ÖBB Geschäftsbericht 2022
94 Konzernlagebericht Großraum Wien Zwei von drei Bahnreisenden sind in der Ostregion unterwegs. Viele von ihnen sind Pendler:innen und benutzen regelmäßig das Streckennetz der ÖBB-Infrastruktur AG. Rd. 2.000 Schienenkilometer befinden sich in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland – das entspricht etwa 40% des Gesamtnetzes. Daher arbeitet die ÖBB- Infrastruktur AG mit Hochdruck an Verbesserungen und Kapazitätserweiterungen im Nahverkehr. Im Jahr 2022 haben die ÖBB beispielsweise intensiv am Ausbau der Pottendorfer Linie gearbeitet, um die Situation für die Pendler:innen aus dem Süden weiter zu verbessern. Von dort kommen 40% aller Pendler:innen. Neben dem Baustart im Wiener Bereich im Februar 2022 wurde auch im niederösterreichischen Abschnitt Münchendorf bis Wampersdorf mit dem Bau des Bahnhofs Wampersdorf begonnen. Für den Abschnitt Wampersdorf – Ebenfurth inkl. der Schleife Ebenfurth wurden 2022 die Planungen weitergeführt bzw. zur Genehmigung eingereicht. Mit dem viergleisigen Ausbau der Südstrecke zwischen Wien Meidling und Mödling inklusive der Errichtung zwei neuer Haltestellen wird das Mobilitätsangebot für den Süden von Wien und den Bezirk Mödling noch attraktiver. Gemeinsam mit der Pottendorfer Linie stehen dann mit Projektabschluss sechs leistungsfähige Gleise im Süden von Wien zur Verfügung. Dafür liefen 2022 die Planungen weiter. Der Norden profitiert vom Ausbau der Nordbahn. Für dieses Projekt begannen Anfang des Jahres 2022 die Bauarbeiten im Südabschnitt – von Wien Süßenbrunn bis Gänserndorf. Für den Nordabschnitt – von Gänserndorf bis Bernhardsthal – laufen die Planungen. Insgesamt sollen rd. 66 km Strecke unter laufendem Betrieb modernisiert sowie 17 Bahnhöfe und Haltestellen entlang der Strecke attraktiviert und barrierefrei adaptiert werden. Auch soll das Park & Ride- und das Bike & Ride-Angebot ausgebaut werden. Hinzu kommt die Auflassung von Eisenbahnkreuzungen, was höhere Fahrgeschwindigkeiten der Züge erlauben wird. Auf der Marchegger Ostbahn – auf dem Abschnitt Wien Aspern Nord – Siebenbrunn-Leopoldsdorf – startete im Frühjahr 2022 der zweigleisige Vollausbau. Der Wiener Streckenabschnitt ist bereits zweigleisig ausgebaut. In Niederösterreich wurden sieben Bahnhöfe modernisiert und mit Park & Ride- und Bike & Ride-Anlagen ausgestattet und Eisenbahnkreuzungen durch Unter- beziehungsweise Überführungen ersetzt. 2022 wurden etwa die Bahnhöfe Siebenbrunn-Leopoldsdorf, Breitensee und Schönfeld-Lassee fertiggestellt. Die Elektrifizierung der gesamten Strecke ist mit Fahrplanwechsel 2022/2023 abgeschlossen. Eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre ist die Modernisierung des Nadelöhrs des öffentlichen Nahverkehrs im Großraum Wien – die sogenannte „S-Bahn Wien Stammstrecke” zwischen Wien Meidling und Wien Floridsdorf. Mit dem Programm S-Bahn Wien wurde ein umfassendes Bündel an Baumaßnahmen geschnürt. Es soll sicherstellen, dass der öffentliche Nahverkehr zwischen Wien und Niederösterreich langfristig pünktlich und zuverlässig bleibt. Neben der Modernisierung der S-Bahn-Wien-Stammstrecke wird auch über die Stadtgrenzen hinaus entlang der Nord- und Südachsen an Kontextprojekten gearbeitet. Ziel ist es, auch in diesem Bereich mehr Kund:innen im öffentlichen Nahverkehr transportieren zu können. Entlang der Nordwestbahn und der Südstrecke werden Bahnsteige verlängert. Das ermöglicht es, zukünftig neue, moderne und längere Züge einsetzen zu können. Diese wiederum bieten mehr Sitzplätze und somit einen höheren Komfort für die Reisende. In Wiener Neustadt wird die nördliche Einfahrt in den Hauptbahnhof von drei auf vier Gleise ausgebaut, um die Pottendorfer Linie effizient einzubinden. Neue Weichenverbindungen ermöglichen zudem einen flexibleren Betrieb bei der Durchbindung von Zügen. Weitere Kontextprojekte sind die Errichtung von Abstell- und Wendeanlagen, die Digitalisierung des Zugsicherungssystems mittels ETCS L2+ sowie die weitestgehende Herstellung von Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr. An den Planungen für all diese Maßnahmen wurde 2022 intensiv gearbeitet. Der Start der ersten Bauarbeiten in Wien ist für Herbst 2023 geplant. Ein weiteres wichtiges Puzzlestück im innerstädtischen Nahverkehr ist die Attraktivierung der Verbindungsbahn zwischen Hütteldorf und Meidling. Sie soll in Zukunft einen 15-Minuten-Takt der S80 zwischen Hütteldorf und Wien Aspern Nord ermöglichen. Die Planungen inkl. einem Gestaltungswettbewerb liefen 2022 weiter. Die Modernisierungen der Kamptalbahn, Traisentalbahn, Erlauftalbahn oder Mattersburger Bahn wurden im Berichtszeitraum ebenfalls vorbereitet. Weiters wurde mit dem Ausbau der Franz-Josefs-Bahn begonnen. Eine attraktive Anbindung aus dem Osten Österreichs an den Flughafen und die Stadt Wien soll mit dem Projekt „Flughafenspange“ realisiert werden. Die neue Verbindung bedeutet für Pendler:innen kürzere Fahrtzeiten und bringt Entlastung für die stark befahrenen Ortsdurchfahrten. 2022 sind die Planungen weiter vorangeschritten. | LB35
RkJQdWJsaXNoZXIy NTk5ODUz