ÖBB Geschäftsbericht 2022
67 Konzernlagebericht LB8 | Zwar erwies sich die österreichische Industrie insbesondere im Vergleich zu Deutschland und Italien noch vergleichsweise resilient, wenngleich es auch in Österreich zu einzelnen Produktionsstilllegungen im Bereich der Papierindustrie aufgrund der drastischen Energiekostensteigerungen kam. 21 Die Wachstumsraten der Industrieproduktion in den ersten drei Quartalen 2022, insbesondere im ersten und zweiten Quartal, waren nach einem bereits starken Jahr 2021 erneut überdurchschnittlich. Gleichzeitig war die verhaltene Investitionslaune bereits ein Vorbote der sich bereits abkühlenden Konjunkturerwartungen. Über den Sommer drehten die Erwartungsindizes in der heimischen Sachgütererzeugung dann endgültig ins Negative. 22 Mit der prognostizierten Stagnation der Gesamtwirtschaft beim wichtigsten Handelspartner Deutschland wird für Jahr 2023 mit einer Abschwächung der österreichischen Industriekonjunktur gerechnet. Entwicklung der Industrieproduktion (ohne Bauwirtschaft) in Österreich (Produktionsindex, arbeitstätig bereinigt, Änderung gegenüber dem Vorjahresquartal in %) Quelle: Statistik Austria. Der massive Anstieg der Energiekosten sorgte im Jahr 2022 auch für neue Rekorde bei den Inflationsraten. Dieser war vor allem durch die hohe Abhängigkeit von russischem Erdgas sowohl in der Stromerzeugung wie auch beim Heizen bedingt. Die zur Jahresmitte 2022 einsetzende Abschwächung des EUR-Wechselkurses gegenüber dem USD wirkte zusätzlich preistreibend auf die Importe, da vor allem Energieprodukte und Rohstoffe vornehmlich in USD notieren. So wurde im September 2022 ein Preisanstieg von über 10% im Vergleich zur Vorjahresperiode verzeichnet – erstmals wieder seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren. 23 Die Jahresinflationsrate 2022 lag bei 8,6%. Zwar wird für das Jahr 2023 mit einem Rückgang der Preissteigerungen gerechnet. Die verzögerte Weitergabe der Kostensteigerungen in vielen Bereichen wird aber auch 2023 für deutlich überdurchschnittliche Steigerungen der Verbraucherpreise sorgen. 24 Gesamtwirtschaftlich stehen die Zeichen daher im Jahr 2023 mit einem Wirtschaftswachstum nahe 0% und weiterhin hoher Inflation auf Stagflation. Positive Wachstumsbeiträge werden erneut vor allem vom Privatkonsum erwartet. Begünstigt wird diese Entwicklung vor allem von den überdurchschnittlichen Lohnabschlüssen in vielen Branchen im Herbst 2022. Sie dürften trotz weiterhin hoher Inflation im Schnitt einen Reallohnzuwachs für 2023 erlauben. Überraschend positiv bleibt auch die Entwicklung auf dem heimischen Arbeitsmarkt. So lag die Arbeitslosenquote 2022 mit 6,3% unter dem Niveau der Jahre 2018 und 2019. Angesichts des akuten Fachkräftemangels neigen viele Unternehmen dazu, Beschäftigte trotz des aktuell schwierigen Umfeldes vorerst einmal zu halten. Der für 2023 prognostizierte leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 6,5% ist vor allem dem Zuzug ausländischer Arbeitskräfte geschuldet. 25 Fiskalisch bedeutet das Auslaufen der Coronahilfen eine Entlastung des öffentlichen Haushalts. Expansive fiskalpolitische Maßnahmen zum Teuerungsausgleich wie Einmalzahlungen sowie die Abschaffung der kalten Progression schlugen im Jahr 2022 mit rd. 5,2 Mrd. EUR an Sonderaufwänden zu Buche. Diese führten somit zu einer leichten Verzögerung in der Rückführung des Budgetdefizits. 26 2022 lag dieses bei -3,3% im Vergleich zu -5,9% im Jahr davor. Gleichzeitig wirken die hohe Inflation und das Niedrigzinsumfeld weiterhin dämpfend auf die Staatschuldenquote und das Budgetdefizit. Letzteres dürfte jedenfalls bereits im Jahr 2023 wieder unter die Maastricht-Obergrenze von 3% des BIP fallen. 21 Industriemagazin, Orf.at. 22 WIFO. 23 Statistik Austria. 24 WIFO. 25 WIFO. 26 BMF. -4,5% -15,7% -2,9% 0,7% 2,3% 22,4% 7,8% 9,5% 10,8% 9,8% 4,5% -20% -15% -10% -5% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 1. Q 2. Q 3. Q 4. Q 1. Q 2. Q 3. Q 4. Q 1. Q 2. Q 3. Q 2020 2021 2022
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