ÖBB Geschäftsbericht 2023

Vorstand & Aufsichtsrat 8 Neben bereits erwähnten Beeinträchtigungen wie Unwetterkapriolen im Sommer, Bau- und Streik­ verhalten der Nachbarbahnen führten vor allem Lieferschwierigkeiten zu Ausfällen und Verspätungen. So hat sich die Lieferzeit von neuem Wagenmaterial aufgrund geopolitischer Entwicklungen und Lieferkettenproblemen, aber auch einer hohen Auslastung wegen von vier auf mittlerweile sechs Jahre erhöht. Ein Umstand, der einerseits dazu führt, dass benötigte neuen Kapazitäten für die Angebotsausweitung fehlen, andererseits das vorhandene Wagenmaterial intensiver und über vorgesehene Lebenszyklen hinaus genutzt werden muss. Dies wiederum erhöht die Anfälligkeit für Störungen sowie Ausfälle und verkürzt notwendige Wartungsintervalle. Um diesen Mehrbedarf an Reparaturen und Services zu bewältigen, braucht es wiederum mehr Personal; Lieferengpässe von Ersatzteilen verschärften die Problematik zusätzlich. Ein negativer Kreislauf, der nur schwer – jedenfalls nicht kurzfristig – zu durchbrechen ist. Wachstumsbedingter Optimierungsanspruch Der Anspruch und das große Commitment aller ÖBB Mitarbeiter:innen, dass sie „ihren“ Kund:innen hohe Qualität und Verlässlichkeit bieten wollen, ist dem Vorstand bewusst und bekannt. Das konnte durch all die ununterbrochenen Krisenjahre seit dem Jahr 2021 mehrfach bewiesen werden. Daher ist es zu begrüßen, dass das neue Geschäftsjahr ganz dem Ziel gewidmet ist, zur bewährten Qualität zurückzufinden. Denn trotz der externen Faktoren und Rahmenbedingungen, die zu dieser für die ÖBB schwierigen und nicht zufriedenstellenden Situation geführt haben, gibt es durchaus „Hausaufgaben“, deren Lösung die ÖBB zumindest zum Teil selbst in der Hand haben. Agile Betriebsabläufe, Digitalisierung und Internationalisierung als Muss Um die gestiegenen betrieblichen Herausforderungen gut bewältigen zu können, wird es notwendig sein, bestehende Prozesse und Prozessketten zu prüfen, zu adaptieren und noch besser aufeinander abzustimmen. Das erfordert eine gesamthafte, agilere Sicht in der Steuerung der Betriebsabläufe sowie der Ressourcen- und Kapazitätseinsätze, die für einen modernen Bahnbetrieb von heute und morgen unerlässlich ist. Eine ganz wichtige Rolle übernimmt dabei die Digitalisierung, deren Umsetzung die ÖBB konsequent vorantreiben müssen. Denn ohne digitale Unterstützung werden die ÖBB ihren eigenen Qualitäts­ anspruch künftig nicht erfüllen können. Dabei geht es auf der einen Seite um digitale Angebote und Services für die Kund:innen im Personen- und Güterverkehr, auf der anderen Seite sind jedoch fast noch mehr betriebliche Prozesse beteiligt. Die Digitale Automatische Kupplung ist nur ein Beispiel dafür. Schon heute können Drohnen raschere Daten über den Zustand einer Strecke liefern und künftig ermöglichen „Digitale Twins“ die automatisierte und dynamische Erfassung von Fahrzeugdaten, um Instandhaltung und betriebliche Steuerung zu optimieren. Auch die Internationalisierung, die nicht nur für die Rail Cargo von Bedeutung ist, sondern auch im Personenverkehr eine größere Rolle spielen wird, steht im Fokus, unter anderem um wichtige Erfahrungen für den zunehmenden europäischen Wettbewerb zu sammeln und das große Potenzial zur Verlagerung der klimaschädigenden Flüge auf die Schiene zu heben. Zur notwendigen Internationalisierung gehört aber auch, die Stimme der Bahn auf europäischer Ebene zu stärken. Deshalb bedarf es gleichfalls »Der Anspruch und das große Commitment aller ÖBB Mitarbeiter:innen, dass sie ›ihren‹ Kund:innen hohe Qualität und Verlässlichkeit bieten wollen, ist dem Vorstand bewusst.«

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