ÖBB Geschäftsbericht 2023
Konzernlagebericht 134 Zur Erhöhung der Biodiversität entlang der Strecke wird Wert auf eine spezielle Gestaltung der Bahndämme und Böschungen gelegt. Planung und Bau der Anlagen sind bereits auf die Förderung von verschiedenen Vegetationstypen am Bahndamm abgestimmt, um die Vielfalt der Fauna und Flora weiter zu forcieren. Aufgrund der extensiven und naturnahen Bewirtschaftung der Bahntrassen und diverser Bahnbegleitflächen können diese als Rückzugsraum und Migrationskorridor für seltene Tier- und Pflanzenarten dienen. Zugleich sind sie verbindendes Element zwischen verschiedenen Lebensräumen in Österreich. Zudem stellen intakte, naturnahe und artenreiche Lebensräume eine Vielzahl an Ökosystemleistungen zur Verfügung und fördern dadurch die Lebensqualität der Menschen. Bei sämtlichen Neu- und Ausbauprojekten ist die Berücksichtigung der jeweiligen Roten Listen der gefährdeten Arten zu gewährleisten. Dafür kommen zusätzlich zu den Genehmigungsverfahren, die im Einklang mit Natur- und Artenschutzrecht geplant und umgesetzt werden, auch spezifische, umwelt- und naturschutzbezogene Regelwerke zum Einsatz (Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen, RVS bzw. Richtlinien und Vorschriften für das Eisenbahnwesen, RVE). Im Jahr 2023 wurden 8.671 Gleiskilometer auf eine vorhandene Vegetation kontrolliert (vgl. 2022: + 4%) und bei Bedarf mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Zum Einsatz kamen dabei rd. 1,5 t von Wirkstoffen (Flumioxazin, Flazasulfuron, Iodosulfuron, Diflufenican), 0,3 t mehr als im Vorjahr. Die Differenz zum Vorjahr resultiert aus einem Anstieg in der Länge der kontrollierten Gleiskilometer sowie der Aufnahme von Iodosulfuron und Diflufenican in die Standardanwendung. Im Jahr 2022 wurden diese Wirkstoffe nur testweise angewendet. Beim Vergleich der tatsächlich behandelten Gleisflächen und der kontrollierten Gleisflächen zeigt sich, dass 2023 der gleiche Anteil an kontrollierten Flächen wie im Jahr 2022 behandelt werden musste. Bei der Interpretation der Kennzahlen ist zu bedenken, dass beispielsweise der Pflanzenwuchs auf der Gleisfläche durch unterschiedliche Umweltfaktoren wie etwa Regen oder Hitze beeinflusst wird. Gleiches gilt auch für den Einsatz von Spritzgeräten. Wichtige Kennzahlen auf einen Blick (Fokus AT) 2023 2022 Menge an eingesetztem Wirkstoff in Kilogramm pro Jahr 1.497 1.168 davon Glyphosat 0 0 Auf Vegetation kontrollierte Gleiskilometer in Kilometer 8.671 8.340 Auf Vegetation kontrollierte Fläche in Hektar 5.877 5.642 Tatsächlich behandelte Fläche in Hektar 1.828 1.775 Behandelter Anteil der kontrollierten Fläche in Prozent 31 31 Im Dezember 2017 hat die EU-Kommission die mögliche Nutzung von Glyphosat um fünf Jahre verlängert. Mit Beginn des Jahres 2022 wurde das angestrebte Ziel der ÖBB-Infrastruktur AG, kein Glyphosat auf Gleisanlagen der ÖBB auszubringen, erreicht. Es erfolgte eine Umstellung auf alternativ verfügbare Pflanzenschutzmittel. Zusätzlich beteiligt sich die ÖBB-Infrastruktur AG weiterhin intensiv an Forschungsprojekten. So soll zukünftig ein Methodenmix – chemisch, mechanisch, physikalisch (thermisch / elektrisch) – zum Einsatz kommen. Bis weitere Verfahren die Wirksamkeit und die Gleistauglichkeit erreicht haben, bleibt die Behandlung der Gleisanlagen mit Pflanzenschutzmitteln allerdings die wichtigste Maßnahme – für die chemische Vegetationskontrolle und zur Überwachung des Bewuchses im Gleisbereich. Die ÖBB-Infrastruktur AG steht auch bei dieser Thematik im internationalen Austausch mit anderen Bahnbetreibern. So sollen für diese einheitliche Problematik im gesamten Eisenbahnsektor gemeinsame Lösungen gefunden werden. GRI 304- 2 Highlights 2023 Ende des Jahres 2022 wurde mit einiger Verspätung die Biodiversitäts-Strategie Österreich 2030+ vom BMK veröffentlicht. Darin finden sich auch für den Sektor Verkehr- und Transportinfrastruktur zahlreiche Maßnahmen, die in den nächsten Jahren verstärkt berücksichtigt werden müssen. Der offizielle Kick-off, bei dem alle bundeseigenen Verkehrsinfrastrukturbetreiber an einen Runden Tisch ins BMK eingeladen wurden, erfolgte im Herbst 2023. Erste Maßnahmen zur Lebensraumvernetzung und der „ökologischen Aufwertung“ von Infrastrukturbegleitflächen wurden bereits gesetzt. Zusätzlich wurde im April 2023 ein für Großtrappen besonders kritischer 800 m langer Oberleitungsabschnitt an der Strecke zwischen Parndorf und Pama mit sogenannten „Fireflys“ gesichert. Diese erhöhen die Sichtbarkeit der Leitung für die Vögel und sollen eine Kollision im Flug verhindern. In Zukunft soll der gesicherte Bereich noch weiter ausgedehnt werden. Ein weiteres Highlight des Jahres 2023 war der Gewinn des „Excellence in Railway Publications Awards“ der UIC - International Union of Railways, für die im Mai 2023 veröffentlichten „Guidelines on Managing Railway Assets for Biodiversity”. Diese Guidelines entstanden im Rahmen des UIC Projektes „Reverse“ der UIC Arbeitsgruppe „Sustainable Landuse“ in der die ÖBB-Infrastruktur AG gemeinsam mit einem Kollegen der Network Rail den Vorsitz innehat. | LB89
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