeder Kunde soll auf möglichst einfachem Weg und möglichst aus einer Hand beziehungsweise über eine Plattform seine Mobilitätsbedürfnisse abdecken können. Nicht mehr, aber auch nicht weniger versuchen wir mit ÖBB 360°. Im Idealfall komme ich so mit einem Buchungsvorgang von meiner Wohnung zum Zug, nehme mir am Endbahnhof ein Auto oder ein E-Bike und erreiche damit mein endgültiges Reiseziel. Klingt einfach, ist es aber natürlich nicht. Oder doch? Wir denken, dass wir mit ÖBB 360° und der wegfinder-App alle dafür notwendigen Tools in der Hand haben. Und dort, wo wir es bereits umgesetzt haben, klappt es schon sehr gut. SCHIEFER: Ich teile diese Einschätzung vollinhaltlich. Und das Projekt, das wir als erstes gestartet haben, nämlich unser Car- sharing Rail&Drive, funktioniert auch wirtschaftlich bereits ganz gut. Aktuell bieten wir unsere Fahrzeuge – übrigens über 400 – bereits in 35 Städten in ganz Österreich an. Und das Angebot wird sehr gut angenommen. Für alle anderen Bereiche von ÖBB 360° gilt: Wir sehen dies als Ergänzungsangebot beim Bahn- »Die Eröffnung der Koralmbahn wird der nächste Quanten- sprung für das Bahnfahren in Österreich, insbesondere für Kärnten.« ARNOLD SCHIEFER > ARNOLD SCHIEFER. „Wir in Österreich sind in den letzten Jahren einen Sonderweg gegangen, indem wir nicht nur massiv in den Neubau, sondern auch in die Qualität des Bestandsnetzes investiert haben“

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