ÖBB Geschäftsbericht 2022
66 Konzernlagebericht Äußerst heterogen verläuft auch die Konjunkturentwicklung in den europäischen Staaten, in denen die RCG aktiv ist. Während in Österreich und den meisten Staaten Osteuropas 2022 noch deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten verzeichnet werden konnten, blieb die Konjunktur in Deutschland ein weiteres Jahr in Folge deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Für das Jahr 2023 wird hier mit einer Stagnation gerechnet. 15 Damit schließt Deutschland an die schwächelnde Vorkrisenentwicklung an – die Industrie befand sich schon 2019 in einer Rezession, die nur durch den Aufholprozess der Post-COVID-19-Phase überlagert wurde. Der Industrieanteil an der Wertschöpfung sinkt seit Jahren kontinuierlich. 16 Für 2023 stehen die Zeichen für die gesamteuropäische Wirtschaftsentwicklung auf Stagnation, wobei hier vor allem die wirtschaftliche Entwicklung in Staaten mit höherem Industrieanteil dämpfend wirkt. Mit dem Rückgang der Industrie- und Nachfrageentwicklung dürfte sich auch die Lage bei der Inflationsentwicklung weiter entspannen. So liegt die erwartete Inflationsrate für die Eurozone nach 8,4% für 2022 bei rd. 6% für das Jahr 2023. 17 Trotz des Auslaufens von COVID-19-Hilfsprogrammen auf nationaler Ebene bleibt die finanzielle Situation der öffentlichen Haushalte in Europa angespannt. Zahlreiche Staaten setzen umfangreiche Maßnahmen zum Ausgleich der Teuerung, allen voran der hohen Energiekosten. Entsprechend dürften die Budgetdefizite in den meisten Staaten der Eurozone sowohl 2022 als auch 2023 deutlich über dem Maastricht-Ziel liegen. Die Schuldenlast der Staaten der Eurozone im Verhältnis zum BIP liegt 2022 im Schnitt bei 93%, für 2023 wird ein ähnlich hoher Wert erwartet. 18 Gleichzeitig hat sich mit der stufenweisen Erhöhung des Leitzinses auf 2,5% bis Jahresende nach der langen Nullzinsperiode nun auch das Finanzierungsumfeld für die Staaten verändert. Zwar sind die Realzinsen weiterhin negativ. Angesichts der deutlich über dem 2%-Ziel liegenden Inflationserwartungen in der mittleren Zukunft sind weitere Zinsschritte der EZB wahrscheinlich. Zudem hat die EZB mit dem Ausstieg aus dem sogenannten Quantitative Easing, d. h. dem Ankauf von Staatsanleihen zur Ausweitung der Geldmenge, begonnen. 19 Österreichische Wirtschaftsentwicklung Österreichs Wirtschaft hat sich im Jahr 2022 angesichts des schwierigen Umfeldes überraschend gut entwickelt. Der Ausbruch des Ukrainekrieges traf die österreichische Konjunktur in einer Phase des Aufschwungs. So konnten im ersten und zweiten Quartal 2022 noch deutlich überdurchschnittliche BIP-Wachstumsraten von rd. 10% bzw. 6% im Vergleich zum Vorjahresquartal erzielt werden. Getragen wurde diese Entwicklung einmal mehr durch den aufholenden Privatkonsum im Nachgang der COVID-19-Lockdowns sowie durch die starke Exportentwicklung. Hingegen schrumpfte die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen bereits. 20 Kennzahlen und Prognosen zur Wirtschaftslage in Österreich Größe Einheit 2020 2021 2022 2023 Bruttoinlandsprodukt, real Veränderung in % -6,5 4,6 4,7 0,3 Industrieproduktion -5,5 9,9 7,0 -2,1 Warenexporte -7,3 12,9 6,0 -0,1 Warenimporte -6,2 14,2 3,1 0,1 Bruttoanlageinvestitionen, real -5,3 8,7 -1,0 0,2 Private Konsumausgaben, real -8,0 3,6 3,8 1,3 Inflationsrate (Verbraucherpreise) 1,4 2,8 8,6 6,5 Maastricht-Defizit in % des BIP -8,0 -5,9 -3,3 -2,0 Arbeitslosenquote in % der Erwerbspersonen 9,9 8,0 6,3 6,5 Quelle: Statistik Austria, WIFO, Oxford Economics. 15 IWF. 16 Handelsblatt. 17 Europäische Kommission. 18 IHS. 19 Handelsblatt. 20 OeNB. | LB7
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