ÖBB Geschäftsbericht 2022
76 Konzernlagebericht Marktumfeld Schieneninfrastruktur Die Entwicklung der Betriebsleistung im Netz der ÖBB-Infrastruktur AG spiegelt den allgemeinen Aufschwung im Personen- und Güterverkehr auf der Schiene wider. So legten die zurückgelegten Zugkilometer im Vergleich zum Vorjahr um 4,8% zu. In Bezug zum Jahr 2019 waren es 4,5%. Zuwächse gab es dabei sowohl beim Personen- wie beim Güterverkehr. Die Betriebsleistung im Bahnpersonenverkehr erreichte mit einem Plus von 5,8% im Vergleich zu 2021 sogar einen neuen Höchststand. Verantwortlich dafür war die massiv gestiegene Nachfrage im Fernverkehr. Diese steht u. a. im Zusammenhang mit dem Klimaticket sowie dem Aufschwung im Tourismus und bei Urlaubsreisen nach den COVID-19- Jahren und den damit verbundenen Angebotsausweitungen sowohl bei den ÖBB wie bei den Mitbewerbern. Auch im Güterverkehr konnte bei den Zugkilometern ein Zuwachs von 2,0% zum Vorjahr verzeichnet werden. Das bedeutet eine Stabilisierung in etwa auf Vorkrisenniveau. 50 Auf europäischer Ebene wird aktuell die sogenannte TEN-T-Verordnung überarbeitet. Mit der EU-Verordnung 1315 / 2013 wurden im Jahr 2013 die transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-T) geschaffen. Diese Verordnung umfasst mehrere Verkehrsmodi und teilt das europäische Transportnetz nach Priorität in unterschiedliche Netzebenen ein. Der ambitionierte Gesetzesvorschlag der EU-Kommission für den revidierten Gesetzestext wurde im Dezember 2021 veröffentlicht. Aus ÖBB Sicht ist die vorgesehene Einführung einer neuen Netzkategorie „erweitertes Kernnetz“ für die europäischen Transportkorridore positiv hervorzuheben. Dafür wurde ein Umsetzungshorizont bis 2040 definiert, und die Pyhrn- und Tauernstrecken sollen in diese Kategorie aufgenommen werden. Der zuständige federführende Ausschuss im EU- Parlament ist der Ausschuss für Verkehr und Tourismus. Abhängig von den Verhandlungen zwischen EU-Kommission, EU- Parlament und -Rat wird der finale Gesetzestext für das zweite Halbjahr 2023 erwartet. Der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsverkehrs bildet einen zentralen Baustein der europäischen Infrastrukturpolitik. So hat Tschechien im Rahmen seiner Ratspräsidentschaft entsprechende Pläne konkretisiert. Innerhalb des staatlichen Infrastrukturbetreibers Správa Železnic wurde eine eigene Organisationseinheit geschaffen, die für die Planung, Vergabe und Abwicklung der entsprechenden Baulose zuständig ist. Der erste Abschnitt entlang der Achse Prag – Brno – Ostrava soll 2030 in Betrieb genommen werden und Geschwindigkeiten bis 320 km/h ermöglichen. 51 Auch in Italien schreitet der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes voran. Im Jänner 2022 erfolgte die Vergabe des Bauloses für den Abschnitt Verona – Padua an die italienische Salcef-Gruppe. Dieser Abschnitt ist Teil der geplanten Achse zwischen Turin, Mailand und Venedig und somit auch Teil des sogenannten mediterranen Korridors im Rahmen des TEN- T-Netzes. Die Arbeiten sollen 2026 abgeschlossen sein. 52 Eine wichtige Ergänzung im Hochgeschwindigkeitsnetz auf der Nord-Süd-Achse bildet auch die Verbindung von Neapel nach Bari, die Ende 2023 fertiggestellt werden soll. 53 Entlang des baltisch-adriatischen Korridors erfolgt mit der Errichtung des slowenischen Pekel-Tunnels nördlich von Maribor ein wichtiger Lückenschluss für Güterverkehrsverbindungen – insbesondere zwischen Österreich und Slowenien. Der Tunnelbau ist für Geschwindigkeiten bis 120 km/h und bis zu 90 Zügen pro Tag ausgelegt. Geplanter Eröffnungstermin ist Ende 2023. 54 Stark betroffen ist der österreichische internationale Bahnverkehr von der aktuellen Situation in Europa. Ein wesentlicher Faktor sind die mittlerweile zahlreichen Baustellen als Folge der kontinuierlichen Maßnahmen in der Schieneninfrastruktur, die den Bahnbetrieb zusätzlich erschweren. Insbesondere die Industrie beklagt gravierende Probleme im Schienengüterverkehr. 50 ÖBB Infrastruktur. 51 Railtech.com. 52 Salcef. 53 Orf.at. 54 Railtech.com. | LB17
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