ÖBB Geschäftsbericht 2022

63 Konzernlagebericht Wirtschaftsentwicklung weltweit (Änderungen gegenüber dem Vorjahr in %) Kennzahlen und Prognosen zur globalen Wirtschaftslage 2020 2021 2022 2023 Bruttoinlandsprodukt, real Eurozone -6,1 5,3 3,2 0,3 USA -3,4 5,9 2,0 1,4 China 2,2 8,4 3,0 5,2 Welt -3,0 6,2 3,4 2,9 Welthandel (Güter und Dienstleistungen), real -7,8 10,4 5,4 2,4 Wertschöpfung Industrieproduktion, real -4,7 6,6 2,3 1,0 Verbraucherpreise Industrieländer 0,7 3,1 7,3 4,6 Entwicklungs- / Schwellenländer 5,1 5,9 9,9 8,1 Rohölpreis (in USD) -31,7 65,8 39,8 -16,2 Rohstoffpreis (in USD) 6,5 26,4 7,0 -6,3 Quelle: IWF, Europäische Kommission, Oxford Economics. Bereits vor Ausbruch des Krieges hatte die globale Konjunkturentwicklung nach dem rasanten Aufschwung im Jahr 2021 an Fahrt verloren. Verantwortlich dafür war zum einen das schwache Wachstum Chinas, verursacht durch die weiterhin äußerst rigide Null-COVID-19-Politik. Sie führte zu negativen Folgen für die chinesische Binnennachfrage, die sich auch in einem deutlichen Rückgang des Importwachstums bemerkbar machten. Des Weiteren kam es aufgrund der zeitweiligen COVID-19-bedingten Hafenschließungen und dem Ausfall von Produktionsanlagen zu nachhaltigen Störungen der globalen Lieferketten. 2 Zum anderen rutschte die US-Wirtschaft zu Jahresbeginn in eine technische Rezession, wies also negative Wachstumsraten in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen auf. 3 Diese Entwicklung war die Folge des lieferkettenbedingten Angebotsschocks, eines akuten Arbeitskräftemangels und hoher Inflationsraten auf der einen Seite sowie der entsprechend drastischen Zinswende der US-Notenbank Fed auf der anderen Seite. So wurden als Reaktion auf die galoppierende Kerninflation die Leitzinsen im Jahresverlauf schrittweise von 0,25% im Jänner 2022 auf 4,5% bis Dezember 2022 angehoben. 4 Auch die Energie- und Rohstoffpreise hatten bereits zu Beginn des Jahres 2022 neue Höchststände erreicht. Diese Preisentwicklung wurde durch die unerwartet starke Nachfragerholung nach den COVID-19-bedingten Einschränkungen in vielen Staaten verursacht. Mit Kriegsbeginn Ende Februar 2022 hat sich diese Situation weiter verschärft. So lag der Ölpreis (Brent) im Jahresmittel um 42% über dem Wert des Vorjahres. Im Juni wurde sogar ein 10-Jahres-Höchststand von knapp 120 USD je Barrel erreicht. Auch Kupfer und andere Rohstoffpreise erreichten neue Allzeithöchststände. Besonders dramatisch war der Anstieg des Gaspreises. Im Schnitt lag der weltweite Gaspreis-Index im Gesamtjahr 2022 trotz deutlicher Entspannung zu Jahresende um 115% über dem Niveau des Vorjahres. 5 Insbesondere in Europa führt diese Entwicklung auch zu einem massiven Anstieg der Strompreise, das Gaskraftwerke in vielen Staaten einen gewichtigen Anteil an der Energieerzeugung haben. Diese Entwicklung schlägt sich auch in den Inflationsraten nieder. Dramatisch ist insbesondere die Entwicklung der sogenannten Kerninflation, ohne Lebensmittel- und Energiepreise, die im globalen Jahresschnitt 6,6% erreichte. Vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer sind von dieser Entwicklung getroffen, wodurch globale Ungleichgewichte weiter verschärft wurden. 6 Zwar ließ sich ab der zweiten Jahreshälfte im Bereich der globalen Lieferketten eine deutliche Entspannung beobachten, was sich in niedrigeren Frachtraten für Rohstoffe und Container niederschlug. Dies war jedoch in erster Linie der sich bereits abzeichnenden Konjunkturabkühlung geschuldet. 7 2 Trading Economics, DVZ. 3 BEA, IWF. 4 OeNB, Orf.at. 5 Weltbank. 6 IWF. 7 Fed. LB4 |

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