ÖBB Geschäftsbericht 2023

7 Vorstand & Aufsichtsrat Vorwort der Aufsichtsratsvorsitzenden Liebe Leserin, lieber Leser. » Heiß- kalt « – so lässt sich das Geschäftsjahr 2023 zusammenfassen. Einem Rekord an Passagieren standen im 2. Halbjahr leider für die ÖBB ungewohnt größere Quali­ tätsprobleme hinsichtlich Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gegenüber. Gerade der hohe Qualitätsanspruch, mit dem die ÖBB in den letzten Jahren ihren Auftrag erfüllt haben, hat das Unternehmen nicht nur bezüglich Zuspruch seiner Kund:innen an die Spitze geführt, sondern auch im internationalen Vergleich zu einer der führenden Bahnen gemacht – und das sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Sieht man von Corona-bedingten Unterbrechungen ab, steigt erfreulicherweise die Zahl der beförderten Passagiere Jahr für Jahr auf einen im Jahr 2023 neuerlich zu verzeichnenden Rekordwert. Mit dem Mehr an Fahrgästen wächst jedoch der Bedarf an Wagenmaterial, die Notwendigkeit des Infrastrukturausbaus und die Nachfrage nach qualifiziertem Personal. Auf diese Wachstumsindikatoren haben die ÖBB mit umfangreichen Investitions- und Rekrutierungsprogrammen reagiert, die jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht in der erforderlichen Geschwindigkeit realisiert werden konnten. Dies führte zu merklichen Qualitätseinbußen, die es jetzt gilt, so schnell wie möglich zu überwinden. Auch der Güterverkehr sah sich schwierigen, geopolitischen und wirtschaftlichen Umfeldbedingungen ausgesetzt. Neben all diesen internationalen Faktoren ist der Mengenrückgang in Österreich auf die ungleichen Bedingungen im Wettbewerb mit der Straße zurückzuführen und prägt bis heute die Situation auf dem Inlandsmarkt. Schwierige Markt- und Umfeldbedingungen Unwetterextreme, massive Lieferverzögerungen der Fahrzeughersteller sowie von Ersatzteilkomponenten, Baubetrieb und Streikverhalten bei den Nachbarbahnen und ein umkämpfter Arbeitsmarkt waren die wesentlichsten qualitätskritischen Herausforderungen des Wirtschaftsjahres 2023. Als einer der größten Arbeitgeber des Landes konnten auch 2023 Tausende neue Mitarbeiter:innen für die ÖBB gewonnen werden. Der Arbeitsmarkt ist jedoch hart umkämpft, der Wettbewerb groß. Beinahe jede Branche in Österreich ist vom massiven Fachkräftemangel betroffen. Die ÖBB setzen daher nicht nur auf die Weiterentwicklung von attraktiven, gleichberechtigten und innovativen Arbeitsplätzen, sondern haben auch sehr früh erkannt, wie wertvoll und wichtig die Ausbildung von jungen Menschen in zahlreichen Lehrberufen für nachhaltige Mobilitätsdienstleistungen ist. All diese Bemühungen sind mehr als zu unterstützen, damit die Bahn mit engagierten und wertgeschätzten Mitarbeiter:innen resilienter wird und dem wachstumsbedingten Service- und Dienstleistungsanspruch gerecht werden kann. Das Erfüllen des eigenen Qualitätsanspruchs ist aber nicht nur eine Frage des Personals, sondern auch der Hard- und Software. Hier gibt es ebenso nicht nur einen Grund, der zu den Komplikationen im abgelaufenen Geschäftsjahr führte. ANDREA REITHMAYER. Vorsitzende des Aufsichtsrats der ÖBB-Holding AG >

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